Die Schweizer Impf-Kampagne gegen das Coronavirus schreitet nur mühselig voran. Die weiteren BAG-Einkäufe sind Hoffnungsträger. Zurecht? Nau.ch macht den Check.
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Nora Kronig (links), zuständig für die Impfstoff-Beschaffung in der Schweiz, und Bundesrat Alain Berset besprechen sich. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • In der Schweiz werden jede Woche etwa 150'000 Personen gegen Covid-19 geimpft.
  • Bisher kommt der Impf-Fahrplan des BAG nur schleppend voran.
  • Die Novavax- und Curevac-Vakzine sind immer noch weit von der Zulassung entfernt.

Impfen, impfen, impfen: Das Ziel der Schweiz ist klar. Bis im Sommer sollen alle, die dazu bereit sind, die Chance erhalten, sich impfen zu lassen. Es ist der sicherste Weg aus der Pandemie.

Aktuell schreitet die Impfkampagne aber nicht im gewünschten Tempo voran. Im Gegenteil, mehrere Startfehler drückten auf die Bremse: der Kollaps des Registrierung-Portals, zu grosse Impfnadeln und -spritzen und ausfallende Lieferungen.

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Ein Bewohner eines Seniorenzentrums erhält eine Impfung gegen das Coronavirus. - keystone

So wurden in drei Monaten rund 500'000 Personen in der Schweiz vollständig geimpft. Über 300'000 Menschen erhielten die erste Injektion verabreicht. Das heisst, die Kadenz muss in den nächsten Monaten deutlich gesteigert werden, um das gesetzte Ziel zu erreichen.

Gespräche zwischen Swissmedic und Curevac laufen

Auf den ersten Blick versprechen die nächsten Lieferungen von Moderna und Pfizer/Biontech Hoffnung. In den kommenden Monaten sollen die Hersteller mehr Dosen liefern als bis anhin und eventuell Verspätungen wiedergutmachen.

Bisher hielten sich die Produzenten der zwei zugelassenen Impfstoffe gegen das Coronavirus allerdings nicht minutiös an die Lieferpläne. Und Astrazenca, bei dem das BAG 5,3 Millionen Dosen bestellt hat, kämpft mit ganz anderen Problemen.

Aus diesen Gründen hat der Bund Anfang Februar mit Novavax (6 Mio. Dosen) und Curevac (5 Mio. Dosen) neue Verträge abgeschlossen.

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Der Bund hat Anfang Februar bei zwei Herstellern insgesamt elf Millionen weitere Dosen gegen das Coronavirus bestellt. - Keystone

Die beiden Impfstoffe sind allerdings noch weit entfernt von der Verabreichung in der Schweiz. Beim Heilmittelinstitut Swissmedic ist weder von Novavax noch von Curevac ein Zulassungsantrag eingereicht worden – bisher. «Wir befinden uns derzeit in Gesprächen mit der Schweizer Arzneimittelbehörde», sagt Curevac-Mediensprecher Thorsten Schüller gegenüber Nau.ch.

Verlässliche Daten bezüglich Wirksamkeit gegen Coronavirus fehlen noch

In diesen Vorgesprächen dürfte besprochen werden, welche Daten gefordert sind und zu welchem Zeitpunkt sie geliefert werden müssen. Ein Zulassungsantrag von dem Unternehmen aus Tübingen (D) könnte also bald folgen. Dafür spricht auch die Eröffnung eines Firmen-Büros in Basel, wie «Reuters» berichtet.

Die Europäische Arzneimittelagentur EMA prüft das mRNA-Vakzin von Curevac seit Februar mittels Rolling-Review-Verfahren. Bis zur Marktzulassung werden allerdings noch einige Monate verstreichen. Curevac erwartet, im Juni von der EMA grünes Licht zu erhalten.

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Ein Mann hält im Institut für Tropenmedizin an der Uniklinik Tübingen eine Curevac-Spritze in der Hand. - dpa

Denn zuerst müssen verlässliche Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit des Vakzins, das bei Kühlschranktemperatur gelagert werden kann, geliefert werden. Der Impfstoff-Kandidat CVnCoV durchläuft zurzeit die zulassungsrelevante 2B-/3-Studie in Europa und Südamerika. 35'000 Probandinnen und Probanden werden mit dem Curevac-Vakzin gegen das Coronavirus geimpft.

Die Studien-Daten dürften im zweiten Quartal 2021 erscheinen, bestätigt Sprecher Schüller. Die Werte der ersten beiden Studienphasen sehen vielversprechend aus. Bereits bekannt ist, dass das Vakzin wirksam gegen die südafrikanische Corona-Mutation ist.

Novavax wird ebenfalls von EMA geprüft

Verlässliche Daten zu dem Novavax-Proteinimpfstoff liegen bereits vor. Im Gegensatz zum Curevac-Vakzin ist B.1.351, wie die Südafrika-Variante des Coronavirus offiziell heisst, die Schwachstelle des Vakzins.

Das US-Unternehmen führte zuletzt eine Phase-III-Studie in Grossbritannien und eine Phase-IIb-Studie in Südafrika durch. Die Schutzwirkung vor der dort entsprungenen Mutation entspricht lediglich 48,6 Prozent. Die Zahlen aus Grossbritannien lassen sich hingegen durchaus sehen.

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Eine Novavax-Impfung gegen das Coronavirus wird einem Probanden verabreicht. - Keystone

Gegen die britische Mutation schützt der Impfstoff zu 86,3 Prozent. 10 Prozent mehr beträgt die Wirksamkeit gegen den originalen Stamm des Coronavirus.

Allerdings dürfte das Interesse des Bundes primär nicht mehr auf der Schutzwirkung vor dem originellen Stamm liegen. Denn mittlerweile machen die Mutationen mehr als 80 Prozent der Fälle aus, wie das BAG am Mittwoch bekannt gab.

Die EMA prüft das Novavax-Vakzin ebenfalls seit Anfang Februar. Nach den jüngsten Ergebnissen dürfte ein Antrag bei Swissmedic wie auch beim Curevac-Impfstoff nur noch eine Frage der Zeit sein.

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