Kulturpolitische Streitthemen prägen Leipziger Buchmesse

Keystone-SDA
Keystone-SDA

Deutschland,

Die Leipziger Buchmesse steht in diesem Jahr unter dem Eindruck eines schwächelnden Buchmarktes und erhitzter kulturpolitischer Debatten.

Leipziger Buchmesse
Flaggen der Leipziger Buchmesse. - keystone

2025 sank der Buchhandelsumsatz in Deutschland um 2,9 Prozent um Vergleich zum Vorjahr. «Auch im aktuellen Jahr 2026 erreichen die Umsätze noch nicht das Vorjahresniveau», sagte Peter Kraus vom Cleff, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, vor Beginn des Branchentreffs. Das Konsumklima sei sehr schlecht.

«Mit grosser Sorge beobachten wir auch die aktuellen kulturpolitischen Entwicklungen», sagte Kraus vom Cleff und schickte mehrere «Frühjahrswünsche» hinterher: Die 1912 in Leipzig gegründete Deutsche Nationalbibliothek möge ihren dringend nötigen fünften Erweiterungsbau bekommen und alle 118 von der Jury ausgewählten Buchhandlungen sollten den Buchhandelspreis erhalten, «sei es nach einem Gerichtsverfahren oder durch Einsicht».

Damit spielte der Hauptgeschäftsführer auf zwei Entscheidungen des deutschen Kulturstaatsministers Wolfram Weimer an, die zuletzt für Aufregung gesorgt haben. Der parteilose Konservative liess drei linke Buchläden wegen «verfassungsschutzrelevanter Erkenntnisse» von der Nominierungsliste für den Deutschen Buchhandlungspreis streichen. Dann sagte er die auf der Buchmesse geplante Verleihung komplett ab.

Vorige Woche teilte die Nationalbibliothek zudem mit, dass Weimer ihrem lange geplanten Anbau eine Absage erteilt habe. Am Mittwoch erklärte der Kulturstaatsminister nun, es handele sich lediglich um ein «Moratorium». Das bedeute nicht, dass der Erweiterungsbau gestrichen sei. Weimer wird im Rahmen der Buchmesse unter anderem am Donnerstagabend in der Nationalbibliothek an einer Podiumsdiskussion zur Meinungsfreiheit teilnehmen. Es sind Proteste angekündigt.

Die Leipziger Buchmesse selbst zeigt sich in den bewegten Zeiten robust. Messe-Geschäftsführer Martin Buhl-Wagner sagte, es seien in diesem Jahr 2.044 Aussteller in der ostdeutschen Stadt dabei (Vorjahr: 2.040 Aussteller). Sie kommen aus 54 Ländern. Die Ausstellungsfläche sei leicht ausgeweitet worden. «Wachsende Fläche, stabile Ausstellerzahlen – das ist keine Selbstverständlichkeit in einem Markt, der unter Druck steht», erklärte Buhl-Wagner.

Die nach Frankfurt zweitgrösste Buchmesse Deutschlands öffnet von Donnerstag bis Sonntag ihre Pforten für die Besucherinnen und Besucher. Die Veranstalter rechnen mit rund 300.000 Gästen auf der Messe um dem dazugehörigen Lesefestival «Leipzig liest». Statt eines Gastlandes hat die Messe in diesem Jahr ein sogenanntes Fokusthema ausgewählt: Der Donauraum wird in zahlreichen Buchvorstellungen und Diskussionsrunden Thema sein.

Kommentare

Weiterlesen

sdf
48 Interaktionen
Ein Toter
Engelberg Gondel Absturz
166 Interaktionen
Engelberg-Absturz

MEHR IN NEWS

UBS
Zu AT1-Anleihen
2 Interaktionen
Ostermundigen
Bus Ticketverkauf
1 Interaktionen
Zeugenaufruf

MEHR AUS DEUTSCHLAND

Holocaust
1 Interaktionen
Berlin
Johann Wadephul
1 Interaktionen
Berlin