Ein Stelleninserat für ungeimpftes Pflegepersonal sorgt auf Twitter für Aufregung. Dabei handelt es sich nicht um einen Einzelfall.
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Eine Intensivpflegerin versorgt auf einer Intensivstation einen mit dem Coronavirus infizierten Patienten (Archivbild). - dpa
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Das Wichtigste in Kürze

  • Auf ominösen Plattformen werden Jobs für ungeimpftes Gesundheitspersonal angeboten.
  • Doch kein Schweizer Spital kennt den betroffenen Anbieter.

Die Lage auf den Intensivstationen ist angespannt. Und der Personalmangel in den Spitälern wird durch Omikron nochmal verschärft. Nicht verwunderlich also, dass die Kliniken fieberhaft nach Fachkräften suchen.

Doch ein Stelleninserat, welches auf Facebook und dem Portal «Pflege-Job-Schweiz» veröffentlich wurde, sorgt dann doch für Verwunderung. Denn darin wird explizit nach einer ungeimpften Pflegekraft für die Intensivstation des Unispitals Basel gesucht. So steht dort: «Fachkrankenpfleger Intensivpflege (w/m/d) - ungeimpft - Universitätsklinik Basel, Schweiz.»

Inserat ist eine Fälschung

Das Inserat wurde von einem User auf Twitter veröffentlicht und das Unispital markiert. Dieses reagiert, nennt das Inserat jedoch «eine plumpe, böswillige Fälschung». Man suche selbstverständlich nicht explizit ungeimpfte Fachkräfte.

Auf Nachfrage von Nau.ch erklärt Nicolas Drechsler vom Unispital Basel: «Das Portal kennen wir nicht und wir inserieren da auch nicht.» Das einzig Wahre sei, dass man Bewerber für mehrere Stellen suche. «Unser Rechtsdienst wird sich die Sache ansehen, ob sich daraus weitere Schritte ergeben, wird sich zeigen.»

Über 20 Inserate

Der Verfasser des fragwürdigen Facebook-Posts ist gemäss Impressum auch der Betreiber des genannten Online-Portals. Dort und unter dem ähnlichen Job-Portal «Ärzte-Job-Schweiz» sind über 20 Stelleninserate für Gesundheitsberufe ausgeschrieben. Auch dieses Portal wird von der gleichen Person betrieben.

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Auf den beiden Portalen sind diverse Stellen ausgeschrieben. - Screenshot

Die Inserate sehen auf den ersten Blick professionell aus. Sie bewerben Jobs in allen grossen Schweizer Städten für verschiedene «Kliniken und auch Uni-Spitäler». Stutzig macht höchstens, dass in den Inseraten am Schluss folgender Satz steht: «In der Schweiz gilt eine Corona-Impfpflicht als ausgeschlossen!»

Betreiber bei Schweizer Spitälern unbekannt

Der offensichtlich Corona-skeptische Betreiber bewirbt die Arbeitsstellen in der Schweiz auf Facebook und LinkedIn auch mit genau diesem Argument. Angesprochen werden besonders deutsche Staatsbürger. «Wir geben dem Gesundheitspersonal, das sich nicht gegen das Coronavirus impfen lassen möchte, die Möglichkeit, den Beruf weiter auszuüben.»

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Pflegepersonal bei einer Demonstration gegen die Impfpflicht in Deutschland. - dpa

Hintergrund: In Deutschland gilt ab Mitte März eine Corona-Impfpflicht für das Pflege- und Gesundheitspersonal. Offenbar sollen über dieses Portal Jobs für Personen vermittelt werden, die sich nicht impfen lassen wollen.

Offiziell sind auch die übrigen Inserate wahrscheinlich nicht. Denn keines von über zehn von Nau.ch angefragten Schweizer Gesundheitsunternehmen arbeitet mit der Plattform zusammen. Auch die Kontrolle von einzelnen Inseraten führt ins Leere.

Was halten Sie von der deutschen Impfpflicht im Gesundheitswesen?

Der Skeptiker-Betreiber selbst ist in Deutschland gemeldet. Was sein Motiv ist, und ob er mit den Inseraten Geld verdient, bleibt unklar. Eine Anfrage blieb bisher unbeantwortet.

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