Mit einem eindeutigen Votum der Parteibasis kann der Bundestagsabgeordnete Friedrich Merz der nächste CDU-Vorsitzende werden.
Friedrich Merz
Friedrich Merz - AFP

Das Wichtigste in Kürze

  • Ex-Fraktionschef erhält mehr als 62 Prozent bei Mitgliederentscheid.

Beim ersten Mitgliederentscheid in der Parteigeschichte setzte sich der 66-Jährige mit 62,1 Prozent klar gegen seine Mitbewerber Norbert Röttgen und Helge Braun durch, wie die CDU am Freitag bekanntgab. Merz kündigte an, alle Parteiströmungen einzubinden und die Partei zu erneuern.

Der siegreiche Bewerber zeigte sich erfreut über die hohe Beteiligung von rund zwei Dritteln der Mitglieder bei der Befragung. Dies sei ein «beeindruckendes und tolles Ergebnis einer Partei, die lebt und die mitgestalten will», sagte Merz. Es habe der Partei «gut getan», dass sie die Auswahl unter mehreren Kandidaten hatte. Röttgen erhielt bei der Abstimmung 25,8 Prozent, Braun kam auf 12,1 Prozent.

Merz soll nun auf einem Parteitag am 21. und 22. Januar offiziell zum Nachfolger von Armin Laschet bestimmt werden. Der CDU-Bundesvorstand soll ihn dem Bundesparteitag zur Wahl vorschlagen. Für den Christdemokraten aus dem Sauerland war es nach 2018 und Anfang 2021 bereits der dritte Anlauf für den Parteivorsitz.

Zu seiner Stimmungslage angesichts des klaren Basisvotums sagte Merz nun: «Ich habe im Stillen 'wow' gesagt, aber nur im ganz Stillen. Triumphgesänge sind mir fremd.»

Merz, der sich vor allem als Vertreter des wirtschaftsliberalen Flügels profiliert hatte, dankte seinen Mitbewerbern. Als CDU-Chef wolle er für die Partei «in der ganzen Breite» stehen und alle Themen behandeln, welche diese als wichtig empfinde, sagte er. Er hoffe, dass mit seiner Wahl «eine gewisse Konsolidierung» in die Personalaufstellung der CDU komme.

Ausdrücklich sagte Merz, dass mit seiner Wahl zum Parteichef keine Vorentscheidung über die nächste Kanzlerkandidatur verbunden sei. «Darüber sprechen wir, wenn es so weit ist», sagte er dem ZDF. Er liess zudem zunächst offen, ob er auch den Vorsitz der Unions-Bundestagsfraktion anstrebe, den bislang Ralph Brinkhaus inne hat.

Die unterlegenen Kandidaten Röttgen und Braun gratulierten Merz und sagten ihm ihre Unterstützung zu. Röttgen bezeichnete die hohe Wahlbeteiligung der Mitglieder als «einen grossartigen Erfolg». Ähnlich äusserte sich Braun: «Viele haben geunkt, dass wir möglicherweise eine schwache Wahlbeteiligung haben - und jetzt setzen wir Massstäbe auch für andere Parteien.» Mehrere CDU-Spitzenpolitiker äusserten sich erleichtert darüber, dass das Votum so eindeutig ausging.

In einem Interview mit den Sendern RTL und ntv kündigte Merz an, die Partei mit einer neuen Mannschaft leiten zu wollen. «Ich werde dafür sorgen, dass wir viele junge neue Gesichter auch in der Führung der Partei haben», sagte er. Er wolle die CDU erneuern und mehr Frauen in sein künftiges Führungsteam holen, sagte er in der ARD-Sendung «Farbe bekennen». Er stelle an die CDU den Anspruch, «die modernste Volkspartei Europas zu sein».

Seinen Sieg führte der frühere Unionsfraktionschef auch auf den Unmut der Basis darüber zurück, dass die CDU inhaltlich unscharf geworden sei. «Natürlich hat die Basis in den letzten Jahren gelitten, weil sie vielfach nicht mehr wusste, wofür steht eigentlich diese CDU», sagte er.

Die abermalige Neubesetzung des CDU-Chefpostens war nötig geworden, weil der erst im Januar gewählte Parteichef Laschet nach der Niederlage bei der Bundestagswahl seinen Rücktritt erklärte. Seine Amtszeit war von Spannungen unter den Schwesterparteien CDU und CSU geprägt. Die CSU gratulierte Merz nun zur Wahl und bot eine enge Zusammenarbeit an.

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