Wie Russland am Nahost-Krieg Milliarden verdient
Der Nahost-Krieg schadet vielen Volkswirtschaften – für Russland aber werden die Einnahmen zu einem unerwarteten finanziellen Segen.

Der Konflikt im Nahen Osten hat die Ölpreise in die Höhe getrieben. Für Russland bedeutet das einen massiven Geldzufluss in die Staatskasse.
Laut «wallstreet online» hat der Rubel gegenüber dem US-Dollar und Euro seit dem 19. März um rund 22 Prozent aufgewertet. Russland verkauft knappe Energie in einem teureren Markt, während die Importnachfrage im Inland schwach bleibt.
Die Öl- und Gaseinnahmen Russlands dürften im Mai gegenüber dem Vorjahr um rund 39 Prozent steigen. Das entspricht etwa 700 Milliarden Rubel oder umgerechnet rund 7,7 Milliarden Franken.
Rekordpreise für russisches Öl
Die russische Sorte Urals kletterte Anfang April auf 116,05 Dollar je Barrel: den höchsten Stand seit 13 Jahren. Das entspricht fast dem Doppelten jenes Werts, mit dem Moskau seinen Staatshaushalt für 2026 kalkuliert hatte, so «T-Online».
Allein in den ersten zwei Märzwochen erzielte Russland infolge des Iran-Kriegs umgerechnet rund 5,4 Milliarden Franken an zusätzlichen Öleinnahmen. Im optimistischen Szenario könnten die gesamten Öleinnahmen 2026 sogar auf 304 Milliarden Dollar (etwa 238,8 Milliarden Franken) ansteigen.
Das KSE Institute schätzt laut «wallstreet online», Russland könnte bis zu umgerechnet 118,6 Milliarden Franken an zusätzlichen Budgeteinnahmen erzielen.
Sanktionsdruck gerät ins Wanken
Die russische Notenbank hat den Leitzins im April auf 14,5 Prozent gesenkt, wie das «wallstreet online» berichtet. Das Zinsniveau bleibt aber hoch und dämpft Konsum sowie die Nachfrage nach Devisen.
Wegen der Energieengpässe hat Washington temporäre Ausnahmen bei Sanktionen zugelassen, sodass russisches Öl weiter zu Kunden fliessen kann. Für Moskau steigen damit die Exportmengen – ohne politisches Entgegenkommen.

Das «ZDFheute» weist darauf hin, dass höhere Ölpreise Russland grösseren finanziellen Spielraum auch für seinen Krieg gegen die Ukraine verschaffen. Die EU wollte mit Energiesanktionen genau diesen Geldhahn zudrehen – ein Ziel, das durch den Nahost-Konflikt nun erschwert wird.
Wirtschaftsexpertin: Ölinfrastruktur in Russland im Niedergang
Wirtschaftsexpertin Agathe Demarais vom European Council on Foreign Relations warnt laut «T-Online», Russlands Ölinfrastruktur sei im Niedergang. Grosse Investitionen russischer Ölkonzerne seien derzeit nicht zu erwarten.
Rosneft-Chef Igor Sechin sprach von einem «perfekten Sturm» für die russische Ölindustrie. Die Transportkosten für ein Fass Öl hätten sich seit Kriegsbeginn 2022 verzehnfacht – auf 20 US-Dollar je Fass.
Ein zu starker Rubel hilft zwar gegen importierte Inflation, schmälert aber die in Rubel umgerechneten Staatseinnahmen aus dem Ölexport. Für einen Haushalt, der stark von Energieerlösen und Kriegsausgaben geprägt ist, kann das zum Problem werden, so «wallstreet online».
















