Laut neuesten Zahlen sind Frauen stärker von Nebenwirkungen der Impfung gegen das Coronavirus betroffen. Woran das liegt, erklärt Swissmedic.
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Eine Seniorin wird in Frauenfeld gegen das Coronavirus geimpft. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Laut einer Auswertung leiden Frauen öfter unter Impfnebenwirkungen als Männer.
  • Dies liegt aber nicht unbedingt daran, dass Frauen stärker davon betroffen sind.
  • Swissmedic erklärt die Hintergründe.

Fieber, Atemnot und Kopfschmerzen: Von den Impfstoff-Nebenwirkungen sind hauptsächlich Frauen betroffen. Dies ergab eine Auswertung der Arzneimittelbehörde Swissmedic.

BAG Impfungen
Stand der schweizweit verabreichten Imfpungen am 18.04.2021. - Bundesamt für Gesundheit (BAG)

In der Schweiz wurden bereits über zwei Millionen Impfdosen gegen das Coronavirus verabreicht, rund 843'500 Personen sind schon vollständig geimpft. Bis zum 20. April wurden 1485 Meldungen über unerwünschte Arzneimittelwirkungen durch Covid-19-Impfungen in der Schweiz ausgewertet.

Coronavirus: Swissmedic setzt Aussage in Relation

So ganz scheint die Aussage, dass Frauen öfter von Nebenwirkungen betroffen sind als Männer, doch nicht zu stimmen. Lukas Jaggi, Mediensprecher bei Swissmedic, stellt klar: «Bei den bisher in der Schweiz zugelassenen Covid-19 Impfstoffen war die Geschlechterverteilung in den klinischen Zulassungsstudien ausgeglichen.»

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Lukas Jaggi ist Mediensprecher bei Swissmedic. - swissmedic.ch

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW) traten laut Jaggi bei Frauen und Männern gleich häufig auf. «Weiter bilden UAW-Meldungen nicht die Realität ab, da sie nur Momentaufnahmen sind.» Die Meldungen werden vor allem dafür verwendet, frühzeitige Warnsignale zu erkennen.

UAW-Meldungen lassen sich erklären

Trotzdem wirft die Meldung die Frage auf, weshalb Frauen bei den Meldungen so herausstechen. Jaggi begründet: «Es gibt Untersuchungen, die darauf hinweisen, dass die Schwelle, einen Arzt zu konsultieren, bei Frauen niedriger ist als bei Männern.» So sind in vielen Pharma-Datenbanken mehr Meldungen enthalten, die Frauen betreffen.

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Coronavirus: In der Schweiz haben mehr als 70 Prozent der über 80-Jährigen eine Booster-Impfung erhalten. - Keystone

Auch wurden in der Schweiz bisher mehr Frauen als Männer gegen das Coronavirus geimpft, dies entsprechend der Lebenserwartung. Und: «Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten können bei Nebenwirkungen eine Rolle spielen.» Da Frauen im Allgemeinen älter werden als Männer, nehmen sie auch mehr Medikamente ein.

Einfluss des Geschlechts ist bekannt

Wer ein Medikament oder einen Impfstoff testen lassen möchte, der muss sich an internationale Regeln halten. So auch daran, dass das betroffene Medikament an der Zielpopulation getestet wird. Also an Männern und Frauen, erklärt Jaggi.

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Hauptsächlich Frauen klagen über Nebenwirkungen der Corona-Impfung. - dpa

«Es ist bekannt, dass das Geschlecht einen Einfluss auf die Wirkung eines Medikamentes haben kann.» Aus diesem Grund ist es umso wichtiger, Impfstoffe und Medikamente an beiden Geschlechtern zu testen. «Liegen Hinweise vor, dass die Sicherheit bei der Anwendung an Frauen unsicher sein könnte, wird die Anwendung an Frauen gebremst.»

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