WM 2026 – Gianni Infantino «kann sich Spiele auch am TV anschauen»
Gianni Infantino jettet an der WM 2026 von Spiel zu Spiel. Schweizer Umweltschützer kritisieren die Vielfliegerei. Auch der Fifa-Präsident könne am TV schauen.

Das Wichtigste in Kürze
- Gianni Infantino will an der WM pro Tag zwei Spiele besuchen, hiess es vor Turnierstart.
- Tatsächlich: Kaum ein WM-Spiel vergeht, ohne dass der Fifa-Präsident nicht zu sehen ist.
- Jetzt kritisieren ihn auch Schweizer Klimaschützer.
- «Auch als Fifa-Präsident kann man sich Spiele am TV anschauen», so Greenpeace Schweiz.
Flieger-Gegenwind für Gianni Infantino! Jetzt schalten sich auch die Schweizer Klimaschützer ein.
Dies nachdem der Fifa-Präsident gemäss Medienberichten ankündigte, pro Tag zwei Spiele live im Stadion verfolgen zu wollen.

«Grundsätzlich ist es nachvollziehbar, dass der Fifa-Präsident ‹möglichst viele Spiele schauen will›. Spiele kann man sich aber auch am TV anschauen – auch als Fifa-Präsident», so Roland Gysin von Greenpeace Schweiz.
«...dann würde der Fifa-Präsident nicht von Spiel zu Spiel jetten»
Die WM 2026 passe sowieso überhaupt nicht mit den Nachhaltigkeitszielen der Fifa zusammen. Nähme der Weltverband diese ernst, «würde der Fifa-Präsident nicht von Spiel zu Spiel jetten».
Genauso würde es in den Augen von Gysin keine WM in drei verschiedenen Staaten mit vier verschiedenen Zeitzonen geben. Schliesslich seien so auch die Fans gezwungen, weite Strecken per Flugzeug zurückzulegen.
«Zwischen Mexiko-Stadt und Vancouver liegen über 4000 Kilometer Luftlinie. Zum Vergleich: Das entspricht fast 6 Mal der Strecke zwischen Zürich und Hamburg.»
«Glaubwürdig vorangehen»
Auch Sebastian Obrist, Verantwortlich fürs Thema Klima bei WWF Schweiz, kritisiert Gianni Infantino. «Sein Reiseverhalten ist ein sichtbares Symbol. Solche Signale sind nicht irrelevant und gerade Führungspersonen tragen Verantwortung, glaubwürdig voranzugehen.»

Schliesslich gehöre die Fliegerei zu den klimaschädlichsten Formen der Mobilität. «Entscheidend ist, ob die Fifa die Fussball-WM insgesamt möglichst klimaverträglich und naturfreundlich organisiert. Der grösste Hebel liegt bei strukturellen Reformen: Kompaktere Turniere, klare Emissionsziele und nachhaltige Mobilität für Teams und Fans.»
Vor den Schweizer Klimaschützern setzte bereits John Hocevar von Greenpeace USA zur Attacke an.
Besucher-Rekord an der WM 2026?
Die WM 2026 steuert auf einen Besucher-Rekord hin. 2,85 Millionen Fans waren es nach 44 Partien (im Schnitt 64'796 Fans, 99,6 Prozent Auslastung).
«Grösser als alles, was die Welt je gesehen hat», so formulierte es Fifa-Präsident Gianni Infantino. An der WM 1994 waren es am Ende 3'404'252 Zuschauerinnen und Zuschauer.
Unter den Match-Besuchern an der WM 2026 ist oft auch Infantino selbst. So fingen ihn an den ersten zehn WM-Tagen TV-Kameras bei 14 Partien ein.
Gianni Infantino nutzt 60-Millionen-Jet
Für seine Reisen zwischen den Metropolen Nordamerikas nutzt Infantino Berichten zufolge ein Privatflugzeug des Typs «Gulfstream G650ER». Die 60-Millionen-Euro-Maschine wird von einer Tochterfirma von Fifa-Sponsor Qatar Airways zur Verfügung gestellt.

Das französische Klimaanalyse-Unternehmen Greenly rechnet vor: Eine Stunde in diesem Privat-Jet verursacht etwa gleich viele Emissionen wie ein Durchschnittsmensch im ganzen Jahr.
Verursachen Infantinos Flüge bis 500 Tonnen CO2?
Mache der Schweizer bis zum Ende der Achtelfinals so weiter (zwei Spiele pro Tag) und besuche danach auch die letzten acht WM-Partien, würde sein Jet während des Turniers bis zu 500 Tonnen CO2 verursachen. Dies entspricht dem Jahres-Fussabdruck von etwa 55 Mitteleuropäern.
Die Fifa selbst verteidigt die Reisen aller Funktionäre gegenüber «The Athletic». Je nach Situation entscheide man zwischen Linienflug und Privatjet. «Je nachdem, welche Option unter den jeweiligen Umständen effizienter und kostengünstiger ist. Die Fifa kommt für die Reisekosten auf.»
Zum Vorschlag von Greenpeace Schweiz, dass Infantino mehr Spiele am TV schauen soll, äusserte sich die Fifa auf Nau.ch-Anfrage nicht.
















