Umsatzeinbussen belasten viele mittelständische Firmen auch im zweiten Jahr der Corona-Pandemie. Manche erweisen sich allerdings als widerstandsfähig.
Viele Läden waren insgesamt über Monate geschlossen - wie hier Anfang des Jahres in Schwerin. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa
Viele Läden waren insgesamt über Monate geschlossen - wie hier Anfang des Jahres in Schwerin. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie treffen die rund 3,8 Millionen Mittelständler in Deutschland unterschiedlich hart.

Einer KfW-Studie zufolge kommen kleine Unternehmen schlechter durch die Krise als etwa mittelgrosse Firmen.

Auch Unternehmen, die im Ausland aktiv sind oder bereits vor der Krise eine schwache Bonität hatten, seien stärker betroffen, hiess es in der am Donnerstag veröffentlichten Untersuchung der staatlichen Förderbank.

Demnach verzeichneten im Mai dieses Jahres insgesamt 39 Prozent der mittelständischen Unternehmen mit einem Umsatz von maximal 500 Millionen Euro jährlich Erlöseinbussen. Zu Krisenbeginn im April 2020 waren es 66 Prozent. Über eine im Zuge der Pandemie gesunkene Eigenkapitalquote berichteten etwa ein Viertel (24 Prozent) der Firmen. Die Eigenkapitalquote ist eine wichtige Grösse bei der Ermittlung der Kreditwürdigkeit von Unternehmen. Eine Verschlechterung der Quote kann die Finanzierungsmöglichkeiten schmälern.

Pleitewelle nicht erwartet

Mit einer Pleitewelle im Mittelstand rechnet KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib jedoch nicht. «Ich halte das Ausmass für mögliche zusätzliche Insolvenzen für begrenzt.» Etwa die Hälfte der Firmen verzeichnete gleich gebliebene Eigenkapitalquoten, 17 Prozent einen Anstieg. Beim Rest war die Entwicklung zunächst unklar.

Den Angaben zufolge leiden kleine Unternehmen mit weniger als 5 Beschäftigte am häufigsten unter den Krisenfolgen. Demnach kämpfen 41 Prozent von ihnen nach wie vor mit Umsatzeinbussen, 24 Prozent berichteten von einer niedrigeren Eigenkapitalquote. «Sie haben aufgrund ihrer geringeren Unternehmensgrösse grundsätzlich weniger Möglichkeiten, ausreichend grosse Reserven für die Überwindung von Krisen aufzubauen», erläuterte KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib.

Auslandsaktive Mittelständler sind sowohl hinsichtlich der Umsatzeinbussen (46 Prozent versus 37 Prozent) als auch der Entwicklung der Eigenkapitalquote (29 Prozent versus 22 Prozent) bislang schlechter durch die Corona-Krise gekommen als im Inland tätige Unternehmen.

Eine grössere Widerstandskraft wurde bei Unternehmen festgestellt, die vor Ausbruch der Pandemie Innovations- und Digitalisierungsprojekte durchgeführt hatten. Sie verzeichneten seltener als der Durchschnitt gesunkene Eigenkapitalquoten. «Dass digitale und innovative Mittelständler besser durch die Pandemie gekommen sind, gibt der Wirtschaftspolitik Rückenwind, nun die Weichen richtig zu stellen und verstärkt Zukunftsinvestitionen in Digitalisierung und Innovation sowie in Klimaschutz anzuregen», sagte Köhler-Geib.

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