Crans-Montana: Brandopfer (16) kassiert 70’000 Fr. Spital-Rechnung
Nach der Brand-Katastrophe von Crans-Montana VS erhält ein italienisches Brandopfer (16) eine Spital-Rechnung von 70'000 Franken. Die Familie ist geschockt.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Familie eines Montana-Brandopfers erhielt eine 70'000-Franken-Spital-Rechnung.
- Der Kanton Wallis nennt den Versand einen Fehler – es müsse nichts bezahlt werden.
- Der italienische Botschafter für die Schweiz hat sich derweil erneut eingeschaltet.
Der 16-jährige Manfredi Marcucci gehört zu den 19 italienischen Schwerverletzten der Brandkatastrophe von Crans-Montana VS. Nur wenige Stunden verbrachte der Teenager auf der Intensivstation in Sitten. Dann fuhr ihn sein Vater Umberto zusammen mit zwei weiteren schwer Verbrannten ins Mailänder Spital Niguarda.
Auch eine junge Italienerin und ein französischer Jugendlicher sassen im Auto. Bei der Katastrophe verlor Manfredi seinen Freund Riccardo Minghetti. Der junge Römer war eines von sechs italienischen Todesopfern des Brandes.
Umso grösser war das Entsetzen in der Familie, als dieser Tage ein Brief aus Sitten eintraf. Darin: Eine Rechnung über umgerechnet 75'000 Euro – rund 70'000 Franken. Im Schreiben stand zwar, dass es sich um eine reine Informationsmitteilung handle und der Betrag nicht bezahlt werden müsse. Doch allein der Erhalt des Dokuments sorgte für Unverständnis.
«Wir waren sehr überrascht«
«Wir waren sehr überrascht. Mein Sohn wurde dort nur stabilisiert, bevor wir ihn verlegt haben», erklärt Umberto Marcucci gegenüber dem «Corriere della Sera». Bei der Übergabe der Krankenakten sei der Familie versichert worden, dass der Kanton Wallis sämtliche Kosten trage.
«Das ist eine absurde Forderung. Wir stehen mit unserer Botschaft in Kontakt und möchten eine schriftliche Bestätigung, dass wir nichts zu bezahlen haben – alles andere wäre paradox nach dem, was unsere Kinder durchgemacht haben. Auch diese Angelegenheit lässt uns die Qualität des öffentlichen Gesundheitssystems in Italien noch mehr schätzen.»
Laut Medienbericht könnten auch andere Familien der 19 italienischen Schwerverletzten ähnliche Schreiben erhalten haben. Unmittelbar nach der Tragödie hatten die Behörden zugesichert, der Kanton Wallis übernehme sämtliche Spitalkosten.
Botschafter schaltet sich ein
Italiens Botschafter Gian Lorenzo Cornado griff umgehend ein. Der Diplomat ist erst kürzlich in die Schweiz zurückgekehrt. Die italienische Regierung hatte ihn im Januar aus Protest abgezogen. Gründe waren die aus italienischer Sicht mangelnde Kooperation der Schweizer Behörden bei den Ermittlungen sowie die Freilassung des Disco-Besitzers Jacques Moretti und seiner Lebensgefährtin Jessica Maric.
Am Montagnachmittag führte Cornado ein erstes Gespräch mit dem Walliser Staatsratspräsidenten Mathias Reynard. Dieser versicherte, dass der Versand der Rechnung ein Fehler gewesen sei. Die Familien der verletzten Jugendlichen schuldeten absolut nichts, so Reynard gemäss dem Botschafter.
Laut Reynard sei den Angehörigen in den vergangenen Wochen bereits ein Informationsschreiben zugestellt worden – mit Hinweisen, wie im Fall einer fälschlich eingetroffenen Rechnung zu verfahren sei. Sämtliche Kosten trage der Kanton Wallis. Vom italienischen Staat oder den italienischen Regionen werde nichts als Rückerstattung verlangt. So sähen es die bestehenden Abkommen zwischen beiden Ländern vor.
Vater Marcucci kontert allerdings: «Uns ist keine vorgängige Mitteilung über den Versand der Rechnung zugekommen und auch kein Link.»
Treffen am Freitag
Für den Botschafter ist die Sache damit nicht erledigt. Am Freitag trifft er Staatsratspräsident Reynard persönlich. Auf dem Tisch liegen nicht nur die Rechnungsfrage, sondern auch die versprochenen Hilfsgelder für die Familien der Opfer.
Zunächst war von 10'000 Schweizer Franken pro Familie die Rede. Später wurde die Summe auf 50'000 und schliesslich auf 60'000 Franken erhöht. Das Schweizer Parlament hat den Betrag laut Bericht bereits beschlossen. Ausbezahlt ist er bis heute nicht.





















