Inflation und hohe Energiekosten: Italien verliert seine Bars
Ein Espresso an der Bar gehört zu den unverzichtbaren Ritualen im italienischen Alltag. Doch die Bars stehen in Italien zunehmend unter Druck. Inflation, gestiegene Energie- und Rohstoffpreise, höhere Arbeitskosten und die sinkende Kaufkraft der Haushalte machen es für viele Betriebe schwieriger, sich über Wasser zu halten.

Gleichzeitig verändern sich die Städte: Weniger Menschen arbeiten täglich in Büros, Konsumgewohnheiten verschieben sich und Lieferdienste sowie moderne Handelsformen erhöhen den Wettbewerb.
Die Folgen lassen sich inzwischen zählen: Zwischen 2019 und 2025 verschwanden in Italien mehr als 24'000 Unternehmen aus dem Gewerbe – durchschnittlich rund elf pro Tag. Die Zahl der Bars sank von 169'839 auf 145'766, ein Minus von 14,2 Prozent, wie eine Auswertung des Handelsverbands Confesercenti zeigt.
Besonders sichtbar wird die Entwicklung in den Städten. Rom verlor demnach 2827 Bars, mehr als 30 Prozent des Bestands von 2019. Im Zentrum Italiens insgesamt ging die Zahl der Betriebe um 20,8 Prozent zurück. Confesercenti sprach von einer zunehmenden Verödung der Innenstädte und Wohnviertel.
Nach Berechnungen des Verbandes hat der Rückgang der Bars zwischen 2019 und 2025 auch wirtschaftliche Folgen: Den lokalen Wirtschaftsräumen seien dadurch mehr als 7,2 Milliarden Euro an Konsum, Beschäftigung und Steuereinnahmen verloren gegangen.
«Eine Bar ist ein Unternehmen, das Arbeitsplätze schafft und Dienstleistungen anbietet. Aber sie ist auch einer der einfachsten und zugänglichsten Orte, an denen Menschen zusammenkommen. Das gilt für die kleine Gemeinde, wo sie ein Bezugspunkt für alle sein kann, ebenso wie für das Viertel einer grossen Stadt.
Wenn diese Orte verschwinden, sind die Strassen weniger belebt, die Städte werden dunkler und unsicherer«, sagt Nico Gronchi, Präsident von Confesercenti. Er fordert von der Regierung Unterstützung für den Kleinhandel. Die Gefahr sei, dass die Stadtzentren immer leerer werden.














