Die Pandemie hat das Reisen lange eingeschränkt. Wird bald endlich alles wieder normal? Fünf Thesen zum Reisejahr 2022 - und was das für die Ferien heisst.
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Die Koffer sind zwar noch nicht gepackt, aber durchaus einige Urlaubspläne gemacht für den Sommer 2022. - Stefan Sauer/dpa-Zentralbild/dpa

Das Wichtigste in Kürze

  • Corona wird auch 2022 das Reisen prägen – abhalten lassen muss man sich jedoch nicht.
  • Menschen werden mutiger, Veranstalter kreativer und 2G wohl zur neuen Normalität.
  • Das Planungswerkszeug lautet: Informationen einholen, Angebote prüfen und Rabatte nutzen.

Einst fühlte sich das weltweite Reisen selbstverständlich an. Doch seit bald zwei Jahren ist es damit vorbei. Die Corona-Pandemie zieht sich hin, Welle für Welle.

Ferienwillige schauen zugleich sehnsüchtig auf das Jahr 2022. Alles sieht danach aus, dass Corona auch das nächste Reisejahr prägen wird. Fünf Thesen mit einem Blick in die Zukunft.

These 1: Die Unsicherheit wird erst einmal bleiben

Werden die Buchungen 2022 wieder das Vor-Corona-Niveau erreichen? Der Deutsche Reiseverband (DRV) sieht hier ein Fragezeichen.

Die Corona-Zahlen und daraus folgende politische Diskussionen über eventuelle Lockdowns prägen weiter das Verhalten von Reisenden.

«Die Verunsicherung der Menschen führt fast automatisch zu Buchungszurückhaltung», sagt DRV-Präsident Norbert Fiebig.

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Happy holidays? Sorglos dürfte das Urlaubsjahr 2022 auf keinen Fall werden. - Stefan Sauer/dpa-Zentralbild/dpa-tmn

Hinzu kommt, dass auch die Corona-Entwicklung im Ausland alles andere als vorhersehbar ist, wie gerade die Omikron-Variante zeigt.

Wie können Reisewillige damit umgehen? Grundsätzlich ist eine Pauschalreise sicherer als eine individuell zusammengestellte Reise. Es gelten dafür klare rechtliche Regeln.

Fällt zum Beispiel ein Flug aus oder stranden Reisende wegen Corona irgendwo, muss sich der Veranstalter um die Gäste kümmern.

Verbraucherschützer raten ausserdem dazu, bei Veranstaltern einen etwas teureren Flex-Tarif zu buchen. Damit lassen sich die Ferien in der Regel bis 14 Tage vor Abreise ohne Angabe von Gründen absagen.

These 2: Das Reisen bleibt vergleichsweise kompliziert

Welche Vorgaben gelten für die Impfung? Brauche ich einen Corona-Test? Wie alt darf der Test bei Einreise sein? Welche Regeln gelten für Kinder?

Diese und ähnliche Fragen dürften Reisende auch 2022 bei der Planung beschäftigen. Nicht jeder hat Lust darauf.

Mann vor Corona-Testzentrum Airport München
Testzentrum am Münchner Flughafen: Die Corona-Massnahmen dürften das Reisen auch 2022 bestimmen. - Sven Hoppe/dpa/dpa-tmn

Der Tourismusexperte Prof. Torsten Kirstges ist überzeugt: «Die ständig wechselnden Regeln sind der grösste Hemmschuh und halten die Leute vom Reisen ab.» Denn Reisländern ändern oft kurzfristig die Einreiseregeln.

Und was kann man selbst als Reisender tun? Information ist alles. Sich engmaschig und regelmässig über die geltenden Regeln zu informieren, wird weiter dazugehören.

These 3: Der Nachholbedarf ist gross – und die Menschen werden mutiger

Michael Faber ist Geschäftsführer Touristik des Beratungsunternehmens Realizing Progress und zugleich Reisebüroinhaber.

Er prognostiziert: «Wenn die Zahlen rückläufig sein werden, werden die Menschen neuen Mut fassen und ihre Reiselust ausleben wollen.»

Offenbar denken in der Tat schon viele Reisewillige über den eher düsteren Winter hinaus. «Ein Grossteil der aktuell eingehenden Neubuchungen – fast 60 Prozent – entfällt bereits auf den kommenden Sommer», sagt DRV-Präsident Fiebig.

Vor allem an Ferientermine gebundene Familien planten und buchten ihre Sommerferien schon jetzt.

Auch Torsten Kirstges ist optimistisch: «Die Rahmenbedingungen für eine Normalität werden gegeben sein. Es wird immer weniger Gründe geben, nicht zu reisen», sagt der Professor von der Jade-Hochschule in Wilhelmshaven.

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Strand in Portugal: Viele Menschen sehnen sich nach fast zwei Jahren Pandemie nach unbeschwertem Urlaub. - Vasco Célio/dpa/dpa-tmn

Er verweist auf die relativ hohe Impfquote in Europa und auch die Möglichkeit zur Impfung von Kindern.

Was ergibt sich daraus für den Reisenden? Wer schon die feste Absicht hat zu reisen, sollte nicht zu lange warten – denn hinterher wollen das vielleicht fast alle tun. «Man kann durchaus schon jetzt buchen», sagt Kirstges.

These 4: Das Reisen dürfte im Schnitt teurer werden

Die Kapazitäten an Flügen und Hotels dürften zunächst wegen Corona reduziert bleiben. Käme dann aufgrund sich lockernder Bestimmungen viel Nachfrage in den Markt, könnte es später schwer werden, ein günstiges Angebot zu bekommen, schätzt Kirstges.

«Preissteigerungen sind realistisch, weil die Kosten gestiegen sind.» Er rechnet mit einem saftigen Plus von 10 bis 20 Prozent.

Wie geht man als Reisender damit um? Es kann sich gerade für Familien lohnen, nach Frühbucherrabatten Ausschau zu halten und Angebote zu nutzen, solange sie günstig sind.

These 5: Ungeimpfte dürften es schwer haben

Einige Länder haben eine vollständige Corona-Impfung längst zur Bedingung für die Ferien gemacht. Ausserdem ist eine Teilnahme am öffentlichen Leben ohne Impfung oft kaum noch vernünftig möglich.

Zwei Arme Hände, Gummihandschuhe Weltkugel Maske
Wer die 2G-Regel beachtet, wird bei vielen Veranstaltern fündig in Reiseangeboten. - Pexels

«Viele Veranstalter werden sich an die 2G-Regel halten», sagt Prof. Kirstges. Die Branche werde damit ein Stück weit Sicherheit vermitteln. Der Effekt: «Ich weiss, meine Mitreisenden sind geschützt und keine Gesundheitsgefahr für mich.»

Die Impfung ist somit nicht nur der beste Schutz gegen eine schwere Covid-19-Erkrankung. Sie erleichtert das Reisen auch ganz praktisch enorm, wegen der vielen Einschränkungen für Ungeimpfte.

Was also tun? Am besten impfen lassen und den Impfschutz regelmässig auffrischen.

DRV-Präsident Norbert Fiebig ist sich sicher: «Mit zunehmenden Impfungen bekommen wir zusätzlichen Schutz, können schneller mehr Freiheiten geniessen und auch wieder vermehrt verantwortungsvoll reisen.»

Das klingt noch nicht nach der grossen Reisefreiheit – aber nach einem wichtigen Schritt nach vorne.

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