Auch Schweizer sollen Menschen zum Spass getötet haben
In Sarajevo starben während des Bosnien-Kriegs 11'000 Menschen. Auch Touristen aus der Schweiz sollen dabei Menschen getötet haben – als «Wochenend-Spass».

Das Wichtigste in Kürze
- Während des Bosnien-Kriegs starben in Sarajevo 11'000 Personen, darunter 1600 Kinder.
- An der Tötung waren auch Sniper-Touristen aus Westeuropa beteiligt.
- Nun wird bekannt: Auch Schweizer sollen in Sarajevo zum Spass Menschen getötet haben.
Zwischen 1992 und 1995 tobte in Bosnien und Herzegowina der Bosnien-Krieg.
Besonders betroffen war dabei die Hauptstadt Sarajevo und deren Bürgerinnen und Bürger. Die Hauptstadt wurde von Truppen der bosnischen Serben für 1425 Tage belagert.
Dabei kam es zu 11'000 Toten und 56'000 teils schwer verletzten Personen. Besonders tragisch: Unter den Todesopfern waren auch 1'600 Kinder.
Reiche Westeuropäer schossen im Bosnien-Krieg auf Zivilisten
Rund um die Belagerung von Sarajevo rückten in den vergangenen Monaten auch vermehrt westeuropäische Kriegs-Touristen in den Fokus von Ermittlungen.
Diese sollen für Wochenend-Ausflüge nach Sarajevo gereist sein. Und dort als Scharfschützen an der Seite der bosnischen Serben zum Spass Jagd auf die Zivilbevölkerung gemacht haben.
Diese «Safari-Touristen» seien mit einer serbischen Fluggesellschaft nach Belgrad gebracht worden. Von dort aus habe man sie mit dem Helikopter ins Kriegsgebiet transportiert.
Eine Teilnahme an den «Sarajevo-Safaris» liessen sich die Touristen einiges kosten. Ein solcher «Jagdausflug» habe in den 90er-Jahren umgerechnet 73'000 bis 91'000 Franken gekostet. Besonders grausam: Um Kinder zu töten, zahlten die Menschenjagd-Touristen noch mehr.
Bundesanwaltschaft ermittelt nicht
Nach einer Strafanzeige des italienischen Autors Ezio Gavanzzeni hat die Mailänder Staatsanwaltschaft zu diesen «Sarajevo-Safaris» Ermittlungen aufgenommen. In diesen soll geklärt werden, wer zum Vergnügen Jagd auf Zivilistinnen und Zivilisten gemacht hat.
Nun hat Gavanezzi am Dienstag auf sichere Quellen gestützt ein Buch unter dem Titel «Die Wochenend-Scharfschützen» veröffentlicht.
Brisant: Nebst 230 Italienern, einigen Franzosen, Belgiern und Österreichern sollen auch Schweizer an den «Sarajevo-Safaris» beteiligt gewesen sein, berichtet Der «Spiegel».
Doch ermittelt wird in diesem Zusammenhang von Schweizer Seite aus nicht, wie die Bundesanwaltschaft gegenüber Nau.ch sagt. Man habe kein Verfahren zu diesem Fall eröffnet, heisst es.
Kriegs-Touristen waren «ausser Kontrolle»
Gegenüber dem «Spiegel» berichtet ein ehemaliger Kämpfer einer bosnisch-serbischen Panzereinheit in Sarajevo zu den «Safari-Touristen»: «Sie schossen auf Frauen, Kinder und Alte.»

Die vermögenden westeuropäischen Kriegs-Touristen seien «ausser Kontrolle» gewesen.
Nach der «Menschenjagd» hätten sich die Schützen danach betrunken und bis in die Morgenstunden vor den Toren von Sarajevo gefeiert.
Trophäe: Rosa Patronen für getötete Mädchen, blaue für Buben
Ein weiterer Zeitzeuge berichtet derweil von Trophäen, die die «Menschenjäger» mit nach Hause genommen hätten. Diese Trophäen seien eingefärbte Patronenhülsen gewesen.
Rosa Farbe habe demnach bedeutet, dass man ein Mädchen getötet habe, blau sei für einen Buben gestanden.
Gelbe Patronen habe es für erwachsene Frauen gegeben, blaue und schwarze für alte Männer. Wer eine rote oder grüne Patrone erhalten habe, habe einen Militärangehörigen getötet.
Der Augenzeuge berichtet, es habe bei einer solchen Safari einen besonders abgebrühten Italiener gegeben. Dieser habe innert sechs Stunden zwei Kinder, eine Frau und drei alte Männer erschossen. Kostenpunkt: Umgerechnet 182'000 Franken.





















