Coronavirus

    Während Corona: Alkoholverbot führte zu 120 weniger Toten pro Woche

    Simon Ulrich
    Simon Ulrich

    Südafrika,

    Eine Studie zeigt: In fünf Wochen wurden in Südafrika rund 600 Leben gerettet, als während der Corona-Pandemie ein Alkoholverkaufsverbot herrschte.

    Kunden kaufen am 1. Juni 2020 in Südafrika Alkohol, nachdem das Verkaufsverbot aufgehoben wurde. - keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Ein Alkoholverbot während Corona in Südafrika senkte Gewalt- und Unfalltote deutlich.
    • Während fünf Wochen starben 14 Prozent weniger Menschen.
    • Nach Aufhebung des Verbots stieg die Sterberate wieder an.

    Ein Alkoholverbot während der Corona-Pandemie in Südafrika liefert überraschend klare Hinweise auf die gesellschaftlichen Folgen von Alkohol. Während eines fünf Wochen dauernden Verkaufsverbots im Sommer 2020 sank die Zahl der Todesfälle durch Unfälle und Gewalt deutlich. Das berichtet die «NZZ».

    Am 12. Juli 2020 kündigte Präsident Cyril Ramaphosa überraschend ein landesweites Alkoholverkaufsverbot an, das bereits tags darauf in Kraft trat. Ziel war es, Spitäler zu entlasten, da viele Patienten wegen alkoholbedingter Verletzungen eingeliefert wurden.

    Der Wirtschaftswissenschafter Kai Barron vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung erkannte darin ein seltenes «natürliches Experiment». Zusammen mit Richard Matzopoulos vom South African Medical Research Council wertete er Mortalitätsdaten aus.

    Deutlich weniger Tote durch Unfälle und Gewalt

    Das Ergebnis: Während des Verbots starben 14 Prozent weniger Menschen durch Unfälle oder Verbrechen als in vergleichbaren Zeiträumen der Vorjahre.

    Pro Woche wurden mindestens 120 Todesfälle verhindert. Insgesamt rettete das Verbot etwa 600 Menschen das Leben.

    Als das Alkoholverbot aufgehoben wurde, stieg die Sterberate wieder auf das frühere Niveau, obwohl eine nächtliche Ausgangssperre bestehen blieb. Für die Forscher war das ein klarer Hinweis, dass vor allem der Alkoholkonsum den Effekt verursachte.

    Wie oft trinkst du Alkohol?

    Neben den Todesfällen gingen auch Gewaltdelikte zurück: Körperverletzungen sanken um 33 Prozent, Vergewaltigungen um 19 Prozent. Die meisten betroffenen Opfer waren Männer, da sie in Südafrika den grössten Anteil schwerer Alkoholkonsumenten ausmachen.

    Forscher überrascht – politische Lösungen bleiben offen

    Matzopoulos überraschten die Ergebnisse weniger. Barron hingegen sagt: «Ich war schockiert.» 600 gerettete Leben entsprächen etwa zwei abgestürzten Passagierflugzeugen innerhalb von fünf Wochen.

    Konkrete politische Forderungen stellen die Forscher nicht. Dauerhafte Alkoholverbote seien politisch kaum durchsetzbar.

    Stattdessen verweist Matzopoulos auf Empfehlungen der World Health Organization WHO: Höhere Alkoholsteuern, Einschränkungen bei Werbung und Verkauf sowie gezielte Programme für starke Konsumenten.

    Barron hofft vor allem, dass die Ergebnisse sachlich diskutiert werden. Stattdessen würden Lobbyorganisationen häufig versuchen, den Zusammenhang zwischen Alkoholverbot, geringerer Krankenhausbelastung und sinkender Sterblichkeit in Zweifel zu ziehen.

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