«Ungewöhnlich»: SP ruft zur Spende für Initiative auf

Sina Barnert
Sina Barnert

Bern,

Die SP will eine Volksinitiative zur Gewalt gegen Frauen lancieren. Dafür sammelt sie noch vor dem Initiativstart Spenden. Geht der Partei das Geld aus?

SP
Die SP will eine Initiative gegen Gewalt an Frauen lancieren. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Die SP will eine Volksinitiative zum Kampf gegen geschlechterspezifische Gewalt lancieren.
  • Dafür brauche es Spenden, so die Partei. Und das noch vor Initiativstart.
  • Die SP sei auf Kleinspender angewiesen, erklärt ein Politikwissenschaftler.

Es war einer der Aufreger des vergangenen Politwinters.

Der Nationalrat beschloss, keine weitere Million Franken für den Schutz von Frauen gegen Gewalt zu sprechen.

Dies in einer Zeit, in der die Femizide und andere Gewalttaten an Frauen in der Schweiz ansteigen. Und Frauenhäuser überlastet sind.

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Tamara Funiciello kritisierte, dass der Nationalrat nicht mehr Geld für den Schutz von Frauen sprechen wollte. - instagram / @tamarafuniciello

Das führte zu einem Shitstorm auf Social Media, den die SP zu nützen wusste. Angeführt von den beiden Nationalrätinnen Tamara Funiciello und Anna Rosenwasser lancierte die Partei eine Petition.

SP will nach Mega-Petition Initiative lancieren

Innert weniger Stunden kamen hunderttausende Unterschriften zusammen. Selbst TV-Moderatorin Michelle Hunziker unterzeichnete – und warb auf Instagram dafür, die Petition zu unterschreiben.

Michelle Hunziker SP
Auch Moderatorin Michelle Hunziker unterzeichnete die Petition der SP gegen Gewalt an Frauen. - Instagram / @therealhunzigram

Danach kippte der Ständerat den nationalrätlichen Entscheid. Grossen Einfluss darauf hatte dabei die von der SP lancierte Petition.

Nun will die Partei zum nächsten Streich ansetzen und Nägel mit Köpfen machen. Man wolle vorwärtsmachen – mit einer Volksinitiative gegen Gewalt an Frauen.

«Eine Initiative zu lancieren kostet Geld»

Das schreiben die Sozialdemokraten in einem von Tamara Funiciello unterzeichneten Mail, welches sie an die Petitionsunterzeichnerinnen und -unterzeichner sendet. Damit erreicht die Partei rund 500'000 Menschen.

Nur: Einen Initiativbogen versendet die SP nicht. Stattdessen ruft sie zur Spende auf. Denn: «Eine Initiative zu lancieren kostet Geld.»

Hast du schon einmal eine Parteispende getätigt?

Dazu schickt die SP gleich Spendenlinks mit. Und Vorschläge zu einer Spende von 45, 90 und 180 Franken.

Doch: Ist es üblich, dass bereits Geld gesammelt wird, bevor überhaupt eine Initiative lanciert wurde?

«Die SP ist auf Kleinspenden angewiesen»

Politikwissenschaftler Oliver Strijbis ordnet für Nau.ch ein: «Ich denke, es ist eher ungewöhnlich. Normalerweise werden eher Spenden für bevorstehende oder laufende Kampagnen gesammelt.»

Aber: «Die SP ist auf Kleinspenden angewiesen.»

Darin unterscheide sie sich von den bürgerlichen Parteien. Diese verfügten meist über «hohe Einzelspenden von sehr vermögenden Personen».

Dass sie ihre Kleinspender für ein Anliegen mobilisiere, sei gar eine Stärke der Sozialdemokraten, so Strijbis. Denn: «Es zeigt, dass man von einem Grossteil der Bevölkerung unterstützt werde. Und nicht einfach von ein paar Lobbies oder Milliardären.»

«Wir erhalten keine Gelder von Konzernen oder Superreichen»

Nau.ch hat auch bei der SP nachgefragt. Weshalb braucht es Spenden, um eine Initiative für ein Kernanliegen der Partei zu starten?

«Wir erhalten keine Gelder von Konzernen oder Superreichen. Darum sind wir auf Kleinspenderinnen und Kleinspender angewiesen», heisst es von der Partei.

Würdest du eine Initiative gegen Gewalt an Frauen unterzeichnen?

Deshalb schicke man regelmässig Spendenaufrufe für diverse Projekte und Kampagnen. Und: «Wir sind sehr zuversichtlich, dass dieses Projekt breit mitgetragen wird.»

Zudem teilen die Sozialdemokraten mit: «Die Initiative gegen Gewalt an Frauen ist ein zentrales Anliegen für uns.»

Kommentare

User #4936 (nicht angemeldet)

Wer Macht über Menschlichkeit stellt, stabilisiert Strukturen, in denen Gleichberechtigung keinen Platz hat. Figuren wie Donald Trump stehen oft sinnbildlich für ein Denken, das Dominanz über Respekt stellt – und genau das trifft vor allem Frauen. Patriarchale Muster leben davon, andere klein zu halten: Wer laut ist, gilt als stark, wer Rücksicht zeigt, als schwach. Doch das ist keine Stärke, sondern Unsicherheit in Macht verpackt. Eine faire Gesellschaft misst sich nicht daran, wer dominiert, sondern daran, wie sie mit den Schwächeren umgeht. Respekt, Gleichberechtigung und Selbstbestimmung sind keine „weichen Werte“ – sie sind die Grundlage echter Stärke.

User #5803 (nicht angemeldet)

Sie könnte ja die Nachhaltigkeitsinitiative befürworten. Ein Teil de Problems würde so gelöst.

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