Parlament

Alkohol auf Skipiste: Parlament sieht Promillegrenze kritisch

Matthias Bärlocher
Matthias Bärlocher

Bern,

Massnahmen gegen Alkohol auf der Skipiste werden als nicht notwendig erachtet.

Bergbeiz
Der Konsum von Alkohol wird beim Gang in die Bergbeiz oft nicht ausgelassen. (Symbolbild) - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Nachbarländer verhängen Massnahmen gegen zu viel Alkohol auf der Skipiste.
  • In der Schweiz hätten solche Regeln einen schweren Stand.
  • Sie seien auch gar nicht nötig, heisst es: Angeheiterte Skifahrer gebe es kaum.

Über 60'000 Verletzte gibt es auf Schweizer Pisten jährlich, überwiegend sind die Unfälle selbstverschuldet. Bei wie vielen Alkohol im Spiel war, dazu gibt es keine Statistik. In Österreich verzeichnet man aber immer mehr Unfälle mit Betrunkenen.

Massnahmen gegen Après-Ski-Exzesse

Auch in der Schweiz gehören sie zum Alltag: Die Skifahrer, die sich schon morgens um 10 Uhr in der Ski-Beiz einen Schnaps oder zumindest ein «Schümlipflümli» genehmigen. Es ist zu vermuten, dass es im Verlauf des Tages nicht bei diesem einen alkoholischen Getränk bleibt.

Alkohol Ski Piste
In Österreich scheint Alkohol auf der Skipiste ein immer grösseres Problem zu sein. (Symbolbild) - keystone

Italien kennt deshalb seit 2022 eine Promillegrenze von 0,5 auf der Skipiste. In Österreich gibt es verschiedene Massnahmen zur Eindämmung der Après-Ski-Exzesse. Sind auch in der Schweiz Regelungen auf der Piste oder beim Ausschank angezeigt?

Eher weniger als mehr Alkoholkonsum

Solche Forderungen hätten im Parlament einen schweren Stand. Dass überhaupt ein Problem besteht mit Alkohol auf der Skipiste, sehen wenn schon linke Parlamentarierinnen und Parlamentarier. Bei den Bürgerlichen dagegen winkt man ab.

«Vormittags beobachte ich das nicht», sagt etwa Mitte-Nationalrat Nicolò Paganini. «Am Nachmitttag sieht man das ab und zu, dass Leute angeheitert aus einer Skihütte kommen.» Er habe aber nicht das Gefühl, dass das zunehme. «Es wird erwiesenermassen immer weniger Alkohol konsumiert», sagt Paganini, der unter anderem auch Präsident des Schweizer Brauerei-Verbands ist.

Nicolò Paganini
Nationalrat Nicolò Paganini ist unter anderem Präsident des Schweizer Brauerei-Verbands. - keystone

«Das ist aber sicher auch unterschiedlich, je nach Skigebiet und Après-Ski-Angebot auf der Talabfahrt», schränkt Paganini doch noch ein.

Alkohol & Ski: «Wenn, dann an der Talstation»

Der Nidwaldner FDP-Ständerat Hans Wicki amtiert unter anderem auch als Verwaltungsratspräsident der Titlis-Bahnen und Präsident von Seilbahnen Schweiz. So kennt er sich von Berufs wegen aus beim Schneesport und bestätigt: «Es ist vieles anders als früher.»

Bier Wintersport Skipiste
Wintersportler trinken am 30. Januar 2009 in Lenzerheide GR Bier. - keystone

Nämlich so, wie das Mitte-Paganini schildert: «Bei den Titlis-Bahnen beobachten wir eine dramatische Veränderung beim Alkoholkonsum: Viel weniger, und wenn konsumiert wird, dann unten an der Talstation.»

Auch hier, konstatiert Wicki, sei es anders als vor 20 Jahren: «Praktisch niemand fährt angetrunken heim. In einer Gruppe gibt es immer eine Person, die keinen Alkohol trinkt und die Gruppe nach Hause fährt.»

Hans Wicki Ständerat
Ständerat Hans Wicki (FDP/NW) ist auch Verwaltungsratspräsident der Titlis-Bahnen und Präsident von Seilbahnen Schweiz. - keystone

Mit zunehmend zugedröhnten Pisten-Rowdys sei aber nicht nur am Titlis Fehlanzeige: «Ich habe auch nicht via Seilbahnen Schweiz etwas gehört», betont Wicki.

Für Ü60 mittags ein Glas Wein – für Junge eher nicht

Passionierter Skifahrer ist auch Mitte-Nationalrat Andreas Meier. Und, gibt er unumwunden zu: «Ich nehme gerne am Mittag ein Glas Wein.» Als Weinbau-Unternehmer kennt sich der Aargauer damit gleichermassen aus.

Bier Skibeiz Sport
Das Bier findet nur auf der Tischset-Werbung statt: Den Skitouristen sei der Sport wichiger als der Alkohol, sagt Gastrosuisse (Symbolbild). - keystone

Promille-Kontrollen oder Ausschank-Begrenzungen: Massnahmen gegen Alkohol auf der Skipiste sieht Meier nicht als notwendig an. «Bei denjenigen, die gerne Alpin-Ski fahren, sehe ich nicht, dass da ein Alkohol-Problem wäre.»

Andreas Meier Wein
Weinproduzent und Nationalrat Andreas Meier (M/AG) öffnet eine Flasche seines eigenen Weins, einer Assemblage von verschiedenen Cabernet-Trauben, am Rand der Wintersession der Eidgenössischen Räte, am 4. Dezember 2025 im Bundeshaus. - keystone

Und die Jungen: Die tränken auch nicht mehr so viel Alkohol, ist Meiers Eindruck: «Das ist eher ein Problem, das sich von selbst löst.»

Für ihn ist indes klar: «Jeder Unfall ist blöd, vor allem, wenn andere betroffen sind. Aber ich habe nicht das Gefühl, dass wir die Polizei auf die Piste schicken müssen.»

Eigenverantwortung und angepasste Fahrweise

Am Mittag sich gemeinsam ein Glas Wein zu genehmigen, das sei nicht das Problem, findet auch Parteikollege Paganini. Aber: «Im Vollrausch auf die Piste zu gehen, das verurteile ich klar.»

Bei gesetzlichen Massnahmen wie einer Promillegrenze ist Paganini aber skeptisch: «Wenn der Staat Regeln aufstellt, die er nicht durchsetzen kann, ist das problematisch.»

Carabinieri Skifahrer Alkohol
In Italien büssen die Carabinieri Skifahrer wegen zu viel Blutalkohol, zu schnellen Fahrens, Nichtgewähren des Vortritts, fehlender Versicherung und Fahrens auf der schwarzen Piste trotz ungenügenden skifahrerischen Könnens. (Symbolbild) - Instagram/@armadeicarabinieri

Mit Blick auf andere in Italien geltende Vorschriften wie Helmpflicht und Geschwindigkeitsbegrenzung meint Paganini: Er plädiere für Eigenverantwortung und den Verhältnissen angepasste Fahrweise.

«Wenn jemand frühmorgens alleine auf der Piste 100 km/h draufhat, ist das von mir aus kein Problem. Aber wenn es massenhaft Leute hat und einige mit ihren Carving-Skis schnell und teilweise etwas unberechenbar unterwegs sind: Das ist wieder ganz etwas anderes.»

Gastrosuisse: Promillegrenze mit geringem Effekt

Haben die Branchen-Lobbyisten schlicht Bedenken wegen fehlender Einnahmen durch den Alkoholika-Verkauf. Oder dass Touristen ins Ausland abwandern kann, weil man es in der Schweiz nicht «lustig» haben kann? Gemäss der Einschätzung von Gastrosuisse scheinen solche Befürchtungen unbegründet.

In Schweizer Skigebieten gebe es keine vergleichbare, ausgeprägte Trinkkultur «wie gewisse ausländische Destinationen aufweisen», heisst es auf Anfrage. Die Gäste kämen daher in erster Linie wegen des Sports und der Erholung, und nicht wegen des Alkohols. «Traditionelle Getränke wie Schümlipflümli, Kafi Lutz oder Saurer Most gehören für viele zum Erlebnis dazu – nicht jedoch zwingend zum Skifahren selbst.»

Nationaler Getränkezettel meistkonsumierte Getränke
Der «Nationaler Getränkezettel», die meistkonsumierten Getränke 2024 (ohne Detailhandel): Alkoholisches ist wirtschaftlich relevant, aber nicht dominant. - Gastrosuisse / amPuls Market Research

Zwar sei der Alkohol in der Berggastronomie wirtschaftlich relevant. Aber aus den genannten Gründen hätte eine Promille-Grenze auf den Skipisten nur einen geringen wirtschaftlichen Effekt. Spezifische Zahlen habe man nicht, aber die Verteilung der Getränke dürfte in Skihütten ähnlich sein wie auf dem «nationalen Getränkezettel»: Alleine Heissgetränke und Wasser machen mehr als die Hälfte der Konsumationen aus.

FDP-Wicki: «Das Leben ist tödlich»

Entsprechend findet denn auch FDP-Ständerat Hans Wicki, von ihm aus könne man alles so weiterlaufen lassen. Und er zieht einen Vergleich zu bereits gemachten Erfahrungen mit Einschränkungen in der Berggastronomie: Die Terrassen-Schliessung lässt grüssen.

«Wir können ja auch zurückfallen in die Dummheiten, die wir während der Pandemie gemacht haben», so Wicki. «Der Staat ist wohl der zweitbeste Unternehmer.»

Auch deshalb gilt für Wick: Möglichst alles so laufen lassen, wie es ist. «Denen, die finden, alles zu verbieten mache das Leben ewig, sage ich: Das Leben ist halt immer noch tödlich.»

Kommentare

User #4155 (nicht angemeldet)

Schon krass eine Droge die erwiesenermassen jährlich x Todesfälle verursacht wird konsumiert wie wenns Sirup wäre.

User #1133 (nicht angemeldet)

Auf der Piste darf man betrunken in Marco Odermatt Geschwindigkeitsstufe hinunter brettern, aber mit dem Auto auf der Strasse bekommt man eine Busse. Finde den Fehler.

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