Studien zeigen, dass Hundenasen das Coronavirus besser, schneller und günstiger erkennen als PCR-Tests. Auch in der Schweiz soll jetzt die Ausbildung starten.
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Spürhund Renda auf der Suche nach dem Coronavirus in Tschechien. - AFP

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Studie aus Belgien zeigt: Hunde sind genauer, schneller und günstiger als PCR-Tests.
  • In der Schweiz starten demnächst drei Hunde ihre Ausbildung zum Corona-Detektiv.
  • Auch Bundesrat und BAG zeigen sich höchst interessiert an den Ergebnissen der Studie.

Der beste Freund des Menschen schenkt uns nicht nur Zuneigung, er hilft auch der Gesellschaft in verschiedensten Bereichen. Die Nasen von Hunden finden für uns Drogen, Vermisste oder Sprengstoff. Und vielleicht nehmen sie auch bald eine entscheidende Funktion in der Pandemiebekämpfung wahr.

Denn Hunde können auch verschiedenste Krankheiten erschnüffeln. Kein Wunder also, dass seit dem Sommer vielerorts auch fleissig mit dem Coronavirus geübt wurde. Und das offenbar mit Erfolg: In Helsinki schnuppern die Vierbeiner seit September an Proben von Fluggästen, genauso wie in Frankreich und Saudi-Arabien.

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Die Covid-19-Spürhunde K'ssi (l) und Miina erschnüffeln in Finnland Corona-Infektionen bei Menschen, noch bevor diese Symptome zeigen. - dpa-infocom GmbH

Die Flughafen-Spürhunde, deren Nase 10'000- bis 100'000-mal besser funktioniert als die des Menschen, weisen dabei eine eindrückliche Trefferquote auf. In neun von zehn Fällen bestätigte ein traditioneller Test unmittelbar danach die Hundenase voll Coronavirus. Allerdings gab es Bedenken, weil Hunde traditionell bei Krankheitserschnüffelungen rund 30 Prozent falsch-positive Ergebnisse lieferten.

Coronavirus: Genauer, günstiger und schneller als PCR-Tests

Ein grösseres, wissenschaftliches Projekt aus Belgien scheint dieses Problem jetzt aber gelöst zu haben. Die Universität von Ghent richtete gemeinsam mit der belgischen Armee und der Bundespolizei Spürhunde über Monate auf das Coronavirus ab.

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Die belgische Armee richtete ihre Spürhunde über Monate auf das Coronavirus ab. - Keystone

Gemäss Studienleiter Chris Calleweart war das Training sehr erfolgreich: «Die Hunde erreichen sehr gute Resultate mit einer Trefferquote von 95 Prozent», so der Wissenschaftler gegenüber dem Onlineportal der Uni. Ausserdem sei die Chance auf ein falsch-positives Resultat nur noch minimal.

Das ist insofern beachtlich, als dass es die Spürhunde genauer machen würden als die auf der ganzen Welt eingesetzten PCR-Tests. Und nicht nur das: Sie sind auch viel schneller. Damit ein PCR-Test eine Infektion erkennt, muss das Virus etwa eine Woche im menschlichen Körper zirkulieren.

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Eine Hundenase riecht nicht das Virus selber, sondern die Komponenten, die unser Stoffwechsel bei einer Infektion freisetzt. - Keystone

«Mit einem Hund ist eine Entdeckung bereits zwei Tage nach einer Infektion möglich. Auch asymptomatische Infizierte können einfach durch einen Hund gefunden werden. Das ist ein echter Gamechanger», ist Calleweart überzeugt.

Auch BAG höchst interessiert

Auch in der Schweiz ist man in dem Bereich aktiv geworden. Das Unispital Genf wartet aktuell auf das OK der kantonalen Ethikkommission zum Start einer eigenen Studie. Sie soll noch im März starten.

«Der Einsatz von Spürhunden ist eine günstige, einfache und sympathische Methode für den Nachweis einer Corona-Infektion.» Das bestätigt der Genfer Oberarzt Manuel Schibler gegenüber dem «St.Galler Tagblatt».

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Isabelle Moret (FDP VD) sah Potenzial in den Hundenasen gegen das Coronavirus. BAG und Bundesrat stimmen ihr zu. - keystone

Bundesrat und BAG sind ebenfalls interessiert. Das BAG werde den Studienverlauf aufmerksam verfolgen, schrieb der Bundesrat diese Woche in der Antwort an Nationalrätin Isabelle Moret (FDP VD). Man sei bereit, eine entsprechende Gesetzesänderung zu prüfen, sollten sich die internationalen Ergebnisse in der Genfer Studie bestätigen.

Drei Hunde sollen in Genf und Bern während vier Wochen zum Corona-Detektiv ausgebildet werden. Einer kommt von der Schweizer Armee, die anderen beiden sind von Sicherheitsdienst der Uno. Einsatzmöglichkeiten sieht das Unispital besonders in Schulen, Altersheimen oder der Rekrutenschule. Aber auch bei Sportanlässen, an den Flughäfen oder sogar in Firmen gäbe es Potenzial.

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