Crans-Montana: Chalet-Besitzer bangen um Wert ihrer Immobilie
Nach der Brandkatastrophe fürchten Immobilienbesitzende und Gewerbetreibende in Crans-Montana eine schwierige Zukunft. Konsequenzen sind schon zu spüren.

Das Wichtigste in Kürze
- Chalet-Besitzer in Crans-Montana befürchten einen Wertverlust.
- Eine Verkaufswelle gibt es bislang aber nicht.
- Italienische Zweitwohnungsbesitzer gehen mit einem Brief gegen den Imageverlust vor.
In Crans-Montana sind über drei Wochen nach der Brandkatastrophe wirtschaftliche Folgen zu spüren. Betroffen sind nicht nur Gewerbetreibende, sondern auch Immobilienbesitzer. Sie befürchten einen Wertverlust.
Die italienische Zeitung «La Repubblica» sprach bereits von einer «Annulationswelle» und Eigentümern, die an den Verkauf ihrer Immobilien denken. Eine Verkaufswelle gibt es aber noch nicht, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet.
Das unterstützt der Blick auf das Online-Bewertungstool des Vergleichsdiensts Comparis. «Wenn Eigentümer beginnen, über einen Verkauf nachzudenken, steigt dort die Nachfrage meist deutlich an – oft lange bevor tatsächlich inseriert wird», sagt Comparis-Immobilienexperte Harry Büsser.
Seit der Brandkatastrophe hat es dem Bericht zufolge aber keinen Anstieg der Bewertungsanfragen aus Crans-Montana gegeben – was gegen einen Exodus spricht.
«Da stelle ich mir schon Fragen»
Unter Chalet-Besitzern hingegen ist die Angst gross, dass ihre Immobilie an Wert verliert.
Cédric Berger, Präsident des Verbands der Chalet- und Wohnungsbesitzer in Crans-Montana, sagt dazu: «Viele Eigentümer machen sich Sorgen, dass schlampig geführte Ermittlungen den Ruf von Crans-Montana weiter schädigen – und das, gemäss ihnen, zu einem Wertverlust führen könnte.»
Berger fordert in Crans-Montana Änderungen, damit das Image nicht mehr Schaden nimmt: «Wenn ich mir vor Augen führe, wie peinlich genau Kamine in Ferienhäusern kontrolliert werden – und dann sehe, dass in einem öffentlichen Lokal während Jahren gar kein Kontrolleur vorbeigeht. Da stelle ich mir schon Fragen.»
Zu spüren kriegen die Auswirkungen des Dramas vor allem auch Gewerbetreibende. Der Präsident des lokalen Gastroverbands, Philippe Nicolle, besitzt selber eine Bar. Bislang habe er kaum Kunden empfangen dürfen.
«Ich musste zwei Personen entlassen», sagt er zum «Tages-Anzeiger». «Dieser Winter wird sowohl in menschlicher als auch in wirtschaftlicher Hinsicht schwer zu bewältigen sein.»
Exodus bleibt aus
Unruhe herrscht auch bei vielen Italienern, die in Crans-Montana eine Zweitwohnung besitzen.

Gemäss dem früheren italienischen Diplomat Federico Romanelli Montarsolo gebe es über 400 italienische Zweitwohnungsbesitzer und mehr als 100 Personen mit festem Wohnsitz. Er selbst wohnt seit 13 Jahren in Crans-Montana und betreibt den Kulturverein «Amitalia».
Für die Italiener sei die Katastrophe «ein fundamentaler Einschnitt» gewesen. «Die Schweiz symbolisiert für die italienische Community seit den 60er-Jahren Sicherheit und Zuverlässigkeit. Deshalb traf diese Tragödie die Italiener hier ins Mark.»
Aber: «Ich kenne niemand, der sein Haus wegen der Tragödie verkaufen will.»
Italiener wollen Konsequenzen
In einem Brief an den italienischen Botschafter Gian Lorenzo Cornado finden sich aber klare Worte. Viele Italiener in Crans-Montana fordern Druck auf die Schweizer Behörden, damit die Tragödie «nicht durch Wegsehen und Günstlingswirtschaft folgenlos» bleibt.
Fast 300 Leute haben den Brief Mitte Januar unterzeichnet und wollen das Image von Crans-Montana so wieder herstellen.
Im Walliser Ferienort gibt es nur 1300 Hotelzimmer, dafür beinahe 12’000 Chalets und Ferienwohnungen.
Tourismusdirektor Bruno Huggler sagt gegenüber dem «Tages-Anzeiger», dass es in Hotels Annullationen und Verschiebungen gab. Die Besucherfrequenz in den ersten beiden Wochen des Jahres 2026 ist aber leicht höher als im Vorjahr.


















