Donald Trump mit Niederlage? Experte: «Iran ist Hauptgewinner»

Belinda Schwenter
Belinda Schwenter

Frankreich,

Die USA und der Iran sollen ein Abkommen zur Beendigung des Krieges in Nahost unterzeichnet haben. Eine Niederlage für Donald Trump? Ein Experte ordnet ein.

Donald Trump
Donald Trump unterschreibt das Rahmenabkommen. - X/@WhiteHouse

Das Wichtigste in Kürze

  • US-Präsident Donald Trump und der iranische Präsident Massud Peseschkian haben ein Abkommen unterzeichnet.
  • Dieses besiegelt die Beendigung des Krieges in Nahost.
  • Gleicht dieser Deal einer Niederlage für Donald Trump? Nau.ch hat bei Experten nachgefragt.

Der Krieg im Nahen Osten dürfte vorerst beendet sein. Die USA und der Iran haben sich auf ein sogenanntes Memorandum of Understanding (MOU) geeinigt.

Das Rahmenabkommen ist von US-Präsident Donald Trump und dem iranischen Präsidenten Massud Peseschkian unterzeichnet worden.

Für Nahost-Experte Cyrus Schayegh ist die Sache klar: «Der Iran ist der Hauptgewinner dieses Memorandums.»

Wie der Professor für internationale Geschichte und Politik erklärt, konnte Teheran mehrere seiner wichtigsten Forderungen durchsetzen. So habe der Iran beispielsweise keine neuen Verpflichtungen bezüglich seines Atomprogramms eingehen müssen.

Auch bei den Sanktionen sowie regionalen Fragen habe der Iran wichtige Punkte eingebracht. So werde beispielsweise der Libanon ausdrücklich erwähnt.

«Die Nuklearfrage, die Sanktionsfrage und die geographischen Fragen zeigen klar, dass der Iran der Hauptgewinner ist», fasst Schayegh zusammen.

«Für Donald Trump ist es wichtig, als Gewinner auszusehen»

Ganz ohne Gegenleistungen sei das Abkommen jedoch nicht zustande gekommen. Auch die Amerikaner hätten einige Punkte durchbringen können. Als einen der Sieger sieht der Experte Donald Trump aber nicht.

Trump dürfte das Abkommen dennoch als Erfolg verkaufen: «Für Donald Trump ist es psychologisch und politisch enorm wichtig, als Gewinner dazustehen», sagt Schayegh.

Cyrus Schayegh
Nahost-Experte Cyrus Schayegh sagt: «Für Donald Trump ist es psychologisch und politisch enorm wichtig, als Gewinner auszusehen.» - Gratuade Institute

Der US-Präsident werde versuchen, die Vereinbarung als besseren Deal darzustellen als das Atomabkommen unter Ex-Präsident Barack Obama.

Inhaltlich sei das Resultat jedoch weit von Trumps ursprünglichen Forderungen entfernt. Der Professor am Genfer Gratuade Institute sagt: «Was Trump hier herausgeholt hat, ist meilenweit entfernt von dem, was er zu Beginn des Krieges versprochen hat.»

Herrscht nun dauerhafter Frieden?

Von dauerhaftem Frieden könne noch keine Rede sein, meint Schayegh. Und er warnt vor zahlreichen Unsicherheitsfaktoren.

Zum einen bleibe Trump ein unberechenbarer Akteur. «Er kann Dinge sagen oder tun, die die Verhandlungen zum Kollabieren bringen.»

Und auch innerhalb des Irans gebe es Widerstand gegen das Abkommen. Vor allem ultrakonservative Kreise lehnten die Vereinbarung ab.

Hinzu komme die offene Frage, ob die iranischen Zugeständnisse beim Atomprogramm den USA langfristig genügen werden.

Besonders heikel bleibt laut Schayegh die Lage im Libanon. Der Iran macht die USA direkt für israelische Militäraktionen verantwortlich. Gleichzeitig betone Israel, dass es sich weiterhin Militärschläge vorbehalte.

«Das ist ein Bereich, in dem noch sehr viel schiefgehen kann», sagt der Experte.

Historischer Wandel im Nahen Osten

Trotz aller Unsicherheiten sieht Schayegh eine historische Entwicklung.

Anders als bei früheren Verhandlungen hätten diesmal regionale Akteure wie Pakistan, Oman und mehrere Golfstaaten eine zentrale Rolle gespielt.

Diese Staaten wollten verhindern, dass die Beziehungen zwischen Washington und Teheran erneut in einer Eskalation enden. «Sie vertrauen den Amerikanern schlicht nicht mehr, dass sie nicht wieder einen Scherbenhaufen hinterlassen», so Schayegh.

Kann der USA-Iran-Deal dauerhaften Frieden bringen?

Gerade diese stärkere Einbindung regionaler Mächte könnte laut dem Experten einer wichtiger Grund sein, weshalb das Abkommen Bestand haben könnte.

Schayegh bleibt dennoch vorsichtig. Das Memorandum sei «historisch» und gleiche einem politischen Erdbeben. Ob daraus jedoch ein dauerhafter Frieden entsteht, sei völlig offen.

Kommentare

User #3840 (nicht angemeldet)

Wenn ich die mittel- und langfristigen Prognosen der Expertenden beobachte muss ich leider feststellen, dass sie zu 99% daneben lagen.

User #4912 (nicht angemeldet)

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