Betreutes Wohnen: Wie Fernsehen im Alter zur Gewohnheitsfalle wird

    Redaktion
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    Bern,

    Der Fernseher gehört für viele ältere Menschen fest zum Tag. Doch wann wird aus der liebgewonnenen Routine ein stilles Problem, das kaum jemand bemerkt?

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    Fernsehen kann zur Dauerberieselung werden. Das kann schnell zur Einsamkeit führen. - Depositphotos

    Das Wichtigste in Kürze

    • Mit zunehmendem Alter läuft der Fernseher oft den ganzen Tag und wird zur Gewohnheit.
    • Im betreuten Wohnen helfen Bewegung und Kontakte, diese Routine zu durchbrechen.
    • Schon kleine Denkanstösse können vom dauerhaften Fernsehen ablenken.

    Für die meisten älteren Menschen läuft der Fernseher morgens an und wird erst am Abend wieder ausgestellt. Er füllt die Stille und ersetzt Gespräche, die früher selbstverständlich waren.

    Vor allem dann, wenn Familie und Bekannte wegfallen und die eigene Mobilität nachlässt, wird das Gerät immer wichtiger. Für viele ist das die einzige Möglichkeit, etwas Unterhaltung zu bekommen, auch wenn es nur einseitig ist. Doch kann diese «Fernsehsucht» dauerhaft zum Problem werden?

    Schauen Sie mehr als vier Stunden Fernsehen?

    Wenn aus Bequemlichkeit eine feste Routine wird

    Wer fernsehen schaut, muss nicht viel tun. Man muss sich nicht anziehen, kaum bewegen und niemanden anrufen. Diese tiefe Hürde macht das Fernsehschauen so anziehend und zugleich so tückisch.

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    Ganz schnell wird der Griff zur Fernbedienung zur Routine. - Depositphotos

    Wer über Wochen denselben Ablauf pflegt, gewöhnt sich rasch an die Passivität. Der Griff zur Fernbedienung ersetzt dann Spaziergänge, Besuche oder ein kurzes Gespräch im Hausflur. So entsteht schnell eine Gewohnheitsfalle, aus der man allein nur schwer wieder herausfindet.

    Wie viel schaut die ältere Generation?

    Wie das Bundesamt für Kommunikation in seiner Auswertung von 2024 festhält, schauen ältere Personen mehr fern als jüngere.

    Bei den über 60-Jährigen erreichte das Fernsehen 83 Prozent, bei den 15- bis 24-Jährigen nur 24 Prozent. Im Schnitt sass die Schweizer Bevölkerung 2024 rund 108 Minuten pro Tag vor dem Gerät.

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    Betreutes Wohnen: Während die Jungend im Internet unterwegs ist, schauen ältere Personen gerne Fernsehen. - Depositphotos

    Natürlich sind diese Zahlen bei der jüngeren Generation so niedrig, weil hier mehr YouTube und andere Social-Media-Dienste kommuniziert werden. Trotzdem ist das Fernsehen auch bei älteren Menschen als «Sucht» nicht zu unterschätzen.

    Wer viel sitzt, baut Muskeln ab, der Kreislauf kommt nicht in Schwung und auch der Schlafrhythmus leidet. Auch das Gehirn wird wenig gefordert. Auf Dauer kann Fernsehen also nicht nur einsam machen, sondern auch gesundheitlich ein Problem werden.

    Betreutes Wohnen: Die Rolle des Wohnumfelds im Alter

    Im betreuten Wohnen verbringen viele Bewohnerinnen und Bewohner einen grossen Teil des Tages in den eigenen vier Wänden. Der Fernseher steht dort meist zentral, gut erreichbar und stets bereit.

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    Beim betreuten Wohnen trifft man sich oft gemeinsam zum Fernsehen. Die Zeiten sind geregelt. - Depositphotos

    Was jedoch anders ist: Man trifft sich zusammen zum Fernsehschauen. Hier entstehen vor den Serien oder Sendungen oft kleine Gespräche. Ausserdem ist die Fernsehzeit in vielen Einrichtungen begrenzt.

    Betreutes Wohnen: So lässt sich die Gewohnheitsfalle durchbrechen

    Wie die Universität Zürich 2024 schreibt, lässt sich das Gehirn ein Leben lang wie ein Muskel trainieren. Auch wenn es oft vermutet wird, unser Hirn arbeitet oft wenig beim Fernsehschauen. Besser sind Kreuzworträtsel oder Zeitung lesen.

    Wer körperlich, geistig und sozial aktiv bleibt, wirkt dem altersbedingten Abbau entgegen. Genau daran können Konzepte im betreuten Wohnen gezielt anknüpfen.

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    Bevor der Griff zur Fernbedienung erfolgt, treffen Sie sich lieber mit Leuten. - Depositphotos

    Gemeinsame Mahlzeiten, feste Spaziergänge oder ein wöchentlicher Spielnachmittag schaffen Anlässe ausserhalb des Wohnzimmers. Auch bewusste Fernsehzeiten helfen, also klare Fenster statt Dauerbetrieb.

    Schon ein kurzer täglicher Anstoss von aussen kann dabei viel bewegen. Fachpersonen, die betreutes Wohnen fördern, setzen deshalb zunehmend auf Bewegung, Vorlesestunden oder kleine Ausflüge in die Umgebung.

    Ein Alltag mit mehr Abwechslung

    Fernsehen muss nicht verschwinden, damit der Alltag gesünder wird. Es geht vielmehr darum, den Anteil am Tag bewusst zu steuern und Lücken sinnvoll zu füllen.

    Oft genügen kleine Schritte, ein kurzer Gang, ein Gespräch, eine Aufgabe mit Sinn. Wer den Tag in überschaubare Blöcke teilt, kommt gar nicht erst in die Versuchung, mehrere Stunden zu schauen. Hier können auch Hobbys wie Musizieren, Singen oder Sport hilfreich sein.

    Aktivitäten
    Betreutes Wohnen: Auch gemeinsame Aktivitäten sind ein wichtiger Aspekt. - Depositphotos

    Betreutes Wohnen ist hilfreich, doch nicht für jeden etwas. Wer nicht betreut wohnt, kann Verwandte oder die Familie bitten, diese kleinen Anstösse zu geben. Oft reichen diese aus, um die Fernsehsucht in den Griff zu bekommen.

    Kommentare

    User #2548 (nicht angemeldet)

    Ich schaue zwar mehr als 4 Stunden am Tag fern, aber nur ARD, ZDF, WDR oder BR, vormittags. Da läuft dort noch gar keine Werbung. Ich lese aber auch gern, richtige Bücher, nicht E-Books. Ich bin 55 1/2 und wohne in einer gemieteten 1-Zimmer-Wohnung, aber da ich schwerbehindert bin, komme ich halt auch kaum mehr raus, nur zum Einkaufen, zur Bank oder zur Apotheke.

    User #5750 (nicht angemeldet)

    Ich schaue seit 30 Jahre kein TV. Ich sehe TV als Gedächnisvermutzung vorallem die Werbung. Die Bilder, Sprüche und Melodien bleiben ein Leben lang im Kopf ob man will oder nicht.

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