Hinter der deutsch-niederländischen Grenze lockt ein uriges Gebiet mit einzigartiger Natur. Mittendrin versteckt: ein ganz besonderer Teegarten.
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Urige Auenlandschaften prägen das Bild im Millingerwaard. - Bernd F. Meier/dpa-tmn
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Das Wichtigste in Kürze

  • Das Naturschutzgebiet Millingerwaard liegt am Niederrhein in Holland.
  • Hier versteckt befindet sich der Millinger Theetuin.
  • Ein Tee- und Kaffeegarten mit den Ausmassen eines Fussballfeldes.

Mit High Heels unterwegs im Naturschutzgebiet Millingerwaard – keine gute Idee. «Wie weit ist es noch bis zum Theetuin?», will die Frau wissen.

Antwort: Gut zwei Kilometer lang ist der sandige Weg. Die Strecke verläuft vom Örtchen Kekerdom zu dem exotischen Teegarten am Waal, wie der grösste Mündungsarm des Rheins in den Niederlanden heisst.

Wir sind unterwegs im niederländisch-deutschen Grenzgebiet, kurz hinter dem nordrhein-westfälischen Kleve.

Keine Strasse führt zu dem Gartenparadies Millinger Theetuin, die Besucher kommen als Wanderende oder Velotouristen.

Die Frau mit High Heels löst die Sache ganz pragmatisch: Sie zieht ihre Stöckelschuhe aus und stapft kurzerhand barfuss weiter.

Ein Naturparadies entsteht

«Die Millingerwaard ist ein Diamant innerhalb der Gelderse Poort», sagt Förster Daan Meeuwissen.

Gelderse Poort wird die Flusslandschaft zwischen Kleve und Emmerich sowie Nijmegen und Arnhem zu beiden Seiten von Rhein und Waal genannt, erläutert er.

See Kirche Kirchturm Spiegelbild Bäume
Am Rand der Millingerwaard steht die Kirche Sankt Laurentius in Kekerdom. - Bernd F. Meier/dpa-tmn

Noch vor 35 Jahren trieben Bauern hier Milchkühe auf sattgrüne Wiesen, Maisfelder breiteten sich auf fruchtbarem Boden aus.

Eine Ziegelfabrik am Waalufer liess Kleyboden als Rohstoff für die Backsteine abbaggern. Die Kuhlen füllten sich bald mit Wasser und waren die Grundlage für das heute rund sieben Quadratkilometer umfassende Naturparadies.

In den 1990er-Jahren begann die schrittweise Umwandlung der landwirtschaftlich und industriell genutzten Flusslandschaft zum Landschaftsschutzgebiet: Schwimmbagger erweiterten durch Auskiesung die Wasserkuhlen zu einer Seelandschaft.

Hier ist der Fluss der Chef

«In der Waard erleben wir die verschiedenen Landschaftsformen», sagt Meeuwissen. Die Vielfalt reicht vom Weideland am haushohen Kekerdomer Schutzdeich über geheimnisvolle Sümpfe, Auwälder mit knorrigen Weiden und Schwarzpappeln bis zu sandigen Ufern.

Baum Rundweg Hecke Garten
Eine gepflegte Oase inmitten wilder Natur: der Millinger Theetuin. - Bernd F. Meier/dpa-tmn

«Hier is de rivier de baas», sagen sie auf Niederländisch. Der Fluss ist hier also der Chef. Das heisst: Er gestaltet das Naturschutzgebiet Millingerwaard. Und zwar ständig, Tag für Tag mit seinem wechselnden Wasserstand.

Frühjahrshochwasser etwa breiten sich in den Auen aus, Pappeln und Weiden bekommen nasse Füsse. «Nach jeder Flut ist die Millingerwaard wie neu», sagt Meeuwissen.

Silber- und Graureiher lauern im sumpfigen Grund auf Beute, Löffler und Störche ebenso. Zudem fallen jedes Jahr mehr als 150'000 Bläss-, Grau- und Saatgänse aus der Arktis zum Überwintern ein.

Pferde und Rinder halten die Landschaft in Schuss

Fauna und Flora bleiben fast, aber nicht komplett sich selbst überlassen: Jeweils rund 150 halbwilde Konik-Pferde und schottische Galloway-Rinder streifen frei durch die Millingerwaard und die benachbarte Erlecomse Waard bei Ooij.

Die Tiere sorgen dafür, dass sich die Pflanzenwelt – etwa mit Wiesensalbei, wilden Brachdisteln und Orchideen – entwickeln kann und das Land nicht vollständig zuwuchert.

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Im Galopp: Die Konik-Pferde gehen in dem Naturschutzgebiet ihre eigenen Wege. - Bernd F. Meier/dpa-tmn

Laut «Boswachter» Meeuwissen wurden auch Bieber und Otter im Naturreservat angesiedelt.

Bis zu einer halben Million Wanderer und Velotouristen kommen jedes Jahr ins Gebiet, schätzt die niederländische Naturschutzorganisation Ark.

Probleme gibt es trotz der beachtlichen Zahlen nicht, versichert Meeuwissen.

Die Konik-Pferde und die Galloways haben Rückzugsräume im undurchdringlichen Strauchgestrüpp. Nur hin und wieder versperren sie die Wege. Wanderer und Velofahrer sollten dann Ruhe bewahren und abwarten, bis die Tiere weitergezogen ist.

Kontrast zur Wildnis

Das Ziel der Wanderung ist der Millinger Theetuin. Ein Tee- und Kaffeegarten mit den Ausmassen eines Fussballfeldes. 80 Rosenarten, dazu Bambus, Funkien, Phlox und Gräser wachsen hier. Orientalischer Stil trifft auf fernöstliches und europäisches Gartendesign.

Vorbild bei der Gestaltung war der berühmte Garten Jardin Majorelle des verstorbenen Modedesigners Yves Saint Laurent in Marrakesch.

Garten Pflanzen Theetuin Café
Bis zu 200 Menschen finden im Millinger Theetuin Platz. - Bernd F. Meier/dpa-tmn

So schimmern die Fliesen im Millinger Garten im typischen Majorelle-Kobaltblau, intensiv blau leuchten Glockenblumen. Die Sitzgruppen sind hier auf mehreren Ebenen verteilt, Wasser murmelt in kleinen Springbrunnen, Goldfische schwimmen in einem Bassin umher.

Bis zu 200 Menschen können im Millinger Theetuin Platz finden. Dennoch ist die Atmosphäre stets ruhig und gelassen, Lärm und Hektik sind hier weit entfernt.

Die wilde Natur der Millingerwaard wirkt wie ein Schutzschild für diese Oase der Ruhe.

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