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    Unterwegs auf Deutschlands längstem Barfusspfad

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    Deutschland,

    Im Sommer aufbrechen? Das kann jeder. Doch wie ist es, einen der längsten Barfusspfade Deutschlands im Winter anzugehen? Ein Selbstversuch.

    Frau barfuss Wald Bach
    Mehrmals führt der Barfusspfad im hessischen Bad Orb durch die Orb. - Andreas Drouve/dpa-tmn

    Das Wichtigste in Kürze

    • Deutschlands längster Barfusspfad liegt im hessischen Kurort Bad Orb im Kreis Main-Kinzig.
    • Auf rund vier Kilometern befinden sich unter anderem Kies, Sand, Mulch und Wasser.
    • Der Weg, der am Rand des Kurparks beginnt, ist das ganze Jahr über geöffnet.

    Es kostet Überwindung, im Winter das Gewohnte abzustreifen. Schuhe aus. Socken auch. Der erste Eindruck: gar nicht so schlimm.

    Denn am Rande des Kurparks von Bad Orb beginnt der Barfusspfad mit einem feinen Mulchfeld. Der Auftakt ist deshalb wohlig weich, ein wenig wärmend sogar.

    Doch dabei bleibt es nicht auf der rund vier Kilometer langen Barfussroute, die damit deutschlandweit die längste sein soll. Spätestens bei eiskalten Bachpassagen gilt es, auf die Zähne zu beissen.

    Ortsschild Bad Orb Holz eingebrannt
    Am Rande des Kurparks von Bad Orb beginnt der Barfusspfad, der jederzeit zugänglich ist. - Andreas Drouve/dpa-tmn

    Der Barfusspfad in der hessischen Kurstadt im Main-Kinzig-Kreis in Deutschland ist jederzeit zugänglich. Der Kurort liegt unweit von Frankfurt am Main.

    Aber nur von Ostern bis Oktober wird er von Schülern der Kreisrealschule Bad Orb gepflegt: in Form von Wahlpflichtunterricht, bei dem sich die Teenager um die mehr als 30 Stationen kümmern, Sand fahren, Hölzer ersetzen, fegen und buddeln.

    «Am Ende gibt es dafür Noten», sagt Projektleiter Robert Runkel. Der 61-jährige Mathe- und Musiklehrer ist sich sicher, dass das Barfusslaufen gesund ist.

    Nur hegt er Zweifel, ob das auch im Winter gilt. Seine Erfahrung beschränkt sich auf die wärmere Jahreszeit.

    Fussreflexzonenmassage und Abhärtungstraining zum Nulltarif

    Parallel zum Pfad, der mit Schildern und grünen Pfeilen gekennzeichnet ist, verläuft ein normaler Wanderweg.

    «Da kann man bei Bedarf wechseln und wieder die Schuhe anziehen», gibt Runkel zum Selbstversuch mit auf den Weg.

    Kiselfeld zwei Füsse barfuss
    Schmerzvoll, bis die Gewöhnung eintritt: der Gang über Kieselpassagen. - Andreas Drouve/dpa-tmn

    Sand und Kies barfuss im Winter – da ist man allein auf weiter Flur. Das weiche Sandfeld, das auf den Mulch folgt, soll an Strandferien erinnern.

    Zumindest steht das auf der Begleittafel, die wohl auf den Sommer ausgerichtet ist.

    Doch die Ferienträume verflüchtigen sich spätestens im ungemütlich feuchten, harten Sand. Die Kälte kriecht gnadenlos durch die Zehen.

    Das Gras, das dahinter folgt, ist jetzt im Winter übersät mit Laub. Nächste Station am Ende der Wiese: ein grobes Kiesfeld. Erstaunlich rasch stellt sich der Gewöhnungseffekt ein.

    Fussreflexzonenmassage zum Nulltarif, dazu Hornhautentfernung und Abhärtungstraining.

    Das Wasser der Orb ist das ganze Jahr über acht Grad kalt

    Die Stellen der Durchwatungen der Orb, dem Nebenarm der Kinzig, hatte Runkel als Höhepunkte angepriesen.

    Nur hatte er deren Temperatur verschwiegen. Acht Grad. Immer. Was im Sommer erfrischen kann, sorgt jetzt für stechenden Schmerz.

    Im wadenhohen Bachbett glaubt man, ein Nadelkissen unter den Sohlen zu spüren.

    Danach verschafft ein Wiesenstück mit Maulwurfshügeln etwas Linderung – doch der nächste Temperaturschock in der Orb lässt nicht lange auf sich warten.

    Vom Wanderweg aus grüssen Hundeführer, eine Walkerin wünscht Glück und ruft: «Da tun Sie sich aber Gutes für die Füsse!»

    Wer sich Zeit lässt, läuft gut drei Stunden auf dem Pfad

    Eine Balancestation, diesmal ausserhalb des Wassers, führt über Holzbalken. Dann ein eingefasstes Zapfenbeet. Das tut den beanspruchten Fusssohlen derart gut, dass man den Gang darüber mehrfach wiederholen möchte.

    Barfuss Tannenzapfen getrocknete Blätter
    Fussreflexzonenmassage gefällig? Der Gang über Tannenzapfen stimuliert die Fusssohlen. - Andreas Drouve/dpa-tmn

    Schon folgt die nächste Kälteinjektion: ein Schlammfeld, eingefasst in Bretter und Pflöcke. Im Sommer ein Renner. Und im Winter? Naja.

    Zur Fusswaschung heisst es aufs Neue: ab in die Orb – Taubheitsgefühl inklusive. Wiederbelebung verschafft das Trockenrubbeln mit einem Handtuch.

    Ein Wiesenstück führt hangaufwärts, weg von der Orb auf den Waldrand zu. Balancestücke von Baumstumpf zu Baumstumpf fordern Beinmuskulatur und Gelenke.

    Der Weg durch ein Stück Spessartwald ist mit Laub und Zapfen bedeckt, der Rest der Strecke rasch erzählt: über Wiesen und Anhöhen mit Blick auf das Städtchen Bad Orb im Tal.

    Das Fazit fällt trotz der Kälte positiv aus

    Das Resümee zum fast dreistündigen Selbstversuch.

    Erstens: eine bereichernde Erfahrung für jeden, der sich traut.

    Zweitens: Das wohlige Kribbeln, das von den Zehenspitzen aufsteigt, und den ganzen Körper erfasst, hält bis zum Folgetag an. Genauso wie die geschwärzten Fusssohlen.

    Therme Bad Innenansicht
    Entspannung nach einem anstrengenden Barfussmarsch bietet die Toskana Therme Bad Orb. - Andreas Drouve/dpa-tmn

    Drittens: Ein Bad in der Toskana Therme ist als Lohn fantastisch.

    Viertens: Eine Erkältung bleibt aus.

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