Mit dem Covid-Zertifikat sollen Privilegien für Genesene & Geimpfte entstehen. Schützt eine überstandene Infektion des Coronavirus gleich gut wie eine Impfung?
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Das Impfzentrum Willisau in der Festhalle Willisau im Kanton Luzern. Geimpfte sollen bald mehr Privilegien im Alltag geniessen. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Covid-Zertifikat verspricht Privilegien für Geimpfte, Genesene und Negativ-Getestete.
  • Dabei ist die Wissenschaft noch unschlüssig, wie gut eine überstandene Infektion schützt.
  • Trotz mehr gebildeter Antikörper muss man nach einer Infektion wohl immer noch impfen.

Am letzten Mittwoch informierte Gesundheitsminister Alain Berset über die Pläne des Bundes bezüglich des Covid-Zertifikats. Konkret soll, wer so ein Testat vorweisen kann, wieder Zugang zu Festivals, Clubs oder Reisen bekommen. Das Covid-Zertifikat sei «zentral» für die nächsten Öffnungsschritte, betonte Berset. Mehr Details gibt es im Juni, wenn die Impfkampagne weiter fortgeschritten sein wird.

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Bundesrat Alain Berset will Anreize zum Zertifikat schaffen. - keystone

Privilegien für Zertifikatsbesitzer

Ein Zertifikat erhalten können Geimpfte, Genesene oder Negativ-Getestete. Mit einem Impfzwang habe das nichts zu tun, betonte Berset. Eine Pflicht gibt es nicht, jedoch sollen Privilegien die Schweizer zum Testen und Impfen animieren.

So will die Schweiz mit der EU zusammenarbeiten, um beispielsweise internationales Reisen für Zertifizierte wieder zu ermöglichen. Auch private Veranstaltungen ausschliesslich für Zertifikatsbesitzer sind denkbar.

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Reisen mit dem Covid-Zertifikat soll im Sommer trotz Coronavirus möglich sein. (Symbolbild) - Keystone

Auffällig dabei ist vor allem die Gleichsetzung von Geimpften und Genesenen durch die Behörden. Kann man also daraus ableiten, dass eine überstandene Infektion gleich gut schützt wie eine Impfung? Die wissenschaftliche Faktenlage dazu ist noch eher dürftig.

Coronavirus: Ist genesen gleich geimpft?

Grundsätzlich gilt: Wer eine Impfung erhält oder eine Infektion durchmacht, bildet Antikörper gegen das Coronavirus. «Es sind verschiedene Prozesse, die im Körper ablaufen. Wer eine mRNA-Impfung erhalten hat, bildet Antikörper auf das Spyke-Protein, also die Zacken aussen am Virus.» Das erklärte Wissenschaftsredaktor Daniel Theis gegenüber SRF.

Bei einer Infektion reagiert der Körper heftiger, bildet sogar noch mehr Antikörper, die auch noch andere Regionen des Virus bekämpfen. Es sei bisher nicht nachgewiesen, dass eine Variante besser schütze als die andere.

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Die Antikörper erkennen die mutierten Spike-Proteine der neuen Coronaviren weniger gut. - Screenshot SRF

Der bisherige Konsens unter Fachleuten ist, dass eine überstandene Infektion mit dem Coronavirus einer ersten Impfung gleichkommt. Wer also positiv getestet wurde, soll sich ungefähr sechs Monate später noch einmal impfen lassen, allerdings nur mit einer Dosis.

Schwere Erkrankung führt nicht zu besserem Schutz

Und ab wann gilt man als genesen? Medizinisch gesehen sei man genesen, wenn man zwei Wochen nach einem positiven Corona-Test keine Symptome mehr habe, sagt Urs Karrer. Er ist Facharzt für Infektiologie am Kantonsspital Winterthur ZH. Beweisen müsste man das durch einen Antikörper-Test.

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Urs Karrer, Chefarzt für Infektiologie, erklärt Medienschaffenden das wintertauglich umgebaute Covid-19-Testzentrum des Kantonsspitals Winterthur (KSW), am Donnerstag, 29. November 2020, in - Keystone

Dabei komme es nicht darauf an, wie schwer die Erkrankung verlief. Tatsächlich könne man zwar bei schwer Erkrankten mehr Antikörper im Blut messen. Dass diese Personen gegenüber milden Verläufen besser geschützt sind, sei aber «ziemlich sicher nicht so», sagte Karrer im «10vor10».

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