Regierungsrats-Kandidat Reto Müller (SP) im Interview

Matthias Bärlocher
Matthias Bärlocher

Langenthal,

Der Langenthaler Stapi Reto Müller (SP) will den Sprung in die Kantonsregierung schaffen und dort gestalten und Mehrheiten finden.

Reto Müller Regierungsrat
Reto Müller ist Kandidat der SP für den Regierungsrat. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Reto Müller (SP) kandidiert für den Regierungsrat.
  • Die Politik müsse Ergebnisse liefern – nachvollziehbar und ausgewogen.
  • Er wirft im Wahlkampf seine Erfahrung aus Gemeinderat und Grossem Rat in die Waagschale.

Die Stimmbevölkerung des Kantons Bern wählt am 29. März 2026 sowohl ein neues Parlament als auch eine neue Regierung. Für die sieben Sitze im Regierungsrat kandidieren «nur» vier Bisherige, was Chancen eröffnet für die zwölf neu Kandidierenden.

Zum Beispiel für den Langenthaler Stadtpräsidenten Reto Müller (SP). Er tritt an, um den Sitz des zurücktretenden Parteikollegen Christoph Ammann zu verteidigen.

Im Interview mit dem BärnerBär sagt Müller, wo der Kanton Bern ansetzen muss, um den Zusammenhalt zu sichern. Und warum er unter anderem dort eine Gefahr sieht, wenn die Bürgerlichen einen Regierungs-Sitz gewinnen sollten.

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Wer schafft die Wahl ins Berner Rathaus am 29. März 2026? - Daniel Zaugg

BärnerBär: Der Kanton Bern zählt über 700'000 Stimmberechtigte, die sich als Kandidierende aufstellen lassen könnten. Warum sollten diese ausgerechnet Sie in den Regierungsrat wählen?

Reto Müller: Weil ich viel politische Erfahrung und Führungsverantwortung mitbringe: 17 Jahre Gemeinderat in Langenthal – davon nun 9 Jahre als Stadtpräsident – und 13 Jahre im Grossen Rat.

Ich kenne den Kanton Bern aus verschiedenen Perspektiven, weiss wie man Mehrheiten findet, und will gestalten – für Bevölkerung und Wirtschaft.

BärnerBär: Welchen der Kandidierenden müssen Sie unbedingt schlagen, um eine Chance zu haben?

Müller: Mein Ziel ist, möglichst viele Menschen mit Lösungen zu überzeugen. Ich trete nicht gegen andere Kandidierende an, sondern mit einem starken Team. Entscheidend ist, ob sich Gestaltungswille oder politischer Stillstand durchsetzt.

Wahlen Bern
Zusammen weiterkommen: Mit diesem Motto steigen SP und Grüne in ihren Wahlkampf für die Regierungs- und Grossratswahlen im März. - keystone

BärnerBär: Wir erleben gerade unruhige Zeiten, viele sprechen gar von einer «neuen Ära». Hat die Bevölkerung noch genug Vertrauen in die Politik?

Müller: Das Vertrauen ist da, aber es ist fragiler geworden. Es wächst dort, wo Politik nachvollziehbar und ausgewogen entscheidet und Ergebnisse für die Bevölkerung liefert. Wenn wir das nicht tun, füllen andere das Vakuum – mit einfachen Antworten auf komplexe Fragen.

BärnerBär: Auf welche (politische) Leistung in Ihrer Karriere sind Sie besonders stolz?

Müller: Darauf, dass es selbst bei komplexen Dossiers gelungen ist, tragfähige Mehrheiten zu bilden – durch Dialog, Verlässlichkeit und klare Prioritäten. So konnten wir in Langenthal grosse Projekte wie das Jahrhundertbauprojekt am Bahnhof realisieren oder die Erweiterung des Altersheims.

Wie wählst du bei den Berner Regierungsratswahlen?

BärnerBär: Über welche Herausforderung für den Kanton Bern hat man bis jetzt viel zu wenig geredet?

Müller: Über den zunehmenden Druck auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt – zwischen Regionen, Generationen und sozialen Gruppen.

Soziale Ungleichheit, Fachkräftemangel, steigende Lebenshaltungskosten und ungleiche Chancen treffen nicht alle gleich. Wer Zusammenhalt sichern will, muss bei Bildung, Betreuung und fairen Rahmenbedingungen ansetzen.

Reto Müller Stadtpräsident Langenthal
Reto Müller ist seit 2017 Stadtpräsident von Langenthal BE. - keystone

BärnerBär: Was würde im Kanton Bern anders, wenn es der bürgerlichen Allianz gelingt, einen fünften Sitz zu ergattern?

Müller: Es besteht die Gefahr, dass notwendige Investitionen etwa in Bildung oder im Gesundheitswesen weiter verzögert oder verhindert werden – und dass Probleme später umso teurer gelöst werden müssen.

BärnerBär: Was für konkrete Auswirkung hätte es, wenn die SP den Jurasitz gewinnt und es wieder eine linke Mehrheit gäbe im Regierungsrat?

Müller: Eine progressive Mehrheit könnte zentrale Projekte zur Stärkung der Kaufkraft, zur Gleichstellung und im Klimaschutz konsequenter umsetzen – pragmatisch und lösungsorientiert. Die bürgerliche Mehrheit hatte dafür nun jahrelang Zeit. Umso wichtiger ist jetzt mehr Tempo bei der Umsetzung.

Reto Müller
Reto Müller bezeichnet sich als «begeisterten Radsportler». - Screenshot retomueller.be

BärnerBär: Wie gehen Sie mit Entscheiden um, die Sie persönlich für falsch halten, aber wegen der Konkordanz mittragen müssen?

Müller: Konkordanz heisst: Im Kollegium hart um die beste Lösung ringen – und nach dem Entscheid geschlossen Verantwortung übernehmen.

Das ist nicht immer gleich angenehm, aber stabilisierend und wichtig. Entscheidend ist, aus Niederlagen zu lernen und beim nächsten Geschäft wiederum Mehrheiten zu überzeugen.

BärnerBär: Woran würden Sie am Ende Ihrer Amtszeit messen, ob Sie erfolgreich waren?

Müller: Daran, ob sich das Leben der Menschen in unserem Kanton verbessert hat. Und ob der Kanton handlungsfähiger, gerechter und zukunftsfester geworden ist.

Regierungsratswahl im Kanton Bern am 29. März 2026

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