Wegen der rasant steigenden Infektionszahlen stehen nach Einschätzung des Leiters des Corona-Krisenstabes der Bundesregierung, Generalmajor Carsten Breuer, bald voraussichtlich nicht mehr genügend Testkapazitäten für die gesamte Bevölkerung zur Verfügung.
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Schnellteststation - AFP/Archiv

Das Wichtigste in Kürze

  • Forderungen nach Priorisierungen aus Krisenstab und Parteien.

Von Grünen und Union kamen am Donnerstag Forderungen nach einer Priorisierung vor allem für den Einsatz der für Nachweise wichtigen PCR-Tests.

«Wir werden mit Sicherheit wie bei allen knappen Ressourcen Kapazitäten bündeln müssen, wo es erforderlich ist», sagte auch Breuer der «Süddeutschen Zeitung». Das gelte auch für Tests. «Sobald es irgendwo eng wird, muss ich priorisieren. Da haben Beschäftigte in der kritischen Infrastruktur Vorrang», sagte der Bundeswehr-General.

Das Ziel sei aber, das bisherige Testregime so lange wie möglich aufrecht zu erhalten, hob er weiter hervor. «Wir brauchen möglichst genaue Daten, um zu sehen, wie sich die Welle bei uns auswirkt». Breuer warnte davor, die Gefahr durch die Omikron-Variante des Coronavirus zu unterschätzen.

«Wir brauchen ein Bollwerk gegen Omikron», forderte der General. Deutschland dürfe «nicht in die Lage geraten, dass wir in der kritischen Infrastruktur soweit herunterfahren müssen, dass öffentliches Leben eingeschränkt wird». Breuer warb zudem erneut für mehr Impfungen, um der Omikron-Welle zu begegnen. Es fehle dafür weder an Impfstoff, noch an der Infrastruktur, stellte er klar.

Grünen-Fraktionschefin Britta Hasselmann äusserte ebenfalls die Befürchtung, dass bald nicht mehr jeder im Verdachtsfall einen PCR-Test machen kann, weil die Kapazitäten der Labore ausgeschöpft sind. «Wenn das der Fall sein sollte, was ich nicht hoffe, werden wir priorisieren müssen», sagte sie den Sendern RTL und ntv. Vorrang müssten Menschen in sensiblen Berufen und der kritischen Infrastruktur haben. Ausserdem sei ein PCR-Test bei Infizierten am Ende ihrer Isolation nötig.

Ebenfalls für eine Priorisierung knapper Testkapazitäten plädierte der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen. «Wir sehen sehr deutlich, dass die wöchentliche Kapazität von 2,4 Millionen PCR-Tests, die wir in etwa in Deutschland haben, nun unter Vollast überall gebraucht wird», sagte er dem RBB-Inforadio. Es müsse darauf geachtet werden, Schwerstkranke und das Personal der kritischen Infrastruktur zu bevorzugen - auch wenn dies dann an anderer Stelle, etwa beim Freitesten, zu Verzögerungen führe.

«Das Bundesgesundheitsministerium muss schnellstens eine Handlungsempfehlung zur Priorisierung bei PCR-Tests vorlegen», sagte auch der CDU-Gesundheitsexperte Tino Sorge der Nachrichtenagentur AFP. Solange eine Überlastung drohe, «müssen die vorhandenen Kapazitäten in erster Linie nach Dringlichkeit und medizinischem Bedarf genutzt werden». Dies könne dazu führen, «dass ein Urlauber länger warten muss, damit ein Pflegebedürftiger sein Resultat zügig erhält» oder Beschäftigte in der kritischen Infrastruktur versorgt werden können.

«Die hohen Infektionszahlen gehen mit vielen Tests einher», warnte auch der Vorsitzende der Akkreditierten Labore in der Medizin, Michael Müller, vor Engpässen. Auch er mahnte zu Priorisierungen. Die Möglichkeit, sich bald aus der Quarantäne freitesten zu lassen, werde unweigerlich zu einem «Ansturm» auf die Labore führen.

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