Brics-Gruppe fordert maximale Zurückhaltung im Nahost-Konflikt

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Indien,

Die Länder der Brics-Gruppe haben bei ihrem Gipfeltreffen in Indien die Akteure im sich ausweitenden Nahost-Konflikt zur grössten Zurückhaltung aufgerufen. Die Staatengruppe sei «tief besorgt über die Eskalation der Spannungen im Nahen Osten/Westasien», hiess es in einer 140 Punkte umfassenden sogenannten Erklärung von Neu-Delhi. Hinter den Appell, maximale Zurückhaltung zu üben und Massnahmen zur Verschärfung der Lage zu vermeiden, stellte sich auch der Iran, der dem Bündnis mittlerweile angehört.

Brics
Am Brics-Gipfel in Indien nahmen auch Wladimir Putin (l) und Xi Jinping (r) teil. - keystone

Indiens Premierminister Narendra Modi sprach sich zum Auftakt des zweitägigen Treffens der Staats- und Regierungschefs für eine stärkere Rolle des Bündnisses bei den Bemühungen um globale Reformen aus. Die Abkürzung Brics steht für die Anfangsbuchstaben der ersten fünf Mitglieder Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika. Mittlerweile gehören auch Saudi-Arabien, Ägypten, Äthiopien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Indonesien und der Iran zu der Gruppe. Das Zustandekommen einer gemeinsamen Erklärung der Staats- und Regierungschefs wurde auch als Zeichen der Konsensfähigkeit unter den sehr unterschiedlichen Mitgliedern gewertet.

Dabei sind Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate direkt vom Iran-Krieg betroffen. Nicht nur sind die beiden Golfstaaten insbesondere in der frühen Phase des Konflikts vom Iran angegriffen worden. Im Zuge des Iran-Kriegs ist auch der Konflikt im Jemen erneut entflammt. Dort kämpfen die vom Iran unterstützten Huthi gegen die von Saudi-Arabien unterstützte jemenitische Regierung. Die aktuellen Kämpfe sind die schwersten Gefechte seit Jahren.

Am Rande des Gipfels kamen der Staatspräsident der Emirate, Mohammed bin Sajid, und sein iranischer Kollege Massud Peseschkian zusammen. Seit Beginn des Konflikts Ende Februar hat es so ein hochrangiges Gespräch zwischen den beiden Ländern noch nicht gegeben. Das Medienbüro von Abu Dhabi teilte dazu auf X mit, es sei um Deeskalation, Stabilität und Bemühungen zur Förderung von Frieden und Entwicklung in der Region gegangen.

Eines der Ziele der Brics-Gruppe, die sich auch als Gegengewicht zum Westen versteht, ist es, sich enger in geopolitischen Fragen abzusprechen. Mit Blick auf die Situation im Nahen Osten äusserten die Teilnehmer ihre Unterstützung für die laufenden Anstrengungen um eine Verständigung. Die Akteure im Iran-Krieg werden in der Erklärung allerdings nicht benannt.

Anders ist es beim israelisch-palästinensischen Konflikt, für den die Teilnehmer eine dauerhafte Lösung forderten. Besonders deutlich lehnten sie eine zwangsweise Vertreibung von Palästinensern aus Gaza sowie Veränderungen der geografischen Struktur des Gazastreifens ab.

Am Gipfel in Neu-Delhi nahmen auch der russische Präsident Wladimir Putin und Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping teil. Xi forderte mehr Einsatz der Mitgliedstaaten für Frieden im Nahen Osten und in der Golfregion. China sei bereit, gemeinsam mit den Brics-Mitgliedern seinen Teil zur Herstellung von Frieden und Stabilität beizutragen, sagte er in Neu-Delhi.

Die Teilnehmer kritisierten zudem einseitige Sanktionen, die ausserhalb des UN-Sicherheitsrats verhängt werden. Die Verhängung «einseitiger Zwangsmassnahmen» widersprächen dem internationalen Recht, hiess es in der Erklärung. Länder, die davon betroffen sind, wurden nicht genannt. Die USA hatten zuletzt weitere Sanktionen gegen den Iran verhängt, um ihn wirtschaftlich weiter zu schwächen. Zudem gelten zahlreiche Sanktionen gegen Brics-Mitglied Russland wegen des seit mehr als viereinhalb Jahren andauernden Angriffskriegs gegen die Ukraine.

Indiens Premier Modi schlug vor, dass die Brics-Gruppe bis zum nächsten Gipfeltreffen zehn Vorschläge zur Erneuerung der Weltordnungspolitik vorlegt. Dazu zählte er auch eine Reform des UN-Sicherheitsrats. Diese Reform lasse sich nicht länger aufschieben, es müsse dafür einen verbindlichen Zeitplan geben.

Auch forderte Modi ein stärkeres Gewicht der Länder des «Globalen Südens». «Wir müssen uns darum bemühen, den Globalen Süden von einem blossen Empfänger von Regeln zu einem Mitgestalter von Regeln zu machen.»

Die Brics-Gruppe versteht sich zunehmend als Stimme des Globalen Südens. In der Erklärung wurde eine wachsende Bedeutung der Entwicklungs- und Schwellenländer als Chance für eine gerechtere Weltwirtschaft bezeichnet.

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