Ex-Terrorabwehrchef: Durfte Donald Trump nicht vor Angriff warnen
Aus Protest gegen den Iran-Krieg ist der US-Anti-Terror-Chef zurückgetreten. Er behauptet, kritischen Stimmen sei der Zugang zu Donald Trump verwehrt worden.

Das Wichtigste in Kürze
- Der Ex-Terrorabwehr-Chef Joe Kent ist aus Protest gegen den Iran-Krieg zurückgetreten.
- Israel habe mit eigenständigen Militäraktionen gedroht, um Druck aufzubauen.
- Gegen Joe Kents Aussagen wird aber auch Kritik laut.
Aus Protest gegen die US-Offensive gegen den Iran ist der Chef des US-amerikanischen Nationalen Zentrums für Terrorismusbekämpfung, Joe Kent, zurückgetreten.
«Ich kann den andauernden Krieg im Iran nicht guten Gewissens unterstützen. Der Iran stellte keine unmittelbare Bedrohung für unser Land dar.» Das schrieb er in einem Brief an US-Präsident Donald Trump, den Kent auf X veröffentlichte.
Gegenüber dem rechten Podcaster Tucker Carlson äusserte er sich nun kritisch über die Entscheidungsfindung im Weissen Haus. Ihm und anderen hochrangigen Beamten sei der direkte Kontakt zu Präsident Donald Trump verwehrt worden.

Der zurückgetretene Terrorabwehrchef behauptet, er habe darum seine Bedenken nicht direkt vortragen können. Kent erklärte Carlson, dass der Zugang zu Präsident Donald Trump im Vorfeld des Krieges im Iran eingeschränkt gewesen sei.
Er sagte unter anderem, dass «vielen wichtigen Entscheidungsträgern nicht erlaubt wurde, zum Präsidenten zu kommen und ihre Meinung zu äussern». Trump habe sich ausschliesslich auf einen kleinen Beraterkreis verlassen, so Kent.
Israel soll Donald Trump unter Druck gesetzt haben
Besonders scharf kritisiert Kent die Rolle Israels bei der Entscheidungsfindung. Das Land habe Trumps Entscheidung für die Luftangriffe massgeblich beeinflusst.
Israel habe mit eigenständigen Militäraktionen gedroht, um Druck aufzubauen. Diese Drohungen hätten US-Interessen in der Region gefährdet, behauptet der Ex-Beamte. So sei Washington praktisch zu den Luftschlägen gedrängt worden.
Kent stützt seine Vorwürfe unter anderem auch auf Äusserungen von Aussenminister Marco Rubio. Dieser hatte einige Tage nach Kriegsbeginn gesagt: «Der Präsident hat eine sehr kluge Entscheidung getroffen.»
Und weiter: «weil wir wussten, dass es zu einer israelischen Aktion kommen würde. Wir wussten, dass dies einen Angriff auf amerikanische Streitkräfte auslösen würde. Und wir wussten, dass wir höhere Verluste erleiden würden, wenn wir nicht präventiv gegen sie vorgehen würden.»
Später relativierte Rubio seine Aussagen und krebste teilweise zurück.
Aussagen von Joe Kent lösen auch Kritik aus
Joe Kent gilt allerdings kaum als neutraler Beobachter, wie der «Spiegel» analysiert. In der Vergangenheit kooperierte er demnach mit christlichen Nationalisten und beschäftigte ein Mitglied der rechtsextremen «Proud Boys» als Berater.
Auch holte er sich laut der Zeitung Rat beim Influencer Nick Fuentes, einem der bekanntesten Antisemiten in den USA.
Unabhängig vom Irankrieg mache Kent Israel für zahlreiche Fehlentwicklungen in der US-Aussenpolitik verantwortlich.
Aus beiden politischen Lagern wurde rasch Kritik an Joe Kent und seinem Schreiben laut. Der republikanische Kongressabgeordnete Don Bacon warf ihm in einem Post auf X Antisemitismus vor.
Der Demokrat Amos Hochstein, der als Berater in der Biden-Regierung tätig war, bezeichnete Kent auf X als Neonazi und Rassisten.




















