Die Schweiz will die dritte Impfung gegen das Coronavirus bald zulassen. In ärmeren Ländern warten derweil viele noch auf die erste Dosis. Ethiker ordnen ein.
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Ein Mann wird Ende September in Uganda gegen das Coronavirus geimpft. Während hier bald der dritte Piks verabreicht wird, warten in Entwicklungsländern viele noch auf die erste Dosis. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • In der Schweiz könnte die dritte Corona-Impfung noch in diesem Monat starten.
  • Gleichzeitig klagen Entwicklungsländer über Impfstoffmangel.
  • Eine Ethikerin findet deshalb, der Booster sollte nur Risikogruppen angeboten werden.

In der Schweiz wollen sich viele nicht gegen das Coronavirus impfen lassen, andere Länder beklagen einen Impfstoffmangel. Nun dürfte hierzulande mit der Booster-Impfung bald der dritte Piks empfohlen werden. Gleichzeitig wird eine gerechtere Verteilung der Impfdosen gefordert.

Dass finanzstarke Staaten besseren Zugang zu den Impfstoffen haben, wurde bereits kritisiert, als die ersten Kampagnen anliefen. So beanstandete die Weltgesundheitsorganisation WHO etwa letzten Januar, dass die Impfungen vor allem reichen Ländern zugutekommen.

Amnesty will Impfstoff gegen Coronavirus gerechter verteilen

Während in der Schweiz bald zum dritten Mal gespritzt wird, impfen andere erst seit Kurzem überhaupt: Der ostafrikanische Staat Burundi hat erst vergangenen Montag als drittletztes Land mit der Impfung begonnen. Nun bleiben nur noch Eritrea und Nordkorea.

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In vielen Ländern wird bereits die dritte Impfung gegen das Coronavirus verabreicht – wie hier in Rumänien, wo Gesundheitspolitiker Valeriu Gheorghita Ende September den Booster erhält.
Swissmedic
Laut Claus Bolte von der Zulassungsbehörde Swissmedic könnte die Booster-Impfung in der Schweiz noch im Oktober zugelassen werden.
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Angesichts des Impfstoffmangels in den Entwicklungsländern fordert Amnesty International eine gerechtere Verteilung der Dosen. (Symbolbild)
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In einigen Ländern wurden bisher noch kaum Spritzen verabreicht. Burundi – hier Gesundheitsminister Thaddee Ndikumana an einer Zeremonie zur Eröffnung der Impfkampagne – impft erst seit dies
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Die Zürcher Ethikerin Ruth Baumann-Hölzle findet es deshalb sinnvoll, in der Schweiz derzeit nur gefährdete Personen ein drittes Mal gegen das Coronavirus zu impfen.

Doch auch wenn sonst überall Kampagnen angelaufen sind, bleibt der Impfstoff in Entwicklungsländern ein rares Gut. Ein Beispiel ist Uganda: Dort müssen die Schulen seit Pandemiebeginn geschlossen bleiben, weil es laut «ARD» kaum Impfstoff gibt.

Amnesty International fordert derweil eine gerechtere Verteilung des Impfstoffs gegen das Coronavirus. Im September veröffentlichte die Menschenrechtsorganisation einen Bericht zu der Lage in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen. Dieser zeigte, dass von den damals weltweit 5,76 Milliarden verabreichten Dosen nur 0,3 Prozent in diesen Staaten verimpft wurden.

Ethikerin erinnert an Impf-Privileg

Die in vielen europäischen Staaten angelaufene Drittimpfungs-Kampagne wirft damit die Frage nach der Gerechtigkeit erneut auf. Nikola Biller-Andorno vom Zürcher Institut für Biomedizinische Ethik und Medizingeschichte sieht die Booster-Aktionen kritisch. Zu Nau.ch sagt sie: «Aus einer globalen Perspektive ist das ohne Zweifel problematisch.»

«Die Regierungen machen durchaus zu Recht eine besondere Verantwortung gegenüber ihrer Bevölkerung geltend», führt sie aus. «Allerdings zeigt sich, dass es einen robusten Mechanismus braucht, um die Verteilung auch auf globaler Ebene voranzubringen.»

Würden Sie sich ein drittes Mal gegen Corona impfen lassen?

Auch wenn sie die Frage nach der globalen Gerechtigkeit als wichtig erachtet, sagt sie: «Ich denke, wir sollten das Ziel nicht aus dem Auge verlieren, unsere Hochrisikogruppen in der Schweiz bestmöglich zu schützen.» Sie hofft aber, dass die globale Knappheit die Menschen an das «Privileg, sich durch eine Impfung schützen zu können», erinnert.

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