Wer länger als sechs Monate nach einer Corona-Infektion noch Symptome hat, leidet nach einer Definition der Mainzer Universitätsmedizin an Long-Covid. Jetzt haben die Forscher ein Lagebild gezeichnet.
Teilnehmer eines Reha-Sportkurses für Long-Covid-Patienten. Mit der Übung soll die Koordination trainiert werden. Foto: Carolin Eckenfels/dpa
Teilnehmer eines Reha-Sportkurses für Long-Covid-Patienten. Mit der Übung soll die Koordination trainiert werden. Foto: Carolin Eckenfels/dpa - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Rund 40 Prozent der mit dem Coronavirus infizierten Menschen haben einer Studie der Universitätsklinik Mainz zufolge Long-Covid-artige Symptome - unabhängig davon, ob sie von ihrer mehr als sechs Monate zurückliegenden Infektion wussten oder nicht.

Jeder Dritte berichte, nach einer Infektion mit Sars-CoV-2 nicht wieder so leistungsfähig zu sein wie vorher, sagte der Leiter der Studie, Philipp Wild, am Montag in Mainz. Andere der zahlreichen Symptome «ohne klares klinisches Muster» seien Abgeschlagenheit, Geruchs- und Geschmacksstörungen, Gedächtnisstörungen, Atmennot/Kurzatmigkeit und Schlafstörungen, Gelenkschmerzen und Stimmungsschwankungen.

Allerdings berichteten auch rund 40 Prozent der gar nicht-infizierten Menschen von einigen ähnlichen Symptomen während der Pandemie, wie Abgeschlagenheit, Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen, die mindestens sechs Monate anhielten, sagte Wild. «Es ist aber falsch zu sagen, das Krankheitsbild Long-Covid gibt es nicht», betonte der Wissenschaftliche Vorstand der Universitätsmedizin.

Diese Ergebnisse zeigten vielmehr, wie wenig spezifisch das Krankheitsbild sei und wie gross der Forschungsbedarf. Der Vorstandsvorsitzende der Unimedizin, Norbert Pfeiffer, sagte: «Das ist möglicherweise auch Ausdruck der Situation der Belastung.»

Frauen sind den ersten Studienergebnissen zufolge nach einer Infektion häufiger von Long-Covid-artigen Symptomen betroffen als Männer (45,8 Prozent zu 34,6 Prozent). Das Alter der Infizierten spiele hingegen keine Rolle. Die Häufigkeit von Langzeitbeschwerden stehe im Zusammenhang mit der Zahl der Symptome während der Infektion. «Die Beschwerden nach einer Infektion nehmen mit zunehmender Zeitdauer ab», sagte Wild.

Die Universitätsmedizin untersucht die Spätfolgen nach einer Infektion mit dem Coronavirus systematisch in einer multidisziplinären Studie - von Herz-Kreislauf über die Psyche bis zu den Zähnen. Dabei werde das Auftreten von klinischen Veränderungen untersucht, aber auch die Frage, welche Organe noch unbemerkt betroffen seien.

Grundlage ist die Gutenberg Covid-19 Studie mit rund 10.250 Menschen im Alter von 25 bis 88 Jahren, von denen knapp fünf Prozent zwischen Oktober 2020 und Juni 2021 mit dem Coronavirus infiziert waren, darunter etwa 61 Prozent wissentlich und 35 Prozent unwissentlich.

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