Iran-Krieg: Grindelwald fürchtet langen Krieg und wenig Gäste
Der Iran-Krieg trifft den Schweizer Bergtourismus. Besonders Gäste aus Asien bleiben aus. Das Berner Oberland auf einen schwierigen Sommer ein.

Das Wichtigste in Kürze
- Der Iran-Krieg erschwert Flüge aus Asien und bremst den Schweizer Bergtourismus.
- Grindelwald warnt bereits vor «massiven» Ausfällen bei einem längerem Konflikt.
- US-Gäste könnten die Lücken füllen, doch der Sommer bleibt unsicher.
Das Berner Oberland zieht seit Jahren viele Gäste aus Asien an. Doch der Iran-Krieg und die erschwerten Flugverbindungen bremsen den Zustrom. Bergbahnen, Hotels und Tourismusorganisationen spüren die Auswirkungen bereits.
Stefan Grossniklaus sagt gegenüber «SRF»: «April und Mai werden schwierige Monate für uns, da wir in dieser Zeit viele Gäste aus dem arabischen und asiatischen Raum beherbergen.» Der Besitzer des Hotels Aspen in Grindelwald betont, dass diese Märkte praktisch eingebrochen seien. Es gebe deutlich weniger Flüge, zudem seien die verbleibenden Verbindungen massiv teurer geworden.
Noch hielten sich die Ausfälle in Grenzen. Viele Gäste würden ihre Reise lediglich verschieben. Doch Grossniklaus warnt: «Wenn der Krieg jedoch länger andauert und die Hochsaison, also den Sommer, betrifft, dann wird der Ausfall massiv sein.»
Interlaken: «Stellen Rückgänge aus China und Indien fest»
Auch Interlaken, Ausgangspunkt vieler Gruppenreisen aus China und Indien, registriert bereits Rückgänge. «Aus beiden Ländern stellen wir Rückgänge fest», sagt Daniel Sulzer, Direktor von Interlaken Tourismus. Besonders Gruppenreisen würden storniert. Individualreisende hingegen verschöben ihre Reise oder buchten kurzfristiger.

Im März lagen die Einbussen laut Sulzer bei bis zu zehn Prozent. Dennoch bleibt er vorsichtig optimistisch. Dank einer breiten Marktabdeckung könnten andere Regionen die Ausfälle teilweise kompensieren. So reisen etwa australische Gäste vermehrt über die USA in die Schweiz, während Touristen aus Nord- und Südamerika zusätzliche Nachfrage bringen sollen.
Folgen für Hauptreisezeit noch schwer abschätzbar
Auch die Jungfraubahnen spüren die Auswirkungen des Iran-Kriegs. «Wir merken, dass Gäste aus Indien und Südostasien etwas mehr Schwierigkeiten haben, nach Europa zu reisen», sagt Geschäftsführer Oliver Hammel. Das könne das Sommergeschäft belasten.
Die Jungfraubahnen reagieren mit Anpassungen. Marketingmassnahmen würden verstärkt auf Märkte ausgerichtet, aus denen die Anreise problemlos möglich sei. Gleichzeitig prüfe man Kostensenkungen. Mit Stellenabbau rechnet Hammel derzeit jedoch nicht. «Im Moment würde es eher die Neuanstellungen betreffen, und dass Mitarbeitende ihre Überzeiten und Ferien abbauen würden.»

In der Zentralschweiz zeigt sich ein ähnliches Bild. Die Titlis-Bergbahnen melden einen Rückgang bei Gästen aus Indien, China, Südostasien und den Golfstaaten. Da die Hauptreisezeit dieser Märkte erst im Mai und Juni beginnt, seien die Auswirkungen jedoch noch schwer abschätzbar.
«Asiatische Wachstumslokomotive durch amerikanische ersetzt»
Wie stark der Schweizer Bergtourismus betroffen sein wird, hängt letztlich von der Dauer des Konflikts ab. Tourismusexperte Jürg Stettler von der Hochschule Luzern erwähnt gegenüber «SRF» jedoch auch stabilisierende Faktoren.
Die Destinationen seien heute breiter aufgestellt als früher. «Die asiatische Wachstumslokomotive wurde durch die amerikanische ersetzt», sagt er.

Zudem hätten sich Gruppenreisen aus China seit der Pandemie ohnehin nicht vollständig erholt. Deshalb dürften die aktuellen Auswirkungen weniger stark ausfallen als noch vor Corona.












