Nachdem sich ein Gemüsehändler aus Verzweiflung vor zehn Jahren angezündet hat, kam es zur Welle «Arabischer Frühling». Viel hat sich seither aber nicht getan.
zehn Jahre Arabischer Frühling
Feierliche Demonstrationen bei Protesten zu Beginn des Arabischen Frühlings. - Keystone
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Das Wichtigste in Kürze

  • Ein tunesischer Gemüsehändler zündete sich aus Verzweiflung vor zehn Jahren selbst an.
  • Es folgten in mehreren arabischen Ländern Proteste gegen die politische Situation.
  • Doch wirklich viel hat sich seither nicht verändert.

Dem Gemüsehändler, der massenhafte Proteste und damit politische Umwälzungen in mehreren arabischen Ländern lostreten sollte, ist heute ein Denkmal gewidmet. Mohammed Bouazizi hatte sich am 17. Dezember 2010 in der tunesischen Kleinstadt Sidi Bouzid selbst angezündet. Aus Verzweiflung über seine Lebenslage und die Willkür der Behörden.

Einige Wochen später erlag der 26-Jährige seinen Verletzungen. Es war der Funke, der ein politisches Pulverfass in Nordafrika und dem Nahen Osten explodieren lassen sollte. Die Welle, die später auch «Arabischer Frühling» genannt wurde, nahm ihren Lauf.

zehn jahre arabischer frühling
Zehn Jahre Arabischer Frühling: Tunesische Demonstranten während der Protest-Welle «Arabischer Frühling» - Keystone

Die Region schien von der Aufbruchstimmung damals wie elektrisiert. Autoritäre Langzeitherrscher wie Ägyptens Präsident Husni Mubarak oder Tunesiens Zine El Abidine Ben Ali wurden zu Fall gebracht. Ziele wie mehr wirtschaftliche Gerechtigkeit, ein Ende der Korruption und politische Mitsprache schienen endlich greifbar.

«Arabischer Frühling»: Bilanz fällt ernüchternd aus

Doch zehn Jahre nach der Welle «Arabischer Frühling» fällt die Bilanz selbst in Tunesien ernüchternd aus. Der Weg zur Demokratie ist, auch beim Musterknabe für demokratischen Wandel, steiniger als erhofft.

Von schweren Gefühlen voller «Frust» und «Enttäuschung» spricht etwa Abdel-Hamid al-Hamadi. Er ist Aktivist eines Arbeitslosenverbands in Sidi Bouzid, einer unscheinbaren Kleinstadt, weit entfernt von den Zentren. «Heute schreiben wir das Jahr 2020, aber wir haben dieselben Bedingungen wie 2010», sagt er der Deutschen Presse-Agentur.

Wirtschaftliche Lage soll sich verschlechter haben

Tatsächlich blicken die Tunesier zunehmend kritisch auf die Zeit seit der Revolution. Diese führte zur Flucht Ben Alis und den ersten demokratischen Wahlen im Land. In einer Umfrage erklärten 77 Prozent der Befragten, dass sich die wirtschaftliche Lage seit 2010 verschlechtert habe.

Die Verantwortlichen sind ihrer Ansicht nach: Politiker, Geschäftsleute und der tunesische Staat. In einer weiteren Umfrage meinten 60 Prozent der Befragten, die sozialen Gräben hätten sich vergrössert.

Korruption sei die «neue Normalität»

Al-Hamadi erlebte die Proteste nach der Verbrennung des Strassenhändlers Bouazizi aus erster Reihe mit. Bouazizi hatte sich vor dem Sitz der Provinzregierung mit Benzin überschüttet und in Brand gesetzt.

Bei Zusammenstössen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften kamen in den Wochen danach mehr als 300 Menschen ums Leben. Darunter auch ein Verwandter Al-Hamadis. Etwa 1000 weitere wurden bei «Arabischer Frühling» verletzt.

Ben Ali
Ben Ali im November 2007. - DPA

Wenn die Tunesier am 14. Januar den Tag feiern, an dem Ben Ali 2011 die Flucht ergriff, dürfte auch Enttäuschung über die heutige Lage mitschwingen. Denn das Mittelmeerland mit elf Millionen Einwohnern kämpft mit alten Problemen: Die Jugendarbeitslosigkeit ist nach UN-Angaben mit 35 Prozent weiter sehr hoch, das Vertrauen in die Regierung gering.

Korruption sei die «neue Normalität» und heute teils noch stärker verbreitet als zu Zeiten Ben Alis. Dies berichtete der internationale Rechtsanwaltsverband IBA jüngst.

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