Neues Gesetz: Deshalb will Schweden zurück zum Bargeld
In Schweden gilt ab heute: Lebensmittelgeschäfte und Apotheken müssen Bargeld annehmen. Das Gesetz soll ein Zeichen für Inklusion und Zugänglichkeit setzen.

Das Wichtigste in Kürze
- Ab heute gilt in Schweden ein neues Bargeld-Gesetz. Supermärkte und Apotheken müssen nun Bargeld annehmen.
- Die Regierung empfiehlt ihren Mitbürgern, umgerechnet 84 Franken in bar zuhause zu lagern.
- Argumente der Befürworter des Gesetzes: mehr Inklusion – und ein Cyberangriff im Jahr 2021.
Wer in Schweden einkaufen geht, zahlt meist mit dem Handy oder der Karte. In vielen Läden hängen Schilder, die deutlich machen: Bargeld wird nicht akzeptiert – doch das ändert sich nun.
Seit dem 1. Juli 2026 gilt in Schweden ein neues Gesetz. Es verpflichtet Lebensmittelgeschäfte und Apotheken dazu, wieder Bargeld anzunehmen. Hinter dem Gesetz steckt mehr als nur Konsumentenschutz.
Die schwedische Zentralbank sieht Bargeld als Teil der Sicherheitsvorsorge. Elin Ritola von der Zentralbank erklärt gegenüber dem «ARD» die Hintergründe: «Durch die neue geopolitische Lage hat Bargeld wieder eine grössere Bedeutung.» Es gehe dabei um Sicherheit.
Die Regierung empfiehlt Schweden, Bargeld zu Hause zu lagern
Auch die schwedische Zivilschutzbehörde hat eine klare Empfehlung. Jede erwachsene Person soll mindestens 1000 Kronen in bar zu Hause haben. Das entspricht ungefähr 84 Schweizer Franken. Im Krisenfall soll das reichen, um das Nötigste zu kaufen.
Viele Schweden haben diesen Betrag nicht mehr griffbereit. Der Grund: Sie haben seit Jahren kein Bargeld mehr benutzt.
Bezahlt wird mit der Karte oder über Swish. Ein rein schwedisches digitales Bezahlsystem, das direkt über das Mobiltelefon funktioniert. Wie hierzulande Twint.
Ritola beschreibt, wie es dazu kam: «Ich würde sagen, dass Schweden ein Land mit einer Bevölkerung ist, die Technik gegenüber recht positiv eingestellt ist. Viele haben diese neuen praktischen Lösungen begeistert angenommen.»
Ein Cyberangriff zeigte die Schwächen des digitalen Systems
Dass eine rein digitale Infrastruktur riskant sein kann, erlebte Schweden bereits im Jahr 2021 nach einem Cyberangriff. Damals mussten rund 800 Supermarktfilialen im ganzen Land schliessen. Die Kassen funktionierten nicht mehr, Bargeld wäre die einzige Alternative gewesen.
Björn Eriksson, ein prominenter Aktivist aus Stockholm, kämpft seit Jahren für den Erhalt von Bargeld. Für ihn ist das neue Gesetz überfällig: «Ich finde, dass die Verbraucher selbst entscheiden sollten.»
Eriksson betont, dass es bei der Debatte nicht nur um Sicherheit gehe. Es gehe ihm auch um Inklusion: «Es gibt viele Menschen, die Probleme mit dem digitalen Bezahlen haben. Etwa Menschen mit einer Behinderung und ältere Menschen», sagt er.
Das neue Gesetz setzt ein Zeichen für Zugänglichkeit
Für Eriksson ist die neue Regelung ein erster Schritt. Er begrüsst, dass er nun zumindest im Supermarkt und in der Apotheke wieder problemlos mit Bargeld bezahlen könne. Ob weitere Branchen folgen werden, ist noch offen.
Die Entwicklung in Schweden ist kein Einzelfall. Auch in der Schweiz wird die Frage diskutiert, wie viel Platz Bargeld im Alltag noch haben soll. Erst im März hat die Schweizer Stimmbevölkerung für den Gegenvorschlag zur Bargeld-Initiative gestimmt.
Dieser sieht vor, den bestehenden Währungsartikel in der Verfassung mit zwei Sätzen zu ergänzen. In der Verfassung soll zusätzlich stehen, dass der Franken die Währung der Schweiz ist. Ebenso soll in der Verfassung stehen, dass die Versorgung mit Bargeld in der Schweiz gewährleistet ist.





















