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Finn Sulzer & Flavia Tschumi: Ein Abenteuer mit vielen Regeln

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SLAPSHOT, Andy Maschek

Italien,

Olympische Spiele sind auch für Finn Sulzer und Flavia Tschumi gleichermassen Höhepunkt wie Abenteuer. Sie kümmern sich bei den Schweizer Eishockeynationalteams um die Kommunikation.

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Finn Sulzer ist Head of Communications bei der Swiss Ice Hockey Federation und Flavia Tschumi ist in seinem Team als Digital Content Producer tätig. - Marcel Bieri

Olympische Spiele sind einzigartig. Weg von Alltag und Normalität. Das spüren auch Finn Sulzer, Head of Communications bei der Swiss Ice Hockey Federation, und Flavia Tschumi, die in seinem Team als Digital Content Producer tätig ist. Sulzer, zuvor Leiter Kommunikation & Medien beim FC Zürich, arbeitet seit zwei Jahren beim Eishockeyverband, Tschumi, die selber schon jung mit dem Eishockey begonnen hat und aktuell bei den Thurgau Ladies in der SWHL C spielt, ein halbes Jahr länger.

So sind beide Olympia-Rookies – und deshalb auch nervös? «Das würde ich so nicht sagen», erklärt Sulzer. «Es besteht vielmehr eine Vorfreude. Einen Event dieser Dimension habe ich noch nie erlebt. Aber wir sind gut vorbereitet und zählen auf unser grossartiges Teamwork.»

Die Aufgabenteilung in Italien ergibt sich wie von selbst. Flavia Tschumi ist auch in «normalen» Zeiten immer bei den Schweizer Eishockey-Frauen dabei, und dies in einer Doppelfunktion. Einerseits regelt sie die Medienarbeit, andererseits erstellt sie Content. Die Doppelaufgabe ist zu bewältigen, da das Medieninteresse aktuell noch geringer ist als bei den Männern, wo die Arbeit mit der Journaille mehr Zeit in Anspruch nimmt, sodass Sulzer auch da jeweils von einem Content Producer begleitet wird.

Meist ist dies Andri Zala, der zusammen mit Marco von Felten zuletzt auch massgeblich am Film «Silver Medallists 2025» beteiligt war, dieser eindrücklichen, dreiteiligen Dokumentation über die erfolgreiche WM des letzten Jahres. Ein Film über die Olympischen Spiele wäre für die Fans natürlich ein weiterer Leckerbissen. Doch dazu wird es nicht kommen.

Der Grund dafür liegt nicht bei Sulzer und seinem Team, zu dem neben Tschumi und Zala mit Marco von Felten und Roman Flury zwei weitere Content Producers gehören, sondern an den Auflagen und Regeln, die zu diesem Event gehören.

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Finn Sulzer und Flavia Tschumi sind beide Olympia-Rookies. - Marcel Bieri

Gezeigt hat sich dies bereits bei der Kaderbekanntgabe. Mitte Juni gaben die Olympia-Teilnehmer die ersten sechs Spieler für das Eishockeyturnier bekannt. Am 31. Dezember 2025 war der Stichtag, um bei den Männer- und Frauenteams das Kader zu melden.

«Die Bekanntgabe des jeweiligen Rosters musste dann über die verschiedensten Stellen koordiniert werden, angefangen bei NHL und NHLPA, aber auch Swiss Olympic und IIHF. Man konnte ein Zeitfenster wählen, in dem man nach aussen kommunizieren wollte, und dieses Fenster war mit jenen der anderen Teams abgestimmt und wurde von allen Stellen genehmigt», erklärt Finn Sulzer.

Der Schweizer Slot war der 7. Januar 2026, was wohl auch erklärt, weshalb der eine oder andere Interessierte langsam ab er sicher ungeduldig wurde, nachdem die Kanadier bereits am 31. Dezember an die Öffentlichkeit gegangen und eine Medienkonferenz abgehalten hatten, während rund um die Spieler der Schweizer Nati noch länger Schweigen geherrscht hatte.

Die Rule 40 als Hindernis

Am olympischen Turnier selber sind die Vorgaben noch viel strikter, gerade wenn es um bewegte Bilder geht. «Die Möglichkeiten sind eingeschränkt, auch für uns als Verband», sagt Finn Sulzer. «Wir dürfen spannende Bewegtbild-Inhalte aus olympischen Bereichen nur teilen, indem wir Collab-Posts nutzen, wenn uns SRF auf Social Media einlädt.» Im Zentrum dieser kommunikativen Restriktionen steht die Rule 40 der olympischen Charta, in der die Werberichtlinien festgelegt sind und genau geregelt ist, was zum Markenschutz gehört.

Dabei geht es um Bezeichnungen, Wort- und Bildmarken, die gesetzlich und/oder markenrechtlich geschützt sind und von nicht-olympischen Sponsoren zu keinem Zeitpunkt für Werbezwecke verwendet werden dürfen. Wortmarken sind beispielsweise Olympische Spiele, Olympiade oder Swiss Olympic. Zu den Bildmarken gehören die Olympischen Ringe, das Maskottchen oder Logo der jeweiligen Spiele oder auch Olympia-bezogene Embleme.

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«Auch der Begriff Milano Cortina 2026 ist während des ganzen Jahres geschützt und darf nicht von nicht-olympischen Sponsoren verwendet werden. Sie dürfen zwar eine gewisse Anzahl Posts machen, aber beispielsweise nicht sagen: ‹Wir wünschen der Schweizer Nati viel Glück an den Olympischen Spielen›, sondern nur: ‹Wir wünschen der Schweizer Nati viel Glück beim bevorstehenden Turnier.› Geschützte Wortmarken dürfen nur Sponsoren benützen, die auch offizielle Sponsoren des olympischen Turniers sind», erklärt Finn Sulzer.

Es ist ein rechtlicher Dschungel, in dem man sich schnell verlieren kann. Dos und Dont’s sind wertvolle Leitplanken, aber mancherots wird während den Spielen wohl der Song «Sölli, sölli nid» der Schweizer Mundartrock-Sängerin Natacha zur Begleitung, respektive davon abgeleitet die Frage: «Dörfi, dörfi nid?»

Und mit diesen Regeln werden nicht nur die Sponsoren, sondern auch die Verbände und Teilnehmer konfrontiert. Umso wertvoller ist, dass eine spezielle Stelle von Swiss Olympic auf Anfrage prüft, ob man etwas posten darf oder nicht. «Wir kennen uns mit den Regeln aus, sind aber nicht Experten bis ins letzte Detail und haben deshalb bei den Sponsoren und auch den Spielern beliebt gemacht, Posts uns zu schicken, damit wir das mit Swiss Olympic abklären können», sagt Kommunikationschef Sulzer.

Die Restriktionen führen dazu, dass die Kreativität in der Kommunikation eingeschränkt wird und auch den Verbänden teilweise die Hände gebunden sind. «Wir würden natürlich gerne viel mehr posten, müssen uns aber im Rahmen der Regeln bewegen», erklärt Flavia Tschumi. Schon jetzt ist klar, dass ein Bewegtbild-Interview mit einem Spieler im olympischen Dorf nicht möglich ist, «da müssten wir in ein Café ausserhalb ausweichen», sagt Finn Sulzer.

Gleichzeitig hätten die Spieler im olympischen Dorf mehr Rechte. «Sie dürfen selber Bewegtbilder erstellen, uns als Verband aber nicht für einen Collab-Post einladen. Und Flavia darf beispielsweise nicht für eine Spielerin filmen, da es sonst zu professionell daher kommt.» Es ist eine Restriktion mit Tücken, schliesslich gibt es auch im Eishockey Spielerinnen und Spieler, die nicht nur auf dem Eis und mit dem Stock, sondern auch mit dem Handy und in den sozialen Medien mit gutem Auge, feinem Händchen und filigraner Technik glänzen.

Die WM als kommunikatives Spielfeld

Schnelle und exklusive Blicke hinter die Kulissen, wie sie sonst angestrebt werden, sind an Olympia für die Kommunikationskanäle der SIHF so fast nicht realisierbar. «Unser Ziel ist es sonst immer, rund um die Nationalteams Geschichten zu publizieren, für die nur wir den Zugang haben, ganz spezielle Insights. Normalerweise haben wir einen kreativen Job, in dem wir uns ausleben können oder dürfen, das ist nun an den Olympischen Spielen weniger der Fall», sagt Flavia Tschumi.

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Die Olympischen Spiele 2026 finden in Mailand und Cortina d’Ampezzo statt. - keystone

Umso wertvoller dürfte danach die Heim-WM in Zürich und Fribourg als kommunikatives Spielfeld sein, bei dem das ganze Content-Team vor Ort eingebunden wird. Geschichten fürs WM-Vorfeld seien bereits am Media-Day produziert worden, zudem existieren diverse Ideen, verrät Flavia Tschumi.

«Stories während des Turniers werden wir später angehen. Wir bleiben flexibel und befinden uns ständig im Austausch.» Gut geplant ist zwar halb gewonnen, doch wie im Sport braucht es auch bei der Berichterstattung spontane und intuitive Einfälle, Entscheidungsfreude, gute Reaktionsfähigkeit, ab und zu eine Prise Genialität und viel Teamwork für den Erfolg.

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