Lockdowns, der boomende Online-Handel und nun 2G-Vorschriften: Die Pandemie setzt den stationären Handel unter grossen Druck. Das macht sich allmählich auch bei den Mieten für Geschäfte bemerkbar.
Bundesweit wurde im dritten Quartal durchschnittlich ein Anstieg der Einzelhandelsmieten um 0,2 Prozent zum Vorjahreszeitraum registriert. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa
Bundesweit wurde im dritten Quartal durchschnittlich ein Anstieg der Einzelhandelsmieten um 0,2 Prozent zum Vorjahreszeitraum registriert. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Corona-Pandemie mit Geschäftsschliessungen hat den Anstieg der Einzelhandelsmieten in vielen Städten gestoppt.

Besonders in den Grossstädten und deren Umland zeigten sich immer mehr Spuren der Krise, heisst es in einer neuen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), die am Freitag veröffentlicht wurde.

Bundesweit verzeichneten die IW-Forscher im dritten Quartal durchschnittlich noch einen minimalen Anstieg der Einzelhandelsmieten um 0,2 Prozent zum Vorjahreszeitraum. Im ersten Corona-Krisenjahr 2020 hatte es im Quartalsvergleich noch Zuwächse von vier Prozent gegeben, so die Analyse.

In den sieben grössten deutschen Städten - Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Stuttgart und Düsseldorf - waren die Rückgänge besonders deutlich (minus 2,7 Prozent). Allerdings gibt es hier auch mehr Spielraum nach unten: Während die Mieten im bundesweiten Mittel zuletzt zwischen acht und elf Euro je Quadratmeter lagen, waren die Top-7-Standorte mit 20 Euro für Händler etwa doppelt so teuer.

In einer Sonderbetrachtung beobachtete das IW fallende Mieten in 17 von 30 kreisfreien Grossstädten, darunter alle sieben Metropolen. In Frankfurt sahen die Ökonomen gar einen Rückgang von neun Prozent im dritten Quartal. Auch in Duisburg, Essen, Wiesbaden, Kassel und Chemnitz gab es demnach kräftige Abschläge. Dagegen stiegen die Einzelhandelsmieten etwa in Magdeburg, Bochum und Mannheim deutlich.

Über einen längeren Zeitraum seit dem dritten Quartal 2018 hätten die Mieten insgesamt aber überwiegend zugelegt. «Zusammengenommen spricht dies dafür, dass es sich bei der jetzigen Anpassung der Mieten in vielen Fällen um eine Korrektur starker Angebotspreissteigerungen im letzten Jahr handelt, vor allem in den Top-7-Standorten», schreiben die Autoren. So seien noch 2020 die Mieten in Berlin, Frankfurt und Düsseldorf deutlich geklettert. Viele Eigentümer hätten im ersten Corona-Krisenjahr die schwierige Lage des Einzelhandels ignoriert und versucht, die bestehenden Konditionen fortzuschreiben, so das IW.

Für die Studie haben die Ökonomen mehr als 153 000 Mietinserate untersucht und um Faktoren wie Lage und Qualität - darunter Baujahr und Ausstattung - bereinigt. So sollte verhindert werden, dass etwa Immobilien am Stadtrand mit solchen im Zentrum verglichen werden.

Für das neue Jahr seien die Aussichten unklar, meinen die Autoren. Denkbar sei ein weiterer Rückgang der Mieten besonders in den Grossstädten, aber auch eine Stagnation. Da immer mehr Menschen online einkauften, stünden die Mieten für Geschäfte strukturell unter Druck.

Zuletzt hatte der Maklerverband IVD ebenfalls über Corona-Folgen für die Einzelhandelsmieten berichtet und weit grössere Rückgänge für das untersuchte erste Halbjahr festgestellt.

Aus aktuellen IVD-Zahlen geht zudem hervor, dass im Schnitt ein Fünftel der 6000 Verbandsmitglieder seit Pandemiebeginn einen zunehmenden Leerstand verzeichnet hat. Knapp zwei Drittel halten das gar für ein dauerhaftes Problem, wie aus den Daten hervorgeht, die dem «Spiegel» vorliegen.

In den teuersten Gegenden allerdings ist der Leerstand zuletzt etwas zurückgegangen. Deutschlandweit standen demnach noch im Februar fast 14 Prozent der Geschäfte auf den «High Streets» leer, also auf den beliebtesten Einkaufsstrassen. Im September waren es nur noch etwas mehr als 12 Prozent.

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