Sucht Donald Trump nach Iran-Fiasko einen Erfolg in der Ukraine?
Die G7 erhöhen den Druck auf Russland. Für Donald Trump könnte die Ukraine zur Bühne für Schadensbegrenzung werden.

Das Wichtigste in Kürze
- Die G7 wollen den Druck auf Russland mit neuen Sanktionen erhöhen.
- Donald Trump zeigt sich beim Gipfel gegenüber Moskau plötzlich härter.
- Experten sehen darin eher Schadensbegrenzung als einen Triumph.
- Die Ukraine steht militärisch besser da, vor allem wegen Drohnen.
Beim G7-Gipfel im französischen Évian verändert sich Donald Trumps Ton gegenüber Russland merklich. «Russland sollte sich auf einen Deal einlassen», sagte der US-Präsident vor Journalisten. Bundeskanzler Friedrich Merz bezeichnete Trump danach als «sehr kooperativ».
Für die Ukraine ist das ein wichtiges Signal.
Sucht Donald Trump nach dem Fiasko im Iran jetzt einen Erfolg in der Ukraine?
Donald Trump steht unter Druck
Reinhard Heinisch, US-Experte an der Universität Salzburg, erklärt den Sinneswandel bei Nau.ch mit Trumps innenpolitischer Lage. Trump habe ohnehin wegen des Iran-Konflikts unter Druck gestanden.

Nun will Trump den Iran-Konflikt loswerden und sich bei anderen Themen nicht weiter verstricken, analysiert Heinisch. Den Amerikanerinnen und Amerikanern soll vermittelt werden: Der Präsident kümmert sich um ihre Alltagsprobleme, nicht um ferne Konflikte.
Donald Trump habe vermeiden wollen, zusätzlich als Kriegstreiber wahrgenommen zu werden. Entsprechend hat er sich laut Heinisch in der Ukraine-Frage zuletzt eher zurückhaltend positioniert.
Ob Trump in der Ukraine wirklich einen aussenpolitischen Erfolg sucht, beurteilt Heinisch zurückhaltend. «Es geht weniger um einen aussenpolitischen Erfolg als um Schadensbegrenzung», sagt er.
Trumps Anhänger seien entweder ohnehin loyal oder bereits enttäuscht, weil der Konflikt überhaupt eskaliert ist. Einen klaren Durchbruch, der ihn politisch stärkt, dürfte Trump in der Ukraine kaum rasch finden.
«Drohnenrevolution» hilft Ukraine
Beim Gipfel stellt Donald Trump neue Öl-Sanktionen gegen Russland in Aussicht. Diese lagen bislang auf Eis. Auf einen konkreten Zeitplan legt er sich aber nicht fest.
Während Trump taktiert, hat sich die Lage der Ukraine tatsächlich verbessert, wie Osteuropa-Experte Nicolas Hayoz von der Universität Freiburg sagt.

«Das ist vor allem der Drohnenrevolution zu verdanken», sagt Hayoz zu Nau.ch. Die Ukraine habe seit mindestens zwei Jahren eigene Kapazitäten bei verschiedenen Drohnentypen und weitreichenden Marschflugkörpern aufgebaut.
Diese Entwicklung erlaube es Kiew, tief in russisches Territorium zu schlagen. Getroffen würden etwa Ölterminals, Munitionsdepots und Teile der russischen Kriegslogistik.
Die Ukraine kann heute auch nach aussen punkten, sagt Hayoz. Sie zeige, dass sie sich erfolgreich verteidige und inzwischen selbst Waffen exportiere. Das erhöhe den Anreiz für andere Länder, die Ukraine stärker zu unterstützen. Genau das ist laut Hayoz nun auch beim G7-Gipfel sichtbar geworden.
Schwachstellen blieben aber. Vor allem bei der Flugabwehr nutzt Russland seine Überlegenheit mit Drohnen und Raketen weiter aus, um ukrainische Städte anzugreifen.
Sanktionen reichen nicht
Die neuen Sanktionen der G7 beurteilt Hayoz deshalb skeptisch. Sie seien wichtig, aber kein Mittel, das den Krieg rasch beenden werde. Grossbritannien sanktioniert 70 Einheiten aus Russlands Schattenflotte. Kanada setzt 162 Personen, Unternehmen und Schiffe auf seine Sanktionsliste.
«Skepsis ist angebracht», sagt Hayoz. Solche Massnahmen hätte man früher und umfassender planen müssen. Die Umgehungsmöglichkeiten für Putin seien nach wie vor gross.
Aus Sicht des Experten beruhigen die Sanktionen vor allem die G7-Staaten selbst. Sie symbolisierten Einigkeit, würden aber allein kaum ein Kriegsende erzwingen.
Entscheidend bleibt laut Hayoz, ob Putin irgendwann einsehe, dass die Kosten des Krieges zu hoch werden. «Wann und wie das geschehen wird, hängt nicht nur vom internationalen Druck ab, sondern auch von innenpolitischen Entwicklungen in Russland.»

















