Krieg

    Berner Oberland: So wirkt sich der Iran-Krieg auf den Tourismus aus

    Simon Binz
    Simon Binz

    Interlaken-Oberhasli,

    Der Iran-Krieg trifft den Schweizer Bergtourismus. Besonders Gäste aus Asien bleiben aus. Das Berner Oberland stellt sich auf einen schwierigen Sommer ein.

    Blick auf das Dorfzentrum beim Bahnhof Grindelwald.
    Blick auf das Dorfzentrum beim Bahnhof Grindelwald. - Nau.ch / Ueli Hiltpold

    Das Wichtigste in Kürze

    • Der Iran-Krieg erschwert Flüge aus Asien und bremst den Schweizer Bergtourismus.
    • Grindelwald warnt bereits vor «massiven» Ausfällen bei einem längerem Konflikt.
    • US-Gäste könnten die Lücken füllen, doch der Sommer bleibt unsicher.

    Das Berner Oberland zieht seit Jahren viele Gäste aus Asien an. Doch der Iran-Krieg und die erschwerten Flugverbindungen bremsen den Zustrom. Bergbahnen, Hotels und Tourismusorganisationen spüren die Auswirkungen bereits.

    Stefan Grossniklaus sagt gegenüber «SRF»: «April und Mai werden schwierige Monate für uns, da wir in dieser Zeit viele Gäste aus dem arabischen und asiatischen Raum beherbergen.»

    Der Besitzer des Hotels Aspen in Grindelwald betont, dass diese Märkte praktisch eingebrochen seien. Es gebe deutlich weniger Flüge, zudem seien die verbleibenden Verbindungen massiv teurer geworden.

    Der Bergtourismus fürchtet wegen des Iran-Kriegs massive Ausfälle. Zu Recht?

    Noch hielten sich die Ausfälle in Grenzen. Viele Gäste würden ihre Reise lediglich verschieben.

    Doch Grossniklaus warnt: «Wenn der Krieg jedoch länger andauert und die Hochsaison, also den Sommer, betrifft, dann wird der Ausfall massiv sein.»

    Interlaken: «Stellen Rückgänge aus China und Indien fest»

    Auch Interlaken, Ausgangspunkt vieler Gruppenreisen aus China und Indien, registriert bereits Rückgänge. «Aus beiden Ländern stellen wir Rückgänge fest», sagt Daniel Sulzer, Direktor von Interlaken Tourismus. Besonders Gruppenreisen würden storniert. Individualreisende hingegen verschöben ihre Reise oder buchten kurzfristiger.

    Interlaken Tourismus Nahost-Konflikt
    Interlaken ist beliebt bei Touristen aus Asien und dem arabischen Raum – seit dem Iran-Krieg haben die Besucherzahlen aber deutlich abgenommen. - keystone

    Im März lagen die Einbussen laut Sulzer bei bis zu zehn Prozent. Dennoch bleibt er vorsichtig optimistisch. Dank einer breiten Marktabdeckung könnten andere Regionen die Ausfälle teilweise kompensieren. So reisen etwa australische Gäste vermehrt über die USA in die Schweiz, während Touristen aus Nord- und Südamerika zusätzliche Nachfrage bringen sollen.

    Folgen für Hauptreisezeit noch schwer abschätzbar

    Auch die Jungfraubahnen spüren die Auswirkungen des Iran-Kriegs. «Wir merken, dass Gäste aus Indien und Südostasien etwas mehr Schwierigkeiten haben, nach Europa zu reisen», sagt Geschäftsführer Oliver Hammel. Das könne das Sommergeschäft belasten.

    Die Jungfraubahnen reagieren mit Anpassungen. Marketingmassnahmen würden verstärkt auf Märkte ausgerichtet, aus denen die Anreise problemlos möglich sei. Gleichzeitig prüfe man Kostensenkungen. Mit Stellenabbau rechnet Hammel derzeit jedoch nicht. «Im Moment würde es eher die Neuanstellungen betreffen, und dass Mitarbeitende ihre Überzeiten und Ferien abbauen würden.»

    Iran-Krieg
    Auch die Jungfraubahnen spüren die Auswirkungen des Iran-Kriegs und reagieren mit Anpassungen: Marketingmassnahmen werden verstärkt auf Märkte ausgerichtet, aus denen die Anreise trotz Iran-Krieg problemlos möglich sei. - keystone

    In der Zentralschweiz zeigt sich ein ähnliches Bild. Die Titlis-Bergbahnen melden einen Rückgang bei Gästen aus Indien, China, Südostasien und den Golfstaaten. Da die Hauptreisezeit dieser Märkte erst im Mai und Juni beginnt, seien die Auswirkungen jedoch noch schwer abschätzbar.

    «Asiatische Wachstumslokomotive durch amerikanische ersetzt»

    Wie stark der Schweizer Bergtourismus betroffen sein wird, hängt letztlich von der Dauer des Konflikts ab. Tourismusexperte Jürg Stettler von der Hochschule Luzern erwähnt gegenüber «SRF» jedoch auch stabilisierende Faktoren.

    Die Destinationen seien heute breiter aufgestellt als früher. «Die asiatische Wachstumslokomotive wurde durch die amerikanische ersetzt», sagt er.

    luzern
    Laut Tourismusexperte Jürg Stettler haben sich die Gruppenreisen auch China seit der Pandemie nicht vollständig erholt. - Keystone

    Zudem hätten sich Gruppenreisen aus China seit der Pandemie ohnehin nicht vollständig erholt. Deshalb dürften die aktuellen Auswirkungen weniger stark ausfallen als noch vor Corona.

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    Kommentare

    User #6069 (nicht angemeldet)

    Es hat immer noch genug Touristen und wenn es einmal weniger ist, ist das auch gut. Wir haben genug von den überfüllten Tourismusorten

    User #4103 (nicht angemeldet)

    Das ewige gejammere, es hat zuviele Fern Ost Touristen im Berner Oberland, dann ist Krieg und es wird wieder gejammert, es fehlen die Touristen aus Fern Ost.

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