Deshalb ist die Räumung von Seeminen so schwierig

Etienne Sticher
Etienne Sticher

Iran,

Die USA wollen die Strasse von Hormus von Minen befreien. Doch das ist schwierig – nicht nur wegen der Unachtsamkeit des Irans.

strasse von hormus
Der Iran hat die Strasse von Hormus mutmasslich vermint. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Iran hat die Strasse von Hormus wohl vermint, die Entminung ist schwierig.
  • Denn die Seeminen werden von der Strömung unvorhersehbar umhergetrieben.
  • Zudem hat der Iran wohl nicht ausreichend dokumentiert, wo die Minen gelegt wurden.

Der Iran und die USA streiten bei ihren Verhandlungen in Islamabad auch über die Strasse von Hormus. Nach Kriegsbeginn hat Teheran die Meerenge gesperrt und mutmasslich vermint. Im Rahmen des Waffenstillstands wurde sie kurzzeitig geöffnet, dann aber wieder gesperrt. Möglicherweise wegen der Seeminen.

Denn wie die «New York Times» berichtet, gehen die USA davon aus, dass der Iran einige Minen verloren hat. Grund dafür ist einerseits, dass die Revolutionsgarden sie recht sorglos platziert haben sollen. Andererseits spielen auch die Strömungen eine Rolle.

Was sind Seeminen eigentlich?

Seeminen sind Sprengladungen, die auf der Wasseroberfläche oder unter Wasser schwimmen. Sie werden eingesetzt, um die Durchfahrt zu verhindern oder feindliche Schiffe in bestimmte Gewässer zu zwingen. Sie sind billig und leicht in der Herstellung, teils können sie für rund 1500 bis 2000 Dollar produziert werden.

In der Strasse von Hormus spielt auch der psychologische Faktor eine grosse Rolle. Die Seeminen dürften die grossen Tanker kaum zum Sinken bringen, sondern bloss beschädigen. Doch viele Kapitäne werden die Durchfahrt wegen der lauernden Gefahr vermeiden wollen.

Einige Seeminen explodieren, wenn sie mit einem Schiff kollidieren. Andere hingegen brauchen keinen physischen Kontakt. Sie reagieren auf magnetische, akustische, seismische oder Druck-Signale, wie das Robert Strauss Center for International Security and Law erklärt. Wieder andere Minentypen können ferngesteuert ausgelöst werden.

Klassifiziert werden Seeminen auch nach ihrer Position im Wasser: Die Treibminen schwimmen an der Oberfläche. Sind sie zusätzlich mit einer Kette am Grund befestigt, spricht man von Ankerminen. Grundminen werden am Meeresboden platziert und reagieren meist auf Signale der Schiffe.

Haftminen müssen von Tauchern direkt an den Schiffen angebracht werden. Sie können dann meist ferngesteuert ausgelöst werden.

Wieso sind Seeminen schwierig zu lokalisieren?

Der Iran besitzt gemäss US-Schätzungen rund 6000 Seeminen aller Arten. Vor allem Treibminen und Minen, die unterhalb der Wasseroberfläche treiben, sind schwierig zu finden. Paul Heslop vom UN-Minenräumdienst erklärt gegenüber «UN News», dass sie auf Strömungen reagieren.

Bei Landminen arbeite man mit zwei Dimensionen, bei Seeminen mit vier. Denn zur Tiefe komme auch noch der Faktor Zeit hinzu. «Wenn es andere Strömungen gibt, können Minen in zuvor bereits gesäuberte Gebiete getrieben werden.» Möglich sei es auch, dass Minen in den Persischen Golf oder den Golf von Oman geschwemmt werden.

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Donald Trump will die Strasse von Hormus von Minen befreien. Doch das ist ein schwieriger und langwieriger Prozess. - keystone

Neben diesen üblichen Faktoren erschwert das Vorgehen des Irans die Ortung der Seeminen. Die US-Beamten sprechen in der «New York Times» davon, dass die Sprengkörper sorglos platziert worden sein könnten. Folglich wisse die Regierung oder das Militär gar nicht, wo sie gelegt worden sind.

Zudem haben die Revolutionsgarden Berichten zufolge kleine Schnellboote bei der Platzierung verwendet. Diese sind für das US-Militär schwierig bis kaum zu verfolgen.

Wie läuft eine Räumung ab?

In Medienmitteilungen erklärte die US-Navy die drei Schritte der Minenräumung. Zuerst werden die Seeminen lokalisiert. Dafür werden unbemannte Unterwasserfahrzeuge eingesetzt, die vorprogrammierte Routen abfahren und Objekte mit Sonar orten.

Das entdeckte Objekt wird in einem zweiten Schritt identifiziert. Falls mit den Bildern nicht geklärt werden kann, ob es sich um eine Seemine handelt, werden Taucher zur Überprüfung losgeschickt.

Im dritten Schritt wird die Seemine dann zerstört. Dazu setzt die US-Navy das «Airborne Mine Neutralization System» ein. Dieses lässt von einem Helikopter ein unbemanntes Torpedo ins Wasser, das autonom auf die Seemine zuschwimmt und dann detoniert. So kann die Seemine aus sicherer Distanz zerstört und unschädlich gemacht werden.

Wie geht es in der Strasse von Hormus weiter?

Am Samstagabend durchquerten zwei US-Kriegsschiffe gemäss dem US-Kontrollzentrum Centcom die Strasse von Hormus. Dabei seien die «Bedingungen» für die Minenräumung gesetzt worden.

«Heute haben wir mit dem Prozess, eine neue Passage zu schaffen, begonnen», wird Admiral Brad Cooper vom Centcom zitiert. Bald werde man diesen sicheren Weg der Schifffahrtsbranche bekanntgeben, um den freien Handelsverkehr zu fördern.

Sollten europäische Staaten Kriegsschiffe zur Sicherung der Strasse von Hormus entsenden?

Bereits am Samstagvormittag teilte Donald Trump auf seinem Sprachrohr Truth Social mit, dass mit der Minenräumung begonnen worden sei. Er schreibt zudem, dass alle iranischen Minenlegerboote «auf dem Meeresgrund liegen».

Zwei Fragen bleiben aber offen: Ist die sichere Passage auch in einigen Tagen noch sicher? Und sind die iranischen Fähigkeiten, Minen zu legen, tatsächlich zerstört?

Kommentare

User #5168 (nicht angemeldet)

Die Folgen eines Krieges sind oft schlimmer als der Krieg. Daran hat die Supermacht USA wohl nicht gedacht. Ich frage mich ernsthaft wer nun diesen Krieg gewonnen hat.

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