Deshalb kämpfen SP & Grüne vehement für Stempelsteuer

    Elisa Jeanneret
    Elisa Jeanneret

    Bern,

    Schon bald stimmt die Schweiz über die Stempelabgabe ab. Das Parlament will sie abschaffen, SP und Grüne halten dagegen. Sie glauben an einen Sieg im Februar.

    Stempelsteuer Stempelabgabe SP Grüne
    Der Wirtschafts- und Finanzplatz will die Stempelabgabe abgeschafft sehen, weil sie das Investitionspotenzial hemme. SP und Grüne warnen vor den Konsequenzen und haben das Referendum ergriff - Keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Die Stempelabgabe ist eine Steuer, die auf Finanztransaktionen lastet.
    • Das Parlament will sie abschaffen, SP und Grüne haben das Referendum ergriffen.
    • Sie sagen, dass sonst die Allgemeinheit für die Lücke in der Staatskasse aufkommen müsse.

    Im Februar, knapp neun Monate nachdem das Referendum ergriffen wurde, stimmt die Schweiz über die Abschaffung der Stempelsteuer ab. Es ist der grosse Kampf der Linken, es geht um Steuererleichterungen für Unternehmen und einer Einnahmelücke von 250 Millionen. Die SP steht an vorderster Front, die Grünen kämpfen ebenfalls mit.

    Samira Marti
    Samira Marti (SP/BL) spricht im Nationalrat an der Sondersession des Parlaments, Oktober 2020. - Keystone

    Für die Sozialdemokraten gehört dieses Referendum zu einer ganzen Reihe wirtschaftspolitischer Vorlagen, sagt SP-Nationalrätin Samira Marti. «Einmal mehr wollen die Bürgerlichen das Kapital steuerlich privilegieren», so Marti. Diese Steuerpolitik habe schon vor 25 Jahren angefangen, und führe dazu, dass «die Bevölkerung immer mehr Steuern und Abgaben bezahlt».

    SP will «bürgerliche Steuerspirale» durchbrechen

    «Dabei war die Stempelsteuer Teil eines historischen Kompromisses», erklärt die Baselbieterin. «Bei der Ausweitung der Mehrwertsteuer auf Dienstleistungen wurde der Finanzmarkt ausgenommen, dafür wurde die Stempelsteuer beibehalten.» Die bürgerlichen Parteien hätten diese Emissionsabgabe aber immer weiter verringert und jetzt würde sie abgeschafft: «Wir müssen endlich diese Spirale durchbrechen.»

    Stempelsteuer Ryser Grüne
    Franziska Ryser (Grüne/SG) bei der Einreichung der Unterschriften gegen die Abschaffung der Stempelsteuer, 5. Oktober 2021. - Keystone

    Schon nur dieses Jahr habe das mehrheitlich bürgerliche Parlament mehrere Steuerprivilegien für Unternehmen verabschiedet, sagt Franziska Ryser. Die grüne St.Gallerin ist Mitglied der Wirtschafts- und Abgabenkommission im Nationalrat.

    «In den letzten Monaten hat ein grosser Steuerabbau stattgefunden. Zuerst wurden die Industriezölle, dann die Verrechnungssteuer abgeschafft», erklärt Ryser. Sogar bei der Stempelsteuer handle es sich bei dieser Vorlage «erst» um den ersten von drei Teilen: «Das ist Geld, das anschliessend dem Staat fehlt, das im Service Public fehlt.»

    Maurer Staatsrechnung Coronavirus Stempelsteuer
    Finanzminister Ueli Maurer spricht im Nationalratssaal über die Staatsrechnung 2020. In jenem Jahr nahm die Bundeskasse durch die Stempelsteuer etwa 2,4 Milliarden Franken ein. - Keystone

    Gerade in Zeiten einer globalen Krise sei das falsch, beteuern die beiden Nationalrätinnen. Dann gehöre der Staat gestärkt, nicht geschwächt, so Ryser. Auch volkswirtschaftlich gesehen sei die Abschaffung der Stempelsteuer nicht sinnvoll, fügt Samira Marti hinzu.

    Profit für die Falschen

    «0,25 Prozent aller Unternehmen zahlen diese Abgabe, profitieren tun massgeblich 55 Grosskonzerne.» Kleine und mittlere Unternehmen profitierten nicht von einer Abschaffung, im Gegenteil sogar.

    UBS Bank
    Unternehmen, die ihr Eigenkapital an der Börse steigern wollen, müssen auf ihre Aktien 1 Prozent Emissionsabgabe dem Staat bezahlen. - Keystone

    Das Kernargument der Befürworterinnen: Wird die Stempelsteuer abgeschafft, so führt das zu höheren Steuern für die Allgemeinheit, beispielsweise zu einer erhöhten Mehrwertsteuer. «Das schmälert den Umsatz der lokalen Unternehmen», führt Samira Marti aus.

    Was halten Sie von der Abschaffung der Stempelsteuer?

    Die Grünen und die SP sind zuversichtlich, was die Abstimmung anbelangt. «Ich bin gespannt auf die Märchen, die im Abstimmungskampf auf uns zukommen werden», so Marti. «Aber die Bevölkerung wird diesen ‹Bschiss› hoffentlich erkennen.»

    «Arena»
    SP-Nationalrätin Jacqueline Badran wehrt sich in der «Arena» gegen den Kinderabzug und nennt diesen eine verdeckte Steuersenkung. - Screenshot/SRF

    Schliesslich habe die Linke im September 2020 die Abstimmung über die Kinderabzüge gewonnen, sagt Franziska Ryser überzeugt. Ähnlich wie damals würden «die Falschen» profitieren: «Nur die Finanzbranche wird entlastet», schüttelt Ryser den Kopf. «Die haben es aber nicht nötig.»

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