Können Waldbrände wie in Frankreich auch bei uns ausbrechen?
Waldbrände in Frankreich und Spanien sorgen für grossflächige Evakuierungen. Die Schweiz setzt auf Prävention – und macht dabei vieles besser.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Schweiz ist beim präventiven Waldbrandschutz laut Experten gut aufgestellt.
- Nach einem Waldbrand nimmt das Risiko für Erdrutsche und Steinschläge deutlich zu.
- Das Löschen an sich sei «nur ein kleiner Teil des grossen Ganzen», so der Experte.
Verheerende Waldbrände halten Frankreich und Spanien in Atem. Tausende Hektar Wald sind den Flammen bereits zum Opfer gefallen.
Rund um Bordeaux (im Westen Frankreichs) mussten mehr als 200'000 Menschen wegen der Waldbrände ihre Häuser oder Ferienunterkünfte verlassen.
Angesichts der zunehmenden Extremwetter-Ereignisse stellt sich die Frage, ob sich solche Waldbrände in Zukunft überhaupt noch verhindern lassen. Und: Kann so eine Katastrophe auch in der Schweiz passieren?
Lassen sich Waldbrände vermeiden?
«Das Entstehen der Brände wird sich nicht verhindern lassen», sagt Johann Goldammer über das Ausland. Er ist ein deutscher Forstwissenschaftler und Experte für Wald- und Vegetationsbrände.
Denn der Grossteil der Brände entsteht laut Goldammer nach wie vor durch menschliche Fahrlässigkeit. Zunehmend aber auch durch neue Technologien. So könnten etwa überhitzte Forstmaschinen oder der Funkenflug von Stromleitungen einen Brand auslösen.

Das steigende Umweltbewusstsein der Bevölkerung sorge immerhin dafür, dass sich die Situation nicht weiter verschlimmere. Dennoch entstünden Brände «leider auch immer wieder durch Vorsatz».
Drohen auch der Schweiz solche Brände?
Solch grosse zusammenhängende Waldflächen wie jene bei Bordeaux gibt es in der Schweiz nicht. Die Wälder dort gehören zum grössten zusammenhängenden, künstlich angelegten Wald Westeuropas.
Das Problem in Frankreich: «Es sind weitgehend geschlossene Waldbestände mit einer relativ gleichen Struktur. Dies erlaubt dem Feuer, sich grossflächig und schwer bekämpfbar auszubreiten», so Goldammer.
Doch Brandflächen müssen nicht gross sein, um schwere Schäden anzurichten. Der Experte warnt: «Brennt in der Schweiz bereits eine Handvoll Hektaren Wald an einem Steilhang, sind die Folgen schwerwiegend.»
Folgt auf einen Waldbrand Starkregen, kommt laut dem Experten ein weiteres Risiko hinzu: «Dann besteht die grosse Gefahr von Bodenabtrag und Steinschlag. Dadurch werden Siedlungen, Verkehrswege und weitere kritische Infrastrukturen bedroht.»
In der Schweiz eher unwahrscheinlich
Boris Pezzatti zählt zu den führenden Schweizer Experten für Waldbrände und Feuerökologie. Waldbrände von der Dimension der jüngsten Feuer in Frankreich hält er in der Schweiz für eher unwahrscheinlich.
Denn: Die Schweizer Alpen mit ihren Höhenunterschieden haben eine andere Ausgangslage als die flachen oder hügeligen Gebiete in Frankreich oder Spanien: «Die meisten Brände entwickeln sich entlang der Hänge. Und steigen in den Bergen nach oben – und weg von den Siedlungen im Tal.»
Präventivmassnahmen: «Kantone und Bund machen das gut!»
Pezzatti lobt die Zusammenarbeit zwischen Kantonen und Bund für ihren Umgang mit der Prävention von Waldbränden. Die Schweiz würde das «integrale Waldbrandmanagement» umsetzen.
Das bedeutet, Waldbrände ganzheitlich zu behandeln. Von der Vorbeugung, über die Bekämpfung, bis zur Wiederherstellung der betroffenen Gebiete. Und der Schutzfunktion des Waldes.
Präventiv wird an den Orten, an denen ein Feuer wahrscheinlich ist, die Bevölkerung gewarnt. Auch Feuerverbote, wie sie derzeit grosse Teile der Schweiz betreffen, werden ausgesprochen.
Bei der Intervention ist die Feuerwehr gut vorbereitet und drum schnell vor Ort. Auch helfen Helikopter mit Löschwasser. Und schliesslich geht es nach einem Brand um die Regeneration des Waldes.
Brände im mediterranen Raum werden immer heftiger
Pezzatti sagt: «Die Waldbrände im Mittelmeerraum, die wir in diesen Tage beobachten, sind kaum zu kontrollieren.»
Brände im Mittelmeerraum werden «immer grösser, heftiger und näher an Siedlungsgebieten» sein. Ein Problem: Bäume in Siedlungsgebieten. Sie bringen zwar Schatten und Abkühlung, aber auch Feuer.
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Da es in der Vergangenheit schon häufiger brannte und Brände gelöscht wurden, habe sich über die Jahre Brandgut angesammelt. Dieses beschleunigt zukünftige Brände.
Das Feuerparadoxon
Im Mittelmeerraum habe man eine bemerkenswerte Entwicklung festgestellt: Je stärker ausschliesslich in die Brandbekämpfung investiert werde, desto grösser sei langfristig das Risiko besonders verheerender Grossbrände.
Pezzatti spricht vom sogenannten «Feuerparadoxon».

Denn das Löschen an sich sei «nur ein Teil einer integrale Waldbrandstrategie». Wichtiger sei ein Konzept, das Jahrzehnte im Voraus greife und das Management und die Planung der Landschaft einbette.
Das heisst: Mehr Ressourcen in die Prävention zu stecken. So wie in der Schweiz.
Feuerwehr rückte kurz vor Feierabend aus
Natürlich lassen sich Waldbrände aber auch hierzulande nicht ganz vermeiden.
Der Waldbrand von Bitsch VS war einer der grössten der Schweiz der letzten Jahre. Auf Anfrage von Nau.ch blickt die zuständige Feuerwehr auf den damaligen Einsatz zurück.
«Die Alarmmeldung kam am 17. Juli 2023 um 16:55 Uhr, gerade, als wir Feierabend machen wollten», sagt Sven Bregy von der Feuerwehr Brig-Glis.
Vom Feuerwehrmagazin aus sahen sie den Brand direkt – ihnen war klar, dass es ein langer Einsatz werden würde.
Ein Ereignis dieser Dimension könne man nie alleine bewältigen, so der Feuerwehrkommandant. Man müsse die Ablösung der Feuerwehrleute am Einsatzort früh genug planen und durchführen.
«Bilder gibt es sehr viele, die geblieben sind. Mit Stolz können wir aber sagen, dass wir keine Personen und Gebäude verloren haben.»
Und weil die Schweiz so viel in die Waldbrand-Prävention investiert, gibt es Hoffnung, dass dieser Grosseinsatz eine Ausnahme bleiben wird.
















