Donald Trump droht: Wie realistisch ist Kuba-Übernahme?
Donald Trump sorgt mit der Drohung, Kuba zu übernehmen, weltweit für Aufsehen. Ein Experte erklärt, worum es dem US-Präsidenten dabei geht.

Das Wichtigste in Kürze
- US-Präsident Donald Trump droht mit der «Übernahme» des Nachbarstaates Kuba.
- Ein Politologe und Kuba-Experte ordnet die Äusserungen als wirksame Rhetorik ein.
- US-Druck und Ölblockade würden Kuba an den «Würgepunkt» treiben.
- Gleichzeitig sei ein völliger Kollaps Kubas nicht das Ziel der USA, so der Experte.
US-Präsident Donald Trump denkt laut über eine «Übernahme» Kubas nach – und sorgt damit einmal mehr für maximale Aufmerksamkeit. Er könne mit dem Land machen, was er wolle, brüstete sich der Republikaner am Montag vor Journalisten.
Zeitgleich versinkt die Karibikinsel in einem gigantischen Stromausfall. Treibstoff fehlt, Lebensmittel werden knapp, Spitäler müssen Eingriffe verschieben. Es ist der sechste landesweite Blackout in anderthalb Jahren.
Donald Trump spricht von einer «sehr geschwächten Nation». Während die Lage eskaliert, signalisiert Havanna plötzlich wirtschaftliche Öffnung: Mehr Spielraum für Investoren, auch aus den USA.
Es ist ein Moment, in dem politische Drohgebärden, wirtschaftlicher Druck und vorsichtige Reformsignale aufeinandertreffen.
Doch wie ernst sind die Worte von Donald Trump zu nehmen? Und was steckt tatsächlich hinter der aktuellen Dynamik?
«Vollmündige Ankündigungen» – aber mit realer Wirkung
Der deutsche Politologe und Kuba-Experte Bert Hoffmann ordnet die Aussagen des US-Präsidenten zunächst als das ein, was sie oft sind: «vollmündige Ankündigungen», vor allem Rhetorik, also Gerede.
Doch er warnt davor, sie zu unterschätzen. Solche Aussagen «schaffen Fakten», allein durch ihre Wirkung. Die enorme mediale Resonanz sei bereits «Teil des Dramas».

Hoffmann beschreibt die derzeitige Lage in Kuba als extrem zugespitzt. Die Regierung stehe «mit dem Rücken zur Wand».
Ursache sei eine gezielte US-Strategie: Eine «Erdrosselungspolitik», die den Inselstaat wirtschaftlich stranguliere.
Seit Wochen kommt praktisch kein Treibstoff mehr an. «Die USA lassen kein Öl mehr auf die Insel», sagt Hoffmann. Selbst Versuche, auf dem Weltmarkt einzukaufen oder Lieferungen aus Mexiko zu erhalten, seien blockiert worden.
«Kein Essen, kein Sauerstoff» – Kuba ist gezwungen, zu verhandeln
Die Folgen sind gravierend. Ohne Treibstoff funktioniere kaum noch etwas: «Kein Essen vom Land in die Stadt, kein Sauerstoff in die Krankenhäuser.»
Vieles breche gleichzeitig zusammen. Die US-Seite spreche intern selbst davon, den «Würgepunkt» («choking point») gefunden zu haben.
Vor diesem Hintergrund erklärt sich auch die neue Gesprächsbereitschaft Havannas. Kuba müsse verhandeln, so Hoffmann – schlicht, um das Überleben der Grundversorgung zu sichern. Andernfalls drohe ein Szenario mit Hunger, medizinischer Unterversorgung und fehlendem Trinkwasser.
Rechte wie Donald Trump wollen «Symbol Kuba fallen sehen»
Was aber wollen die USA eigentlich erreichen? Laut Hoffmann ist das Ziel vielschichtig.
Es gehe auch um Symbolik: Kuba als Relikt der sozialistischen Revolution, das gerade in konservativen Kreisen und unter Exilkubanern weiterhin ein politischer Gegner sei.
«Die haben eine Rechnung offen und wollen das Symbol Kuba fallen sehen», sagt er.

Hinzu kommen handfeste wirtschaftliche Interessen. Immobilien in Havanna, Tourismus, Investitionen etwa im Zuckersektor – all das mache Kuba attraktiv.
Gleichzeitig verfolgen Exilkubaner eigene Ziele: Viele fordern die Rückgabe enteigneten Eigentums. Doch diese Interessen seien nicht einheitlich. Manche wollten neu investieren, andere vor allem Besitz zurück.
Experte: «USA wollen kein Chaos auf Kuba»
Trotz des massiven Drucks sieht Hoffmann aber auch Grenzen der Strategie von Donald Trump. Washington habe kein Interesse an einem völligen Kollaps des Staates. «Sie wollen kein Chaos», sagt er.
Ähnlich wie in Venezuela solle der bestehende Staatsapparat erhalten bleiben – nur politisch neu ausgerichtet. Das gebe auch der kubanischen Regierung noch Verhandlungsspielraum.
Allerdings drängt die Zeit. Die wirtschaftliche und humanitäre Not wächst. In der Bevölkerung steigt der Druck. Vielen sei bewusst, dass die verschärfte US-Politik die Krise massiv vergrössert habe.
Doch im Alltag zähle vor allem eines: Dass die Not ein Ende hat. Dass wieder Strom fliesst. Dass genug zu essen auf dem Tisch ist.
Politisch bleibt die Bevölkerung dabei weitgehend aussen vor. Verhandelt wird auf Regierungsebene – «von Hauptstadt zu Hauptstadt», sagt Hoffmann.
Für die Kubaner bedeutet das vor allem Unsicherheit, Sorge und ein Warten darauf, dass sich die Lage irgendwie stabilisiert.



















