Forscher entdecken Mittel gegen schlechtgelaunte Teenager
Vitamintabletten gegen den Familienstress? Eine neue Studie zeigt: Mikronährstoffe könnten launische Teenager tatsächlich besänftigen.

Das Wichtigste in Kürze
- Mikronährstoffe reduzierten in einer Studie die Reizbarkeit bei Teenagern deutlich.
- Auch Suizidgedanken und selbstverletzendes Verhalten besserten sich bei den Teilnehmern.
- Experten fordern Folgestudien – Wirkmechanismen und Langzeiteffekte sind ungeklärt.
Launische Teenager kennen viele Eltern. Bei manchen Jugendlichen geht die Reizbarkeit aber weit über normale Stimmungsschwankungen hinaus. Wutausbrüche, starke emotionale Reaktionen und dauerhafte Gereiztheit gehören für einige Familien mit Teenagern zum Alltag.
Die Eltern stehen oftmals ratlos da – doch nun legt eine neue klinische Studie nahe, dass es möglicherweise ein Mittel gegen schlechtgelaunte Teenager gibt.
In der sogenannten BEAM-Studie wurden 132 Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren über acht Wochen entweder mit einem Mikronährstoff-Präparat oder einem Placebo behandelt. Die Teilnehmer litten alle unter mittelschwerer bis schwerer Reizbarkeit und nahmen keine Medikamente.
Das Ergebnis war deutlich: Wer die Vitamine und Mineralstoffe erhielt, zeigte weniger Reizbarkeit und eine bessere emotionale Kontrolle. Die Jugendlichen berichteten ausserdem von mehr Lebensqualität, weniger Stress und besserem sozialen Verhalten.
Auch Suizidgedanken besserten sich
Besonders bemerkenswert: Rund ein Viertel der Teilnehmer gab zu Beginn der Studie Suizidgedanken an. Auch diese besserten sich im Verlauf der Behandlung – ebenso wie selbstverletzendes Verhalten.
Selbst Eltern bemerkten die Veränderung bei ihren Kindern. Nebenwirkungen waren selten und meist mild, am häufigsten trat vorübergehend Durchfall auf.

Das verwendete Präparat enthielt unter anderem die Vitamine A, B, C, D, E und K sowie Mineralstoffe wie Magnesium, Zink, Eisen und Selen – alles Stoffe, die grundsätzlich auch über eine ausgewogene Ernährung aufgenommen werden können.
Experten mahnen zur Vorsicht
Trotz der vielversprechenden Ergebnisse gibt es unter Experten auch Vorbehalte. Christoph Kleinschnitz bezeichnet die Entwicklung zwar als spannend, fordert aber grössere und längerfristige Studien. Gegenüber der «Bild» meint der Neurologe, acht Wochen seien zu kurz für Aussagen über Langzeiteffekte.
Weiter liefere die Studie keine Erklärung dafür, wie die Mikronährstoffe überhaupt wirken. Seine vorsichtige Vermutung: Bestimmte Vitamine – etwa B und D – könnten positive Effekte auf das Nervensystem haben, indem sie Nervenhüllen aufbauen, freie Radikale abfangen und entzündungshemmend wirken. Auch Zink und Eisen spielten dabei möglicherweise eine Rolle.

Für Eltern bleibt die Botschaft damit zwiespältig: Die Ergebnisse sind vielversprechend – aber noch kein Grund, die Vitaminschublade als Allheilmittel zu betrachten.
















