Millionen Menschen in Italien und England müssen Weihnachten in diesem Jahr unter einem strikten Lockdown verbringen: In London und Südostengland trat nach der Entdeckung einer neuen Variante des Coronavirus am Sonntag eine Ausgangssperre in Kraft.
Krankenschwestern in Klinik in Cremona
Krankenschwestern in Klinik in Cremona - AFP/Archiv
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Das Wichtigste in Kürze

  • Ausgangssperre in London und Südostengland - Ganz Italien wird zur «roten Zone».

In Italien werden die Massnahmen von Montag an verschärft. Bis zum 6. Januar gelten Ausgangsbeschränkungen und die meisten Geschäfte werden geschlossen. Nur an vier Tagen werden die Regelungen etwas gelockert.

Die neue Virus-Mutation sei ersten Erkenntnissen zufolge «bis zu 70 Prozent ansteckender» als die bisher verbreitete Form, sagte der britische Premierminister Boris Johnson am Samstag. Die neue Variante des Coronavirus wird für einen starken Anstieg der Infektionszahlen im Süden Englands verantwortlich gemacht.

Um seine Ausbreitung einzudämmen, wurde das bisher dreistufige Corona-Alarmsystem um eine vierte Stufe erweitert: In London und Südostengland gilt seit Sonntag diese neue höchste Alarmstufe. Die Menschen sind angewiesen, ihre Wohnungen nur noch in Ausnahmefällen zu verlassen. Alle Geschäfte, die nicht der Grundversorgung dienen, müssen schliessen. Treffen dürfen sich nur noch zwei Menschen aus zwei Haushalten - und zwar nur im Freien.

Die verschärften Massnahmen gelten mindestens bis zum 30. Dezember. Kneipen, Restaurants und Museen sind in den betroffenen Regionen bereits seit dem vergangenen Wochenende geschlossen.

Die neuen Massnahmen bedeuten auch, dass sich rund ein Drittel der Menschen in England zu Weihnachten nicht mit Familie und Freunden treffen können. «Ich muss Ihnen schweren Herzens sagen, dass Sie nicht wie geplant Weihnachten feiern können», sagte Johnson. «Aber wenn sich die Fakten ändern, müssen wir leider auch die Massnahmen ändern.»

Wenige Stunden nach Johnsons Rede kündigten die Niederlande ein Landeverbot für Passagiermaschinen aus Grossbritannien an. Damit solle die Ausbreitung der neuen Corona-Variante verhindert werden, erklärte die Regierung in Den Haag. Die Regelung trat am Sonntagmorgen in Kraft und gilt bis zum 1. Januar. Nach Angaben der niederländischen Regierung wurde ein Fall der neuen Mutation, die offenbar besonders ansteckend ist, auch in den Niederlanden entdeckt.

Auch den Italienern stehen Feiertage unter einem strikten Lockdown bevor. Angesichts der rasant steigenden Corona-Zahlen werde das ganze Land zur «roten Zone» erklärt, kündigte Ministerpräsident Giuseppe Conte in der Nacht zum Samstag an. Die höchste Stufe der Corona-Massnahmen trete am Montag in Kraft und gelte bis zum 6. Januar.

Das neue Dekret sieht vor, dass alle nicht für den täglichen Bedarf notwendigen Geschäfte sowie alle Restaurants geschlossen bleiben. Friseursalons, Wäschereien und Kioske dürfen jedoch weiterhin öffnen.

Jeder Haushalt soll nur einmal pro Tag die Möglichkeit haben, Verwandte oder Freunde zu besuchen. Reisen in eine andere Region sind verboten, dies gilt auch für Zweitwohnsitze. Ausnahmen von den Regeln sollen de facto nur aus beruflichen oder gesundheitlichen Gründen möglich sein. Religiöse Feste sind bis 22.00 Uhr gestattet.

Conte äusserte sich nach einer Kabinettssitzung, bei der das neue Dekret beschlossen wurde. «Unsere Experten befürchten, dass die Infektionskurve während der Weihnachtszeit ansteigen wird», sagte er vor Journalisten.

Allerdings soll der harte Lockdown vom 28. bis 30. Dezember sowie am 4. Januar etwas gelockert werden. An diesen Tagen gilt in ganz Italien die zweithöchste Stufe der Corona-Einschränkungen. Dann sollen Geschäfte kurzzeitig öffnen können und die Fortbewegung innerhalb der jeweiligen Städte oder Gemeinden ohne Angabe von Gründen möglich sein.

Italien war im Frühjahr als erstes europäisches Land mit voller Wucht von der Pandemie getroffen worden; die Krankenhäuser konnten nicht mehr alle Patienten versorgen. Mit einem strikten Lockdown konnte die erste Corona-Welle schliesslich unter Kontrolle gebracht werden.

Derzeit kämpft Italien wie auch die europäischen Nachbarstaaten aber mit einer dramatischen zweiten Welle. Mit mehr als 68.000 Corona-Toten ist Italien inzwischen das Land mit der höchsten Opferzahl in Europa. In Grossbritannien überstieg die Zahl der insgesamt registrierten Infektionen am Samstag die Schwelle von zwei Millionen. Mehr als 67.000 Infizierte starben bereits.

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