Arbeit: Kaffeeküche oder Konfliktherd? So gelingt ein gesundes Klima

Marcel Winter
Marcel Winter

Bern,

Ein schlechtes Arbeitsklima ist häufig die Hauptursache für Stress und Frust. Um produktiv zu sein, sollte bei der Arbeit möglichst kein Stress herrschen.

Arbeit
Auf der Arbeit kann es schnell zum Konflikt kommen. - Depositphotos

Das Wichtigste in Kürze

  • In der Schweiz nehmen psychosoziale Risiken am Arbeitsplatz zu.
  • In puncto Kommunikation ist noch viel Luft nach oben.

Eine mobbende Kollegin oder ein schlichtweg zu hoher Arbeitsdruck – es gibt viele Faktoren, die das Klima am Arbeitsplatz beeinträchtigen können. Dies hat vor allem für die psychische Gesundheit der Mitarbeitenden schwere Folgen.

Sind Sie gestresst auf Arbeit?

Immer mehr psychosoziale Risiken bei der Arbeit

Laut einer Erhebung des Bundesamtes für Statistik waren 2022 fast die Hälfte der Berufstätigen in der Schweiz mindestens drei Typen psychosozialer Risiken ausgesetzt. Bei den Frauen waren es 49,3 Prozent, bei den Männern 46,1 Prozent. Zu den am häufigsten genannten Risiken gehörten hohe psychologische Arbeitsanforderungen, hoher Zeitdruck und geringer Gestaltungsspielraum.

Zeitdruck
Zeitdruck ist oft ein Grund dafür, dass es zu Stress am Arbeitsplatz kommt. - Depositphotos

Einige Faktoren lassen sich innerhalb der Firma kaum kontrollieren. Wer beispielsweise im Gesundheitswesen arbeitet, wird immer wieder mit psychologisch belastenden Situationen konfrontiert. In einem internationalen Konzern werden globale Regeln oft von höchster Stelle in einem fernen Land festgelegt. Dennoch gibt es Stellschrauben zur Verbesserung des Arbeitsklimas.

Werte vorleben und durchsetzen

Vorgesetzte sollten klare Regeln zu einem respektvollen Miteinander aufstellen und diese auch vorleben. Wenn der Chef immer wieder Untergebene abfällig behandelt, leidet die gesamte Abteilung darunter. Rollen innerhalb eines Teams müssen klar verteilt sein. So weiss jeder, wofür er zuständig ist – und wofür nicht.

Arbeit
Es kann Spass machen, gemeinsam Werte bei der Arbeit vorzuleben. - Depositphotos

Sollte sich jemand nicht an Absprachen und Regeln halten, muss dies klar benannt und geahndet werden. Kommt eine einzelne Person beispielsweise häufig zu spät und lässt andere warten, sollte dies Konsequenzen haben.

Ansonsten baut sich nur Frust bei allen anderen auf, die sich jeden Tag um Pünktlichkeit bemühen und dafür auch private Zeit am Morgen opfern. Natürlich gilt dies auch für die Vorgesetzten.

Kommunikationsmöglichkeiten schaffen

Führungskräfte sollten stets ein offenes Ohr für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben. Wer sich nicht traut, Missstände anzusprechen, frisst den Ärger nur in sich hinein.

Dies führt schnell in die innerliche Kündigung. In grösseren Unternehmen kann es ratsam sein, dafür eine neutrale Anlaufstelle zu schaffen. Dazu wird eine bestimmte Person in Konfliktlösungstechniken geschult. Beschwerden können bei Bedarf an Vorgesetzte weitergegeben werden.

Kommunikation
Eine gute Kommunikation im Team ist für das Arbeitsklima wichtig. - Depositphotos

Ist das Arbeitsklima bereits schlecht, können externe Coaches helfen. Als sehr hilfreich erweisen sich oft Workshops, bei denen das Personal lernt, Feedback richtig zu kommunizieren. Kritik muss nicht unbedingt zu Stress führen, wenn sie richtig formuliert und konstruktiv vorgebracht wird. Können Konfliktherde frühzeitig erkannt werden, lassen sie sich ausschalten, ehe sie zu einem Flächenbrand werden.

Sensibilisierung für Mobbing

Daten des Bundesamtes für Statistik und des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) geben an, dass bis zu 7,6 Prozent der erwerbstätigen Menschen in der Schweiz schon von Mobbing betroffen waren. Mobbing bedeutet eine enorme psychologische Belastung für das betroffene Opfer. Es kann viele Formen annehmen.

Einer Person werden wichtige Informationen vorenthalten oder sie wird immer verbal herabgesetzt. Frauen leiden dazu nicht selten unter sexueller Belästigung in Form von anstössigen Bemerkungen und Zudringlichkeiten.

Arbeit
Wer am Arbeitsplatz gemobbt wird, kann sich in der Regel nur schwer dagegen wehren. - Depositphotos

Mobbing von Seiten des Chefs ist Gift für das Arbeitsklima einer ganzen Abteilung. Wer nicht direkt selbst betroffen ist, leidet unter der Angst, als Nächstes dran zu sein. Doch auch Mobbing unter Kolleginnen und Kollegen ist gefährlich. Meist leiden die Mobber selbst unter Problemen und lassen ihren Frust an anderen aus.

Wichtig ist hier eine Sensibilisierung für Mobbing: Wird jemand vom Chef oder von einem Kollegen gemobbt, sollte die Person geschützt werden. Wird ein Mobber auf sein Verhalten angesprochen, statt Mitläufer zu finden, verliert er schnell die Lust daran. Auch hier ist es wichtig, dass es eine neutrale Anlaufstelle gibt, an die sich das Mobbingopfer wenden kann.

Geselliges Miteinander stärkt das Gemeinschaftsgefühl

Aufgrund des Zeitdrucks bei der Arbeit kommt Geselligkeit heute vielfach zu kurz. Darum ist es wichtig, genug Zeit für ein Miteinander einzuplanen: ein gemeinsames Frühstück nach dem wöchentlichen Meeting oder ein Apéro am Casual Friday. Vielen hilft es, gemeinsam Dampf über einen stressigen Kunden oder ein kompliziertes Projekt abzulassen.

Dazu entstehen in geselliger Atmosphäre leichtere Gespräche über private Interessen. Und so manche scheinbar langweilige Kollegin entpuppt sich plötzlich als Gleichgesinnte mit viel gemeinsamem Gesprächsstoff.

Kommentare

User #2388 (nicht angemeldet)

So lange A-Kriecherei von den meisten Chefs und Abteilungsleitern, gern gesehen und gouriert wird, so lange werden immer und überall Deine Mitarbeiter das eigentliche Problem sein, auch wenn es eigentlich an der Spitze hängt, so sind es schlussendlich doch Deine guten "Arbeitskollegen", welche Dich in die Missgunst treiben. Mein Rat. Geh hin, mach Deinen Job, und geh wieder nach Hause, und lass all den"wir sind wie eine Familie, beste Freunde und immer für einander da Quatsch" einfach in der Ecke. Du bist zum arbeiten angestellt und nichts anderes; und solche tollen Teambuildingsweekends, musste ich genug mitmachen, um danach ganz sicher zu einigen eine grosse Distanz aufzubauen! Nunja, jeder weiss selbst wie er zu was stehen will.

Nau Chefredakteur

Der Chef war nie das Problem sondern die Mitarbeiter welche nicht nicht socgut waren wie sie dachten❗️

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