Zu viel Aufwand? Dubai-Influencer lassen ihre Tiere im Krieg zurück
Sie denken wohl an alles – ihre vermeintlich geliebten Haustiere lassen Dubai-Influencer aber im Krieg zurück. Unterstützung von Organisationen lehnen sie ab.

Das Wichtigste in Kürze
- Viele Bewohner, draunter auch Influencer, sind nach den Anschlägen aus Dubai geflüchtet.
- Ihre Haustiere lassen sie aber zurück – aus Angst vor zu viel Aufwand.
- Eine Tierretterin erreichten bereits 200 Fälle von ausgesetzten Vierbeinern.
Den vermeintlich «sichersten Ort der Welt» haben sie fluchtartig verlassen.
Reisepass, Laptop, Luxus-Uhr – bloss nichts davon wollen die Influencer nach den Raketenanschlägen in ihren vier Wänden in Dubai zurücklassen. Doch viele stellen ihre Liebe zu materiellen Wertsachen höher als jene zu ihren Tieren.
«Hier gibt es kein staatliches Heim, das Tiere im Notfall aufnehmen könnte», erklärt die 18-jährige Tas gegenüber der «Bild»-Zeitung. Was sich gerade in ihrer Heimat abspielt, erscheint ihr unbegreiflich.
Mitten im Krieg lassen Besitzer ihre Vierbeiner allein in der Wohnung zurück. Um deren Sicherheit kümmert sich plötzlich niemand mehr.

Auf den Missstand aufmerksam wurde Tas durch einen Facebook-Post. Die Besitzer einer British-Short-Hair-Katze seien mit dem Auto in den Oman gefahren – ohne das Tier.
«Da habe ich erst verstanden, was jetzt passieren wird.» Für die 18-Jährige war klar: Hier muss sich etwas ändern.
200 Fälle aufgetaucht
Über ihr Internet-Portal «UAE Animal Community» versucht sie nun, die seit Kriegsausbruch zurückgelassenen Hunde und Katzen zu vermitteln.
In Dubai gebe es «eine regelrechte Schwemme von zurückgelassenen Haustieren», so Tas. Mittlerweile seien in WhatsApp- und Facebook-Gruppen rund 200 Fälle aufgetaucht – «und das sind nur die, die bei mir ankommen».
Unter den Besitzern befinden sich laut ihr auch Influencer und Menschen, die offenbar viel Geld haben. «Das sehe ich an ihren Profilen», erklärt sie.
Trotz des finanziellen Wohlstands sei ihnen der Aufwand zu gross, die Tiere über die Grenzen Dubais zu verfrachten. «Dabei kostet es zum Beispiel nur rund 100 Euro. Wenn man ein Tier im Flieger nach Deutschland mitnehmen will», erklärt die Tierretterin.
Voraussetzungen sind ein Haustierpass sowie Impfnachweise – was es den Wolkenkratzer-Karrieristen aber offenbar nicht wert ist.
Und nicht nur das: Manche hätten sogar ihren Tierarzt aufgesucht, um ihre «gesunden Haustiere» einschläfern zu lassen, erzählt Tas gegenüber dem «Telegraph». Der Grund: Die Besitzer hätten sich nicht mit Umzugskosten oder Papierkram auseinandersetzen wollen.
Die Menschen würden aus Not heraus handeln. In Dubai gebe es kein «gross angelegtes Tierheimsystem», welches die aktuelle Situation bewältigen könne. Offenbar erwägen viele Bewohner im Kontakt mit der Retterin, ihre Vierbeiner auf der Strasse auszusetzen. Sofern niemand an einer Übernahme interessiert sein sollte.
Tierschutz bietet Unterstützung
Auf Social Media häufen sich derzeit Bilder, die das herzlose Verhalten aufzeigen. Zu sehen sind etwa in Pappschachteln ausgesetzte und im Abfall entsorgte Katzenbabys. Hunde werden irgendwo auf offener Strasse angebunden – mal an Laternenpfählen, mal an Abfallkübeln.
Ein Zustand, den die Tierschutzorganisation K9 Friends Dubai alarmiert.
Auf Instagram heisst es: «Wir verstehen, dass die Lage angespannt ist und dass es Familien gibt, die aus Sicherheitsgründen versuchen, in ihre Heimatländer zurückzukehren. Wir bitten Sie dringend, Ihre Haustiere mitzunehmen.»
Dafür biete man Unterstützung an.
















