Juso

    Pandemie und Sozialismus: Wieso die Juso viele Neumitglieder anzieht

    Elisa Jeanneret
    Elisa Jeanneret

    Bern,

    Die Juso hat seit 2020 am meisten Mitgliederzuwachs aller Jungparteien verzeichnet. Die Corona-Pandemie habe eine Schlüsselrolle gespielt, sagen Neumitglieder.

    Erfolg für Juso-Präsidentin Ronja Jansen: Ihre Partei hat am meisten Mitgliederzuwachs aller Jungparteien, und sie konnte dieses Jahr eine Initiative an die Urne bringen. - Keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Die Schweizer Jungparteien sind zu einem wichtigen Polit-Player aufgestiegen.
    • Innert zwei Jahre verzeichnet die Juso am meisten Neuzugänge, noch vor der JGLP.
    • Die Inhalte der Juso stossen bei den unter 30-Jährigen auf viel Anklang.

    Die grösste Jungpartei der Schweiz ist die Junge SVP: Seit Anfang 2020 konnten sie aber nur 1000 neue Mitglieder von sich überzeugen. Die zweitgrösste Jungpartei, die Juso, hat ihrerseits 1'889 Neumitglieder, berichtete das «SRF» diese Woche.

    Nau.ch hat mit vier neuen Jungsozialisten gesprochen: Was bewegt sie? Wieso sind sie der Juso beigetreten?

    Engagement in der Juso gegen Massnahmengegner

    Im Gespräch zeigt sich, dass die Covid-Pandemie durchaus auch ihre Rolle gespielt hat. Die jungen Leute sorgen sich um radikalisierte Massnahmengegner, wie zum Beispiel Pascal (22) sagt: «Der allgemeine Rechtsrutsch und Nationalismus unserer Gesellschaft beängstigt mich.»

    Juso Pascal
    Pascal ist 22 und erst kürzlich der Juso beigetreten. Der zunehmende Nationalismus in der Schweiz bereite ihm Sorgen, sagt er. - zVg

    Er habe aber auf Worte Taten folgen lassen wollen und sei deswegen der Juso beigetreten. Das sei eher spontan gewesen, erklärt Pascal weiter; aber es sei schon länger klar gewesen, dass er sich für die SP engagieren wolle.

    Nicht nur die teilweise rechten Massnahmengegner konnten die Jungen mobilisieren. Die allgemeine Debatte über politische Entscheide und Massnahmen haben das politische Interesse von Ludovic (19) geweckt: «Während der Pandemie wurde über viele wichtige Vorlagen abgestimmt. Aber die Abstimmung zum Covid-19-Gesetz haben mich noch stärker politisiert.»

    Die 16-jährige Jana sah ihre Politisierung durch die Pandemie beschleunigt. Sie sei zwar schon immer politisch interessiert gewesen, wie ihre Parteikameradinnen und -kameraden auch. «Zu Beginn der Pandemie musste ich mich mit der Politik auseinandersetzen», erklärt sie. «Weil die Politiker*innen Entscheidungen trafen, welche direkt meine Freizeit beziehungsweise mein Leben beeinflussten.»

    «Das sozialistische Weltbild entspricht mir sehr»

    Hinter den Jungsozialisten auf der Wachstumsrangliste sind die Jungen Grünliberalen und Jungen Grünen. Erstere verzeichnen seit Anfang 1425 Neumitglieder, Letztere 1237. Wieso hat die Juso, die ähnliche Inhalte repräsentieren wie die Jungen Grünen, mehr Erfolg?

    Lisa Juso
    Lisa (25) ist ohne grosse Vorkenntnisse über Politik der Juso beigetreten: Das war die richtige Entscheidung, sagt sie heute. - zVg

    «Ich habe mich für die Juso entschieden, weil sie für mich schon immer präsenter war als die jungen Grünen», antwortet Lisa (25). Ausserdem nehme sie soziale Themen, die ihr stark am Herzen liegen, bei der Juso mehr wahr.

    Doch auch die 99%-Initiative habe ihren Teil zur Überzeugungsarbeit geleistet, sagt Ludovic. Sie haben ihn «stark beeindruckt», sagt er. Die Kernthemen der Juso, «Solidarität, Feminismus und Antifaschismus», seien aber allgemein der wichtigste Aspekt.

    Sind Sie auch Mitglied einer Partei?

    Dem pflichtet Pascal zu, das «sozialistische Weltbild» entspreche ihm sehr. Jana, die Gruppenjüngste, hält fest: «Ich hatte das Gefühl, dass meine Interessen besser von der Juso vertreten werden als von den Jungen Grünen.»

    Die Junge Mitte und die Jungfreisinnigen bilden das Ende der Rangliste, mit 800 beziehungsweise 450 Neumitgliedern.

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