Neue Formel 1: Ralf Schumacher sieht «künstliche Spannung»
Ex-Pilot Ralf Schumacher versteht die Fahrer-Kritik an den neuen Autos in der Formel 1. Williams-Chef James Vowles spricht von möglichen Anpassungen.

Das Wichtigste in Kürze
- TV-Experte Ralf Schumacher sieht in der Formel 1 «einen künstlichen Eingriff».
- Nach dem ersten Rennen werden Änderungen im Reglement diskutiert.
- Williams-Boss James Vowles will zuerst die Rennen in China und Japan abwarten.
Vor dem zweiten Grand Prix des Jahres in China gehen die Diskussionen um die neuen Autos in der Formel 1 intensiv weiter. Fahrer und Fans sind ob der neuen Regelungen gespalten – teilweise hagelt es heftige Kritik von grossen Namen.
Doch: In den ersten Runden des GP von Melbourne lieferten die neuen Boliden eine grosse Show. Ein starkes Argument für die neuen Autos? Nicht nur, findet Experte Ralf Schumacher im Sky-Podcast «Backstage Boxengasse».
Schumacher: «Künstlich herbeigeführte Spannung»
«Ich fand das am Anfang gut», sagt der ehemalige F1-Pilot, der weiterhin Zweifel hegt. Er verstehe die Kritik von Fahrern wie Max Verstappen oder Lando Norris – Ersterer nannte die aktuelle Formel 1 etwa «Formel E auf Steroiden».
Schumacher: «Der Mut der Fahrer, der vorher nötig war, in schnellen Kurven mehr Risiko einzugehen, ist jetzt nicht mehr da.» Man nehme das Fahrerische weg und ersetze es «durch einen künstlichen Eingriff».

Gab es in Melbourne letztes Jahr noch 45 Überholmanöver, stieg die Zahl am Sonntag auf 120.
Doch dem Deutschen fehlt die Glaubwürdigkeit der vielen Positionswechsel, die es in Australien gab. Es wirke wie «eine künstlich herbeigeführte Spannung».
Einige Fahrer erinnerte der Energie-Boosts zum Überholen an das Videospiel «Mario Kart».

Schumacher fragt sich: Will man möglichst viele Überholmanöver oder soll das fahrerische Talent entscheiden und der beste Fahrer im besten Auto gewinnen?
Trotz der Unterhaltung, die die ersten Runden boten, sei es «im Moment nicht ungefährlich für die Formel 1». Als Chef der Rennserie würde er in dieser Saison Änderungen vornehmen.
Melbourne-Stadtkurs nicht repräsentativ?
Anpassungen sind auch bereits einige im Gespräch. Laut Williams-Teamchef James Vowles liegen vier bis fünf Vorschläge auf dem Tisch.
«Wir werden die nächsten Rennen abwarten und sehen, was funktioniert und was nicht. Ich bin mir sicher, dass wir als Sport zusammenkommen und die richtigen Veränderungen vornehmen werden», zitiert ihn «motorsport.com».

Eine Möglichkeit ist demnach, das «Super-Clipping» von 250 kW auf 350 kW zu erhöhen. Dadurch müssten die Fahrer dank mehr vorhandener Energie weniger spät vom Gaspedal, hätten aber weniger Top-Speed.
Vowles wies aber auch darauf hin, dass der schnelle Stadtkurs in Melbourne in Sachen Batterie-Management eine der schwierigsten Strecken des Kalenders ist. Man sollte nun beobachten, wie sich die Autos diese Woche in Schanghai und in zwei Wochen in Suzuka (Japan) schlagen.
«Haben wir es zu kompliziert gemacht? Ja. Seien wir ehrlich», findet Vowles. «Aber haben wir ein gutes Formel-1-Produkt? Ich bin nach wie vor davon überzeugt.»
















