Ukraine-Krieg – Wie Korruption Russland von innen zerstört
Russland verliert im Ukraine-Krieg Hunderttausende Soldaten. Ein bizarres Korruptionssystem treibt die Verluste in die Höhe – auf Kosten der Rekruten.

Russland lockt neue Soldaten mit hohen Antrittsgeldern in den Krieg gegen die Ukraine.
Aus ärmlichen Verhältnissen stammende Männer werden durch ihre Unterschrift praktisch über Nacht zu «Millionären». Dies schreibt der Schriftsteller und Kolumnist Wladimir Kaminer bei «T-Online».
Ihre diensthabenden Offiziere hingegen verdienen deutlich weniger als diese Rekruten. Sie haben eine militärische Ausbildung absolviert und sind eidlich zur Pflicht gebunden – doch finanziell stehen sie weit schlechter da.
Russland: Erpressung als System im Ukraine-Krieg
Daraus entsteht ein bizarrer Anreiz: Offiziere erpressen ihre Soldaten und kassieren deren Antrittsgeld. Wer nicht in einen aussichtslosen Angriff geschickt werden will, muss zahlen – wer Fronturlaub möchte, ebenfalls.
Der SRF-Russland-Korrespondent Calum MacKenzie bestätigt dieses Muster gegenüber «SRF». Ein Soldat müsse umgerechnet bis zu 10'000 Franken an seinen Offizier überweisen, damit er nicht in den Kampf geschickt wird.
Laut MacKenzie haben bei russischen Behörden bereits Tausende Soldaten Beschwerden gegen ihre Vorgesetzten eingereicht. Einige Offiziere wurden entlassen oder verhaftet.
Fleischwolf dreht sich schneller
Je mehr Verluste ein Offizier meldet, desto kampffähiger gilt seine Einheit. Das schafft laut Kaminer in «T-Online» einen Anreiz, Soldaten möglichst schnell zu verheizen und durch neue zu ersetzen.
Die Verluste auf russischer Seite übersteigen jene der Ukraine massiv: Mehrere unabhängige Beobachter beziffern das Verhältnis auf 1 zu 7, manche auf 1 zu 8 sogar. Als Hauptursache gilt die überlegene Drohnentaktik der Ukraine.
«ZDFheute» berichtet, dass ukrainische Drohneneinheiten in Kombination mit Artillerieangriffen dem russischen Angreifer schwere Verluste zufügen. Truppen, die sich aus der Deckung wagen, werden demnach schnell abgefangen.
Rekruten werden rar
Laut Kaminer in «T-Online» hat sich die Masche der Offiziere inzwischen unter potenziellen Rekruten herumgesprochen. Neue Soldaten für Russland sind immer schwerer zu finden, obwohl die Regionen des Landes zur Stellung verpflichtet werden.

MacKenzie erklärt in «SRF», dass der Kreml ein Interesse daran hat, diese Korruptionspraktiken nicht öffentlich zu machen.
Würden potenzielle Rekruten erfahren, dass ihnen das versprochene Geld sofort weggenommen werden kann, würden sie keinen Armeevertrag unterschreiben.
















