SVPler wie Roger Köppel kennen kein Pardon mit linken Politikern wie Fabian Molina, der an der Zürcher Antifa-Demo teilnahm. Jetzt folgt die Retourkutsche.
SVP Köppel Molina Jansen
SVPler wie Roger Köppel toben, nachdem SP-Nationalrat Fabian Molina und Juso-Chefin Ronja Jansen an der Antifa-Demo teilnahmen. Diese gehen nun zum Gegenangriff über. - Keystone/zvg

Das Wichtigste in Kürze

  • Linke, insbesondere SP-Nationalrat Fabian Molina, stehen in der Kritik.
  • Er hatte an der Gegendemo vom Samstag in Zürich teilgenommen, welche in Krawalle mündete.
  • Jetzt wehrt sich Molina und fordert die Bürgerlichen auf, Farbe zu bekennen.

Es wird einmal mehr ausgeteilt in der Schweizer Politik, zwischen Linken und Rechten, insbesondere zwischen SP und SVP. Grund sind die Demonstrationen vom Samstag in Zürich, wo es zu Ausschreitungen kam. SVP-Nationalrat Roger Köppel fordert gar, die Staatsanwaltschaft solle sich um «meinen Nationalratskollegen Fabian Molina» von der SP kümmern.

Zürich
Vergangenen Samstag eskalierte in Zürich vor allem die linke Gegendemonstration.
nau.ch
Wiederholt wurden Strassensperren errichtet und auch angezündet.
zürich
In der Innenstadt kommt es wegen der Demonstrationen gegen 15 Uhr zu Verkehrsbehinderungen. Der Wasserwerfer vor dem Paradeplatz ist auch im Einsatz.
zürich
Die Polizei bringt um 15.30 Uhr einen Senior aus der Schusslinie.
Die Gegendemonstranten versammelten sich um 14 Uhr beim Landesmuseum - von den Skeptikern ist nicht viel zu sehen.
zürich
Die Polizei lotste die Demo weg vom Bahnhof in den Kreis 4.
zürich polizei demo
Auch die grossen Einsatzfahrzeuge wurden bereits im Voraus in Stellung gebracht.

«Dieser Fabian Molina», den er als Debatten-Gegner schätze, lobt und schimpft Köppel in seinem Video-Blog direkt aus den Skiferien. «Ein talentierter Politiker, auch jemand, der sich sehr gut und gewählt ausdrücken kann», anerkennt Köppel.

Molina an «illegaler Antifa-Gewaltausschreitungs-Demonstration»

Aber die Ereignisse vom Wochenende in Zürich passen nicht zu Köppels Skiferien-Hotelbar-Idylle. Die (linke) Gegendemonstration gegen die Skeptiker und Rechtsextremen lief aus dem Ruder. Krawall und Sachbeschädigung, doch SP-Nationalrat Fabian Molina postete nichtsdestotrotz gleich selbst den fotografischen Beweis seiner Demo-Teilnahme auf Instagram.

SVP-Nationalrat Roger Köppel hat kein Verständnis für die Teilnahme von SP-Nationalrat Fabian Molina an der Demo gegen die rechtsextreme Szene. - YouTube/@DIE WELTWOCHE

Die Kritik aus der SVP im Allgemeinen und von Roger Köppel im Speziellen liess nicht lange auf sich warten. «Dieser Fabian Molina stellt sich jetzt an die Spitze dieser illegalen Antifa-Gewaltausschreitungs-Demonstration, dieser Krawall-Demo, dieser Chaoten-Demo», wettert Köppel. Man könne sich gar nicht vorstellen, was im umgekehrten Fall los wäre. «Wenn ich, oder ein anderer prominenter Exponent der SVP, an einer rechtsextremistischen Demonstration an der Spitze laufen würde.»

SVP Molina linksextrem Antifa
Die SVP Schweiz kopiert das Foto von SP-Nationalrat Fabian Molina und seiner Teilnahme an der Antifa-Demo vom vergangenen Samstag. - Screenshot Twitter

Sollte eine solche Demo in Gewalt ausarten, seien Rücktrittsforderungen vorprogrammiert. Bei Molina aber: «Nichts, nada, kein laues Lüftchen.» Köppel wundert sich, dass kein Staatsanwalt aktiv werde, warnt vor «chilenischen Verhältnissen» und «Bananenrepublik». Dies in Anspielung auf Molinas Herkunft und seine aus Chile stammenden Eltern.

Molina: «Heuchelei kotzt mich so an!»

Auch die SVP Schweiz griff Molinas Selbstbildnis dankbar auf, verwendete es flugs als eigenes Sujet. Gegensteuer gibt gegenüber Nau.ch auch Juso-Chefin Ronja Jansen, die ebenfalls an der Demo teilnahm. «Ich stelle mich gegen Sachbeschädigung, doch es ist hochgefährlich, wenn Sachbeschädigung auf die gleiche Stufe gestellt wird wie Faschismus.»

Fabian Molina Antifa Wasserfallen
SP-Nationalrat Fabian Molina reagiert auf Vorwürfe von Ratskollege Christian Wasserfallen (FDP).
Fabian Molina Antifa Nazis
SP-Nationalrat Fabian Molina fordert mehr Antifaschismus auch von anderen Parteien.

Neonazis und die Gegendemonstranten seien nicht einfach zwei vergleichbare extreme Gruppen. «Die einen rufen zum Tod von Menschen auf und die anderen haben sich Faschistinnen und Faschisten in den Weg gestellt.» Antifaschismus sei Aufgabe aller, doch stattdessen würden viele Bürgerliche den Widerstand gegen Faschismus dämonisieren. «Dabei können sie sich nicht mal dazu durchringen, Nazisymbole zu verbieten», so Jansen.

Ronja Jansen Juso Antifa
Ronja Jansen, Präsidentin der Juso Schweiz, porträtiert am 25. August 2021 in Bern. - Keystone

Die Retourkutsche von Fabian Molina folgt zunächst in den Sozialen Medien. Gegenüber FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen fordert er die Distanzierung «von Weltwoche und Konsorten, die Verständnis für prügelnde Nazis zeigen». Gewissermassen analog zu Köppel kehrt er den Spiess um und findet: «Diese Heuchelei kotzt mich so an!»

Bürgerliche sollen selbst Antifa-Demo organisieren

Mit Jansen ist sich Molina weitgehend einig: Faschismus sei die grösste Gefahr für unsere Demokratie von innen. Deshalb sei der Kampf dagegen Lebensaufgabe aller Demokratinnen und Demokraten, so Molina gegenüber Nau.ch.

Die Polizei wird in Zürich von Demonstrierenden auf Trab gehalten. - Nau.ch/Aydemir Hüseyin

«Ich lade die SVP, die bürgerlichen Parteien und die hyperventilierenden Medien ohne Kompass ein, endlich klar Farbe gegen Nazis zu bekennen.» Es hätten auch Tausende von Leuten «friedlich gegen einen Fascho-Aufmarsch protestiert».

Dass es am Rande der Demo zu Ausschreitungen kam, sei sehr bedauerlich. Dagegen helfe aber nur eins: Nicht weniger, sondern mehr antifaschistische Demos. «Die Heuchler, die sich jetzt beklagen, sollen das nächste Mal selber eine Gegenkundgebung organisieren, dann können wir wieder reden.»

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