In Tokio ist die Corona-Situation besorgniserregend. Trotzdem sind Schulkinder als Publikum an den Paralympics erlaubt.
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Wenige Tage vor der Eröffnung der Paralympics in Tokio hat es den ersten Corona-Fall im Athletendorf gegeben. Foto: -/kyodo/dpa - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • In Tokio wurden die zweithöchsten Infektionszahlen seit Beginn der Pandemie gemeldet.
  • Die Paralympics finden aber trotzdem statt, Schulkinder dürfen sogar zuschauen.

In Japan steigen die Corona-Infektionen bedrohlich an, Krankenhäuser in Tokio sind überlastet. Doch an den Paralympics wird festgehalten. Die Entscheidung der Organisatoren und der Regierung, dennoch Schulkinder als Zuschauer zuzulassen, sorgt für Unmut.

Die alarmierende Corona-Lage in Japan überschattet die bevorstehenden Paralympics. Am Donnerstag meldete die Gastgeberstadt Tokio 5534 Neuinfektionen. Das ist der zweithöchsten Stand seit dem Ausbruch der Pandemie. Zugleich gaben die Organisatoren den ersten Corona-Fall im Athletendorf bekannt.

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Die Paralympics in Tokio werden ohne Zuschauer stattfinden. Foto: Michael Kappeler/dpa - dpa-infocom GmbH

Erster Fall in der olympischen Blase

Bei der positiv auf das Virus getesteten Person handele es sich nicht um einen Athleten oder eine Athletin. Die Paralympics werden daher wie zuvor schon die Olympischen Spiele ohne Zuschauer ausgetragen. Allerdings mit der Ausnahme von Schülerinnen und Schülern, was für Unmut sorgt.

Die Kinder dürfen sich im Rahmen eines Erziehungsprogramms der japanischen Regierung Wettkämpfe unter gewissen Bedingungen anschauen. Mehrere Gemeinden und Schulen sollen bereits den Wunsch geäussert haben, rund 132 000 Kinder teilnehmen zu lassen. Dieses Ansinnen löste Unverständnis aus, im Kulturausschuss stimmten mehrere Mitglieder dagegen.

Hochschwangere Corona-Patientin hat Baby verloren

Wie der japanische Fernsehsender TBS am Donnerstag meldete: Innerhalb einer Woche konnten 60 Prozent an Corona-Patienten, deren Zustand sich zu Hause verschlechtert hatte, nicht ins Krankenhaus gebracht werden. Der Grund dafür ist, dass sich keine Kliniken finden liessen.

Eine hochschwangere Corona-Patientin musste ihr Kind verfrüht zu Hause zur Welt bringen. Dies, weil sich kein Krankenhaus finden liess, berichtete der TV-Sender NHK. Ihr Baby wurde in eine Klinik gebracht, starb jedoch.

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Auch für Prothesen-Sprinter Felix Streng verlief die Vorbereitung auf die Spiele in Tokio alles andere als nach Plan. - dpa-infocom GmbH/ Foto: Jens Büttner

Im Internet sorgte der Fall für Entsetzen und Empörung. «Sowas darf nicht passieren», schrieb jemand wütend auf Twitter. Wenn es Geld und Arbeitskraft gebe, Olympia und Paralympics abzuhalten, dann sollte gefälligst das Gesundheitssystem gestärkt werden, hiess es.

Derweil bezeichnete Andrew Parsons, der Präsident des Internationalen Paralympischen Komitees, die Paralympics in Tokio als «die wichtigsten» in der Geschichte. Sie würden den Menschen mit Behinderungen inmitten der Pandemie eine Stimme geben. «Menschen mit Behinderungen sind weltweit überproportional von der Pandemie betroffen», sagte er. Gesellschaften auf der ganzen Welt hätten es versäumt, diese Menschen vor der Pandemie zu beschützen.

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