Bundesrat

Bundesrat wartet bei Promillegrenze auf Skipisten ab

Matthias Bärlocher
Matthias Bärlocher

Bern,

Wie ist die Situation bei Schneesportunfällen unter Alkoholeinfluss? Das sei unklar, antwortet der Bundesrat auf einen Vorstoss.

Schneesport Bier
Wintersportler trinken am 30. Januar 2009 in Lenzerheide GR ein Bier. (Symbolbild) - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Bundesrat hat einen Vorstoss zum Thema Promillegrenze auf Skipisten beantwortet.
  • Er sieht aktuell keinen Handlungsbedarf.
  • Alkohol beim Schneesport sei jedoch ein Risiko und gegebenenfalls strafrechtlich relevant.

Präventionsmassnahmen, Sensibilisierungskampagnen und Eigenverantwortung: Das ist und bleibe zentral beim Thema «Alkohol auf Skipisten», schreibt der Bundesrat. Zusammengefasst ist dies seine Antwort auf einen Vorstoss des Berner EVP-Nationalrats Marc Jost. Für eine Promillegrenze auf Skipisten, wie dies Jost anregt, sieht der Bundesrat dagegen – noch – keinen Anlass.

Marc Jost Promillegrenze Skipisten
Nationalrat Marc Jost (EVP/BE) hat beim Bundesrat Fragen zu einer Promillegrenze auf Skipisten deponiert. Nun liegen die Antworten vor. - keystone

Die Landesregierung anerkennt zwar die Problematik: Alkoholkonsum könne auch im Schneesport das Unfallrisiko erhöhen. Doch würden in der Schweiz keine systematischen Daten zum Alkoholkonsum bei Schneesportunfällen erhoben. Deshalb sei keine Aussage zum tatsächlichen Einfluss von Alkohol auf das Unfallgeschehen möglich.

«Kaum umsetzbar» und aufwändig

Lies: Es müsste bei Unfällen jeweils der Blutalkoholpegel der betroffenen Personen erhoben werden. Im Strassenverkehr gang und gäbe, soll beim Schneesport aber nicht praktikabel sein: «Eine systematische Datenerhebung erachtet der Bundesrat als kaum umsetzbar und sie wäre mit einem unverhältnismässigen Aufwand verbunden.»

Braucht es eine Promillegrenze auf Skipisten?

Stattdessen verweist der Bundesrat auf das Bundesgericht, welches wiederum die FIS-Regeln als Massstab heranzieht. Regel eins: Rücksichtsvolles Verhalten. Das gehe aber nur, so der Bundesrat, mit einem risikoarmen Alkoholkonsum oder gänzlichem Verzicht – also Eigenverantwortung.

Vorreiter Italien unter Beobachtung

Damit dürfte sich der Bundesrat grosso modo im Rahmen der Mehrheitsmeinung des Parlaments bewegen. Vertreter verschiedener Parteien lehnten bei einer Nau.ch-Umfrage im Winter eine Promillegrenze auf Skipisten ebenfalls ab.

Carabinieri Skifahrer Alkohol
In Italien büssen die Carabinieri Skifahrer wegen zu viel Blutalkohol, zu schnellen Fahrens, Nichtgewähren des Vortritts, fehlender Versicherung und Fahrens auf der schwarzen Piste trotz ungenügenden skifahrerischen Könnens. (Symbolbild) - Instagram/@armadeicarabinieri

Unterdessen verfolge man die Entwicklung in anderen Ländern. Italien zum Beispiel kennt eine Promillegrenze von 0,5 auf der Skipiste und auch rücksichtsloses Verhalten wird von den Carabinieri gebüsst. Erste Erkenntnisse lägen zwar vor, bestätigt der Bundesrat. Doch diese «reichen aber noch nicht aus für eine verlässliche Beurteilung zu Auswirkungen auf Unfallzahlen oder Präventionswirkung.»

Alkohol auf Skipisten: Strafrechtlich relevant

Rechtliche Vorgaben und daraus abgeleitet Konsequenzen durch die Versicherungen gebe es aber auch so, bestätigt der Bundesrat. So kämen Artikel des Strafgesetzbuches zum Zug, insbesondere fahrlässige Körperverletzung und fahrlässige Tötung. Bei «selbst verschuldeter Trunkenheit und Unzurechnungsfähigkeit» komme auch Artikel 263 StGB zur Anwendung. Dieser sieht eine Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren vor.

Promillegrenze Skipiste
Ein Paar stösst an mit Cüpligläsern, am 26. Dezember 2009 auf dem Weisshorn in Arosa GR. - keystone

Bei «genügend klaren Hinweisen» auf Alkoholkonsum und damit Grobfahrlässigkeit, so der Bundesrat weiter, können Unfallversicherer zudem die Leistung kürzen. Hier kommt nun sozusagen im Nachhinein dennoch eine Art Promillegrenze zum Zug. Denn die Suva kürzt ab 1,5 Promille die Leistungen um 10 Prozent, ab 2 Promille um 20 Prozent.

Kommentare

User #5443 (nicht angemeldet)

Die EVP liebt Regeln und Gesetze. Sie möchte jeden Tag neue schaffen. Und Kontrollen, die wir Steuerzahler berappen müssen. So schafft man Jobs.

User #3665 (nicht angemeldet)

Ach unser BR beobachtet einmal mehr...

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