Witz

    Forscher entdecken Mittel gegen schlechtgelaunte Teenager

    Simon Binz
    Simon Binz

    Deutschland,

    Vitamintabletten gegen den Familienstress? Eine neue Studie zeigt: Mikronährstoffe könnten launische Teenager tatsächlich besänftigen.

    Wutausbrauch Teenager
    Wutausbrüche, Türenknallen, Schweigen: Für viele Eltern ist der Teenager-Alltag eine Geduldsprobe. Eine Studie gibt nun Hoffnung. - Getty

    Das Wichtigste in Kürze

    • Mikronährstoffe reduzierten in einer Studie die Reizbarkeit bei Teenagern deutlich.
    • Auch Suizidgedanken und selbstverletzendes Verhalten besserten sich bei den Teilnehmern.
    • Experten fordern Folgestudien – Wirkmechanismen und Langzeiteffekte sind ungeklärt.

    Launische Teenager kennen viele Eltern. Bei manchen Jugendlichen geht die Reizbarkeit aber weit über normale Stimmungsschwankungen hinaus. Wutausbrüche, starke emotionale Reaktionen und dauerhafte Gereiztheit gehören für einige Familien mit Teenagern zum Alltag.

    Die Eltern stehen oftmals ratlos da – doch nun legt eine neue klinische Studie nahe, dass es möglicherweise ein Mittel gegen schlechtgelaunte Teenager gibt.

    Würdest du deinem Teenager Vitamine geben, um seine Stimmung zu verbessern?

    In der sogenannten BEAM-Studie wurden 132 Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren über acht Wochen entweder mit einem Mikronährstoff-Präparat oder einem Placebo behandelt. Die Teilnehmer litten alle unter mittelschwerer bis schwerer Reizbarkeit und nahmen keine Medikamente.

    Das Ergebnis war deutlich: Wer die Vitamine und Mineralstoffe erhielt, zeigte weniger Reizbarkeit und eine bessere emotionale Kontrolle. Die Jugendlichen berichteten ausserdem von mehr Lebensqualität, weniger Stress und besserem sozialen Verhalten.

    Auch Suizidgedanken besserten sich

    Besonders bemerkenswert: Rund ein Viertel der Teilnehmer gab zu Beginn der Studie Suizidgedanken an. Auch diese besserten sich im Verlauf der Behandlung – ebenso wie selbstverletzendes Verhalten.

    Brauchst du Hilfe?

    Bist du selbst depressiv oder hast du Suizidgedanken? Dann kontaktiere bitte umgehend die Dargebotene Hand (www.143.ch).

    Unter der kostenlosen Hotline 143 erhältst du anonym und rund um die Uhr Hilfe. Die Berater können Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen. Auch eine Kontaktaufnahme über einen Einzelchat oder anonyme Beratung via E-Mail ist möglich.

    Für Kinder oder Jugendliche steht die Notrufnummer 147 zur Verfügung.

    Hilfe für Suizidbetroffene: www.trauernetz.ch

    Selbst Eltern bemerkten die Veränderung bei ihren Kindern. Nebenwirkungen waren selten und meist mild, am häufigsten trat vorübergehend Durchfall auf.

    Starrende, verzweifelte Frau
    Nicht nur Stimmungsschwankungen: Bei einem Viertel der Studienteilnehmer besserten sich durch die Behandlung auch Suizidgedanken. - Depositphotos

    Das verwendete Präparat enthielt unter anderem die Vitamine A, B, C, D, E und K sowie Mineralstoffe wie Magnesium, Zink, Eisen und Selen – alles Stoffe, die grundsätzlich auch über eine ausgewogene Ernährung aufgenommen werden können.

    Experten mahnen zur Vorsicht

    Trotz der vielversprechenden Ergebnisse gibt es unter Experten auch Vorbehalte. Christoph Kleinschnitz bezeichnet die Entwicklung zwar als spannend, fordert aber grössere und längerfristige Studien. Gegenüber der «Bild» meint der Neurologe, acht Wochen seien zu kurz für Aussagen über Langzeiteffekte.

    Weiter liefere die Studie keine Erklärung dafür, wie die Mikronährstoffe überhaupt wirken. Seine vorsichtige Vermutung: Bestimmte Vitamine – etwa B und D – könnten positive Effekte auf das Nervensystem haben, indem sie Nervenhüllen aufbauen, freie Radikale abfangen und entzündungshemmend wirken. Auch Zink und Eisen spielten dabei möglicherweise eine Rolle.

    supplemente, obst, gemüse
    Einfach mal Vitamine nehmen – und schon bessere Laune? Ganz so einfach ist es nicht, aber die Forschung zeigt erste vielversprechende Ergebnisse. - Depositphotos

    Für Eltern bleibt die Botschaft damit zwiespältig: Die Ergebnisse sind vielversprechend – aber noch kein Grund, die Vitaminschublade als Allheilmittel zu betrachten.

    Kommentare

    User #5392 (nicht angemeldet)

    Statt drinnen zu hocken, mal raus ins Freie. Sonne bildet Vit. D. Ernährung anpassen, und gut.

    User #6747 (nicht angemeldet)

    Vitamin D tests werden von der KK nicht vergütet ausser bei gewissen Symptome. Dabei hat in unserer Breitengrade die meisten Menschen Vitamin D Mangel. Dabei ist das Hormon eines der wichtigsten Stoffe überhaupt und trägt wesentlich zur Gesundheit bei. Nicht nachvollziehbar warum das nicht bezahlt und die Kontrolle nicht gefördert wird. Befürchtet man, dass die Leute gesünder und älter werden und dass der Medikamentenumsatz zurückgehen könnte?

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