Papst Franziskus scheint der Synodale Weg der deutschen Kirche nicht zu gefallen. Die geplante Segnung homosexueller Paare sorgt im Vatikan für Unmut.
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Das Oberhaupt der katholischen Kirche: Papst Franziskus. Alessandra Tarantino/AP/dpa - dpa

Das Wichtigste in Kürze

  • Papst Franziskus gibt sich kritisch zum Syodalen Weg der deutschen katholischen Kirche.
  • Angestrebte Reformen wie die Segnung homosexueller Paare sorgen im Vatikan für Kritik.
  • Auch äusserte er sich zum Rücktrittsgesuch des Kölner Kardinals Woelki.

Papst Franziskus hat sich unverhohlen kritisch zum Reformprozess in der deutschen katholischen Kirche, dem «Synodalen Weg», geäussert. «In Deutschland gibt es eine sehr gute evangelische Kirche. Wir brauchen nicht zwei davon», sagte er in einem Interview mit der Jesuiten-Zeitschrift «La Civiltà Cattolica». Das habe er auch dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, so gesagt.

Gemeint sind damit angestrebte Reformen in der deutschen Kirche. Konkret: Frauen in geistlichen Ämtern oder die Segnung homosexueller Paare – etwas, was im Vatikan teils heftig kritisiert wird.

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Papst Franziskus feiert eine Messe in der Peterskirche. - dpa

Das Problem entstehe, wenn der Synodale Weg von intellektuellen und theologischen Eliten entspringe und von Druck von aussen beeinflusst werde. Es gebe einige Bistümer, in denen der Synodale Weg langsam mit den Gläubigen, also dem Kirchenvolk, entwickelt werde. Diese Art des Vorgehens findet offenbar eher die Zustimmung des 85 Jahre alten Papst Franziskus.

Papst Franziskus stiftet mit mehrdeutigem Schreiben Verwirrung

Franziskus verwies ausserdem auf einen früheren Brief, in dem er sich zum Synodalen Weg der deutschen Katholiken geäussert hatte. Er habe einen Monat für den Brief gebraucht und ihn ohne Beteiligung der Kurie, der vatikanischen Zentralverwaltung, abgefasst, sagte er.

Das Schreiben war allerdings derart blumig und mehrdeutig formuliert, dass sich seitdem Befürworter und Gegner der Reformen darauf berufen.

Entscheidung über Kardinal Woelki noch nicht gefalllen

Franziskus ging in dem Interview auch auf den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki ein. Der Papst sagte, dass die Situation sehr turbulent gewesen sei. Er habe den Erzbischof darum gebeten, sechs Monate wegzugehen, damit sich die Dinge beruhigen und er klarer sehen konnte. Die Formulierung ist interessant, weil Woelki behauptet hatte, die Auszeit wäre seine eigene Idee gewesen.

Franziskus sagte weiter: «Als er zurückkam, habe ich ihn gebeten, ein Rücktrittsgesuch zu schreiben. Er hat das getan und es mir gegeben. Und er hat der Diözese einen Entschuldigungsbrief geschrieben. Ich habe ihn im Amt belassen, um zu sehen, was geschehen würde, aber ich habe sein Rücktrittsgesuch in der Hand.»

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Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki. - Keystone

Die Entscheidung darüber, ob er das Gesuch annimmt, kann aber offenbar noch dauern: «Was gerade passiert, ist, dass es viele Gruppen gibt, die Druck machen. Und unter Druck ist es nicht möglich, zu urteilen.»

Deshalb wolle er erst entscheiden, wenn sich der Druck gelegt habe. Es gebe im Erzbistum Köln zudem auch eine «wirtschaftliche Frage». In diesem Zusammenhang erwäge er die Entsendung eines finanziellen Teams. Was genau der Papst damit wiederum meint, blieb unklar.

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