Alexandra Lüönd: «Bin ich zu erfolgreich zum Daten?»
«Je erfolgreicher eine Frau wird, desto kleiner wird ihr Dating-Pool», schreibt unsere Beauty-Kolumnistin Alexandra Lüönd.

Das Wichtigste in Kürze
- Alexandra Lüönd schreibt eine monatliche Kolumne über Beauty-Themen.
- Heute berichtet die Single-Frau über ihre Dating-Erfahrungen.
- Am Ende bleibe in ihrem Datingpool nicht einmal ein ganzer Mann, schreibt Lüönd.
Neulich bin ich auf einem Date mit einem Mann. Das Gespräch läuft entspannt, die Stimmung ist gut. Bis er mich fragt, was ich beruflich mache. Offenbar hat er mich nicht vorher gegoogelt.
Ich antworte ehrlich, dass ich Selfmade-Unternehmerin bin, Gründerin einer Schönheitsklinik mit acht Filialen. Und dass ich vom Wirtschaftsmagazin «Bilanz» zur erfolgreichsten Unternehmerin unter 40 gekürt worden bin.
Sein Lächeln wird zögerlich. Das Gespräch auch. Plötzlich verschiebt sich der Rahmen unseres Dates. Und er weiss nicht mehr, wo er sich einordnen soll.
Erfolg macht sexy. Aber nur auf dem Papier…
Ich bin damit nicht die einzige. Ich erlebe das oft in meinem Freundeskreis. Je erfolgreicher Frauen werden, desto kleiner wird die Auswahl an Männern, die sie daten können.
Der High-Heel-Effekt
Der britische Podcaster Chris Williamson nennt dieses Phänomen die «Tall-Girl-Theory» oder den «High-Heel-Effekt». Je grösser eine Frau wird – durch Ausbildung oder Karriere –, desto seltener trifft sie auf Männer, die auf ihrer Augenhöhe sind.
Frauen daten lieber nach oben. Fast jede zweite wohlhabende Frau legt Wert darauf, dass ihr Partner mehr oder mindestens gleich viel verdient wie sie. Das zeigt eine Studie der «Chapman University» in Kalifornien. Das hat nichts mit Oberflächlichkeit zu tun, sondern mit verankerten Rollenbildern. Und dem Wunsch nach Sicherheit.

Männern hingegen ist das Einkommen der Partnerin weniger wichtig. In der Studie gaben die meisten an, dass sie Attraktivität und Aussehen stärker gewichten.
Frauen bevorzugen nicht nur finanziell, sondern auch körperlich grössere Partner. Das sieht man immer wieder in Umfragen und auf vielen Tinder-Profilen.
Wenn Frauen wachsen, schrumpft der Datingpool
Erfolgreiche Frauen wünschen sich einen Partner auf Augenhöhe. Dafür sollte er also gut verdienend und gross sein. Das macht den Dating-Pool ziemlich klein.
Rechnen wir es einmal anhand eines vereinfachten Gedankenspiels für eine Frau Mitte 30 durch, gestützt auf Zahlen aus Schweizer Statistiken.
Starten wir mit 100 Männern als Ausgangslage. Wir nehmen einen Altersunterschied von ungefähr fünf Jahren. 16 Prozent der Männer in der Schweiz sind zwischen 30 und 40 Jahre alt. Von den 100 Männern bleiben 16 übrig.
93 Prozent dieser Männer sind heterosexuell. Unser Dating-Pool reduziert sich auf gerundet 15 Männer.
Davon sind 37 Prozent 1,80 Meter oder grösser. Von den 15 Männern bleiben noch 5,5 übrig. Nur etwa 5 Prozent der Schweizer Bevölkerung hat ein Einkommen von 140’000 Franken oder mehr. Von den 5,5 Männern bleiben nur noch 0,28.

Und schliesslich sollten die Männer, die wir daten wollen, auch noch single sein. In dieser Altersgruppe trifft das auf schätzungsweise 25 Prozent zu. Am Ende bleiben in unserem Dating-Pool also gerade einmal 0,07 Männer.
Natürlich ist diese Rechnung zugespitzt und mit einem Augenzwinkern zu betrachten. Doch sie macht deutlich: Für eine erfolgreiche Frau Mitte 30, bleibt oft nicht mal ein halber Mann.
Und gleichzeitig hat dieser kleine Kreis erfolgreicher, grosser, wohlhabender Männer eine riesige Auswahl an Partnerinnen – weil ihnen der Status der Frau egal ist.
Erfolg verunsichert
Und dann ist da noch etwas, über das weniger gern gesprochen wird: Viele Männer fühlen sich unwohl, wenn eine Frau mehr verdient als sie. Eine 2025 in der Fachzeitschrift «Sex Roles» veröffentlichte Studie zeigt, dass 70 Prozent der teilnehmenden Männer sich unzulänglich fühlen, wenn die Frau beruflich erfolgleicher ist.
Gut möglich, dass mein Date zu diesen Männern gehörte. Auch wenn er wohl nie zugegeben hätte, warum er plötzlich so still wurde.
Viele Männer sagen, sie mögen selbstbewusste Frauen. Doch meine Erfahrung zeigt: Das gilt oft nur, solange die Frau nicht grösser wird als der Mann.
Mit dem Zögern meines Gegenübers verflog mein Interesse. Das Date war vorbei.
Je erfolgreicher ich in meinem Leben wurde, desto kleiner wurde der Kreis der Männer, die noch ganz locker mit mir weiterreden konnten. Und je mehr Frauen wirtschaftlich aufholen, desto grösser wird das Problem.
Und je mehr Frauen wirtschaftlich aufholen, desto grösser wird das Problem.
Fortschritt verändert die Spielregeln
Der Datingpool für erfolgreiche Frauen mag klein sein. Aber ich finde nicht, dass Frauen ihre Ansprüche senken sollten oder ihren Erfolg verstecken. Und auch nicht, dass Männer mehr verdienen müssen.
Wer meine früheren Kolumnen gelesen hat, weiss: Ich halte nichts von Männer-Bashing und ich fordere Frauen nicht dazu auf, sich kleiner zu machen, als sie sind.
Aber wir müssen unsere veralteten Rollenbilder hinterfragen. Der Fortschritt verändert die Spielregeln in der Wirtschaft und im Privatleben.
Vielleicht bin ich zu erfolgreich zum Daten. Aber ich werde mich nicht kleiner machen, nur damit sich jemand anderes grösser fühlt.

Zur Autorin
Alexandra Lüönd ist eine führende Unternehmerin im Beauty- und Medical-Retail. Als Gründerin der Beauty2Go-Kliniken sowie «Brows & Brows» schuf sie die grössten Ästhetik-Ketten in der Schweiz. Mit «Brows & Brows» revolutioniert sie die PMU-Branche. Die 38-Jährige schreibt regelmässig Kolumnen für Nau.ch.












